Duft von Flugbenzin und Öl wabert durch die Kabinenluft

Fliegender Oldtimer Antonov An-2 zu Gast auf dem Mengeringhäuser Flugplatz

Berufspilot Rob de Man am Propeller seines historischen Flugzeugs
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Stolzer Eigentümer dieser Havilland-DHC-Chipmunk und der Antonov An-2 ist der niederländische Berufspilot Rob de Man.

Ein Stück Luftfahrtgeschichte war am Sonnabend auf dem Mengeringhäuser Flugplatz (Waldeck-Frankenberg) zu bestaunen: Zwei niederländische Piloten waren mit ihren Oldtimer-Maschinen, einer Antonov An-2 und einem Trainingsflugzeug der britischen Marine, auf dem Flugfeld von Christiane Ritter gelandet.

Anlass für den Besuch des größten einmotorigen Doppeldeckers aus Sowjet-Produktion war ein Transportauftrag für ein niederländisches Flugzeug-Museum. Für viele Technikinteressierte aus Nordwaldeck aber war es ein willkommener Anlass, um sich zwei seltene Flugmaschinen aus den Anfängen der Fliegerei einmal etwas näher anzuschauen. Manche nutzten die Gelegenheit für einen Rundflug über Twistesee und Residenzschloss.

Berufspilot Rob de Man hat Mengeringhausen und den Flugplatz von Christiane Ritter nur durch Zufall kennengelernt. Bei einem Transportflug vor zwölf Jahren kam schlechtes Wetter auf und der Pilot war auf der Suche nach einem sicheren Landeplatz. Da lag das Flugfeld in Mengeringhausen einfach in der Nähe.

Seitenruder und Querruder für DC3 neu bespannt

Der Pilot, der ein privates Museum für Weltkriegs-Technik im niederländischen Overloon unterstützt, fand heraus, dass Christiane eine der wenigen Flugzeugexperten ist, die das Bespannen der Tragflächen mit Leinen beherrscht. Dabei müssen die Tücher eng vernäht und mit vielen Schichten Lack versehen werden.

Das verleiht den Tragflächen die nötige Festigkeit bei geringem Gewicht. Aus diesem Material sind auch die Tragflächen einer DC3 gemacht, die Overloon ausgestellt ist. Christiane Ritter hat in Mengeringhausen ein Seitenruder und ein Querruder bespannt.

Corona-Regeln beim Check-In

Diese Bauteile sollten nun transportiert werden. Eine gute Gelegenheit für ein kleine Wiedersehensfeier von Fliegerfreunden. Und viele Schaulustige durften dabei sei. Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt waren alle nötigen Vorkehrungen getroffen worden, um die Corona-Hygiene einzuhalten.

Die Veranstaltung fand unter freiem Himmel statt. Man ging auf Abstand und alle interessierten Flugpassagiere wurden auf Fieber getestet. An Bord herrschte Maskenpflicht und nach jeder Platzrunde wurden die Sitze und Türen desinfiziert.

Altes Schätzchen wird gut gepflegt

Und wie sicher ist die alte Technik? „Das Alter spielt keine Rolle, wenn man die Maschine regelmäßig wartet“, sagt Christiane Ritter, die hauptberuflich bei der Flugaufsichtsbehörde des Regierungspräsidium Münster auf dem Flughafen paderborn arbeitet. Die Maschinen müssen jedes Jahr zum TÜV. Außerdem gibt es Standardintervalle für die Wartung aller wichtigen Baugruppen: Motor, Propeller, Hydraulik, Bremsen - alle diese Komponenten werden nach einer vorgegebenen Zahl von Flugstunden kontrolliert werden.

Die Ersatzteilbeschaffung ist schwierig bei alten Maschinen. Doch noch lassen sie genügend Originalteile für die Antonov beschaffen, manche nur in Ländern des früheren Ostblocks, wo die Antonov zu Zeiten der Sowjetunion recht verbreitet war.

Freude an historischen Flugzeugen

Die Maschine, die Rob den Man sein Eigen nennt, flog einst für die Nationale Volksarmee NVA. Die alte DDR-Kennung DM-SKL prangt noch prominent am Rumpf der alten Maschine. Daneben, etwas kleiner, die aktuelle Kennung der Antonov. Nostalgisch ist die aktuelle Lackierung der Antonov: Unübersehbar der alte Schriftzug der Lufthansa. Weiter vorn an der Kabine ist das Logo der New Zealand Airlines N.Z.A. zu sehen. Auch das Innere des historischen Luftfahrzeugs wirkt nostalgisch: Die drei Sitzreihen mit Zweier- und Einzelsitz. Es riecht nach Flugbenzin und Öl.

Etwas abseits steht an diesem Sonnabend die zweite Oldtimer-Maschine: Eine de Havilland Canada DHC-1 Chipmunk war bei der britischen Marine als Trainingsmaschine. Auch die Piloten der legendären Fliegerstaffel Red Arrows lernten auf dieser einmotorischen Maschine.

Hintergrund zur Antonov An-2

Die Antonov An-2 gilt mit ihren 18 Metern Spannweite und 5,7 Tonnen maximalem Startgewicht als größter einmotorige Doppeldecker der Welt. Die AN-2 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion entwickelt und in großer Stückzahl sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt.

Insgesamt wurden seit 1947 etwa 18 000 Stück produziert, von denen noch erstaunlich viele im Einsatz sind. Der Neunzylinder-Sternmotor schafft mit seinen 1000 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometer Pro Stunde. Die Reisegeschwindigkeit liegt bei etwa 190 Stundenkilometer. Pro Stunde verbraucht der Motor rund 200 Liter Flugbenzin und neun Liter Öl.

Mit ihrer großen Flügelfläche ist die An-2 für Langsamflug und kurze Startbahnen ausgelegt. Für den Start benötigt sie rund 150 Meter, für die Landung 180 Meter. Das Fahrwerk erlaubt Starten und Landen auf unbefestigten Flächen.

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