H-Hotels jetzt mit zwei Brauereien

Gastro-Branche sortiert sich neu: Fitz kauft sich in weitere Brauerei ein

Ein Mann am Renderpult der Allersheimer Brauerei.
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Mit dieser Neuerwerbung hat er viele überrascht: Der Bad Arolser Hotelier Alexander Fitz übernimmt die Anteilsmehrheit an der Brauerei Allersheim.

Der Bad Arolser Hotelier Alexander Fitz hat die Anteilsmehrheit der Brauerei Allersheim im niedersächsischen Holzminden übernommen. Nun ist man in Arolsen gespannt, wie die Kooperation mit der vor zwei Jahren von ihm übernommenen Arolser Hofbrauerei aussehen wird.

Bad Arolsen – Der Kauf fällt mitten in die Corona-Krise, von der auch die H-Hotel-Gruppe massiv betroffen ist. Die 60 Hotels mit rund 3000 Angestellten in Kurzarbeit können wegen des behördlich angeordneten Beherbergungsverbotes seit Monaten keinerlei Umsatz erwirtschaften.

Dennoch gibt sich Fitz im Gespräch mit der WLZ optimistisch, dass spätestens im Frühsommer bei gestiegenen Temperaturen und endlich angelaufener Impfkampagne auch die Gastronomiebranche auch wieder ans Laufen kommt.

Fitz räumt ein: „Selbst bei Vorhandensein entsprechender Finanzierungen verbieten sich derzeit angesichts der hohen Zahl an Kurzarbeitenden in unserer Unternehmensgruppe und der unklaren Prognose innerhalb unserer Branchen Investitionen dieser Größenordnung.“

Planverfahren für Hofbrauhaus ist abgeschlossen

Das bedeute aber keinesfalls das Aus für die Planungen rund um das historische Brauereiareal am Rande der barocken Altstadt von Bad Arolsen. Die notwendige Neuordnung der Bebauungspläne im Bereich Untere Kaulbachstraße sei erfolgreich abgeschlossen.

Der Unternehmer hält an den Plänen für eine Braustätte in Bad Arolsen fest, möchte aber zunächst sicherstellen, „dass Arolser läuft...“ Schon viel zu lange habe man auf frisch gebrautes Bier aus Hessens ältester Brauerei warten müssen.

Große Nachfrage völlig ohne Werbung

Wie stark die Verbundenheit zum heimischen Produkt sei, habe kurz vor Weihnachten die Sonderedition Arolser Winterbier gezeigt. Die dunkle Brauspezialität habe ohne die üblichen begleitenden Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen in den ersten Dezemberwochen die Getränkemärkte und den Lebensmitteleinzelhandel in der Region erreicht.

Die Nachfrage sei so groß gewesen, dass schon am zweiten Tag nach der Erstauslieferung die Nachproduktion gestartet wurde: „Wir waren sehr glücklich, nach diesem äußerst negativem Jahr noch einen schönen Erfolg erleben zu dürfen. Vor allem freut uns, dass wir mit einer Bierspezialität an den Start gegangen sind und die Menschen es genauso mögen wie wir!“, erklärt Alexander Fitz.

Schwer enttäuscht von der Bundesregierung

Und weiter: „Mit dem Erwerb der Anteilsmehrheit in Allersheim stellen wir sicher, dass dieses herausragende Projekt und unser Arolser Bier nicht der Viruspandemie zum Opfer fallen. Mit entsprechenden Produktionskapazitäten ausgestattet, können wir in eine neue, hoffentlich bald startende Saison starten.

Das Hofbrauhaus in Bad Arolsen: Auf dem historischen Fotos sind Fässer zu sehen, die hier seit 2013 nicht mehr abgefüllt wurden.

Gleichzeitig der Blick auf die Krisen-Situation in der Hotelbranche: „Keine Planungssicherheit, keine Perspektive, keine Einstiegsprognose.“ So beschreibt Alexander Fitz die Situation in der Gastronomiebranche. Auf dem Branchenportal „Hospitality Inside“ hatte der Hotelier vor wenigen Tagen seinen ganzen Ärger über die wirtschaftspolitischen Entscheidungen abgeladen. Im Gespräch mit der WLZ verrät er, dass er zu seiner Generalabrechnung mit der Politik viele zustimmende Reaktionen aus seiner Branche, aber auch darüber hinaus erhalten habe. Fitz: „Wir können uns diesen Schmusekurs gegenüber der Politik nicht länger leisten.“

Keine Möglichkeit, Hilfen zu beantragen

Er habe das Vertrauen in die Versprechungen der Bundesregierung verloren und rede jetzt nur noch von der „Novemberlüge“. Von den versprochenen Novemberhilfe hätten die deutschen Hotelketten jeweils nur 10.000 Euro erhalten. „10.000 Euro für 60 Hotels. Das hätten sie sich auch sparen können“, sagt Fitz.

Bis heute gebe es kein Antragsportal, auf dem er und seine Hotelierskollegen Hilfen abrufen könnten. Die entsprechende Richtlinie, die eine Ausnahme von den EU-Subventionsregeln darstelle, sei immer noch nicht vom Bundestag ratifiziert worden. Das sei ein Skandal“, schimpft Ffitz. In Österreich sei das längst geschehen.

Zugpferde werden vernachlässigt

Immerhin gebe es jetzt Novemberhilfe für die kleinen Hotels und Restaurantbesitzer. Für verbundene Unternehmen wie seine Hotelgruppe aber gelten andere Regeln. Dabei seien gerade die großen Hotelketten die Zugpferde, die viele Arbeitsplätze schafften, pünktlich ihre Steuern zahlten und Lieferanten nicht hängen ließen.

Und dann habe Finanzminister Olaf Scholz die Frechheit, im Fernsehen zu behaupten, die Beihilfen flössen, alles sei in bester Ordnung. „Das ist es nicht“, widerspricht Fitz.

Zuversichtlicher Blick nach vorn: Tagungs- und Messegeschäft kommen wieder

„Wir sind behördlich geschlossen, haben quasi Berufsverbot.“ Dennoch ist Fitz optimistisch, dass sein Geschäft im Frühsommer wieder anlaufen könnte. Wenn erst die Temperaturen stiegen und die angepeilten Impfzahlen würden, dann könne sich das Blatt wieder wenden. Er glaubt auch, dass das Messe- und Veranstaltungsgeschäft wieder anlaufen werde. Allenfalls die Geschäftsreisen, die als Tagesveranstaltungen angelegt seien, könnten künftig durch Videokonferenzen überflüssig werden. Langfristig sei aber der direkte Austausch unersetzlich. (Elmar Schulten)

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