16 Flüchtlinge hospitieren bei Viessmann

Vor der Zentrale der Heiztechnik-Herstellers Viessmann in Allendorf: die Flüchtlinge mit ihrem Dolmetscher. Foto: nh

Allendorf/Eder. Das Heiztechnikunternehmen Viessmann hat ein Schulungsprogramm für Flüchtlinge gestartet, die im ehemaligen DRK-Altenheim in Battenberg untergebracht sind.

Seit einer Woche läuft das Programm als Kombination aus Sprachunterricht und Hospitationen im Betrieb. Nach dem täglichen, dreistündigen Deutschunterricht, den Viessmann finanziert, werden die momentan 16 Teilnehmer mit dem Bus zum Mittagessen in die Kantine nach Allendorf gebracht. Anschließend besuchen sie unterschiedliche Bereiche des Unternehmens.

„Die Integration der Flüchtlinge ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der wir als Unternehmen einen Beitrag leisten möchten“, sagt Prof. Dr. Martin Viessmann. „Wenn uns dies gemeinsam gelingt, wird das nicht nur den Menschen zugutekommen, die unsere Hilfe benötigen. Auch unsere heimische Region kann insgesamt profitieren, besonders vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, von dem wir hier in starkem Maße betroffen sind.“

Sprache ist wichtig

Wichtigste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration seien das Erlernen der Sprache und eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. „Deshalb setzen wir genau dort an“, so Prof. Viessmann. Die Rahmenbedingungen für die Aufnahme der Menschen seien heute ungleich besser als in den Notzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg. Allein in den Jahren nach 1945 kam eine Million Vertriebene nach Hessen.

Die Flüchtlinge stammen aus Syrien, Irak, Somalia und Eritrea. Sie sollen zunächst einen Einblick in die betrieblichen Abläufe erhalten. Die meisten Teilnehmer werden in der Viessmann-Ausbildungswerkstatt an verschiedene Aufgaben herangeführt. Einige bringen Vorkenntnisse mit. So fahren zwei Köchinnen jeden Tag von Allendorf weiter ins Hotel Die Sonne nach Frankenberg, zwei Elektriker hospitieren in der Instandhaltung und zwei Java-Programmierer in der App-Entwicklung.

Einer von ihnen ist Mahmoud Swaid. Der 33-jährige ist mit seinen beiden Brüdern und deren Familien aus Syrien geflohen und wohnt seit September am Wingertsberg.

„Wir haben alles verloren, aber jetzt sehen wir wieder eine Zukunft.“

Alle drei Brüder nehmen, wie auch die anderen Flüchtlinge, mit Begeisterung an dem Viessmann-Programm teil: „Das bedeutet uns sehr viel. Wir haben alles verloren, aber jetzt sehen wir wieder eine Zukunft. Uns ist es wichtig, der Gesellschaft und den Menschen etwas zurückzugeben, die uns hier so gastfreundlich aufgenommen haben“, betont Mahmoud Swaid.

„Die Flüchtlinge sind sehr engagiert und interessiert“, berichtet Viessmann-Ausbildungsleiter Georg Glade. „Sie kommen jeden Tag hochmotiviert ins Unternehmen. Die ersten haben schon gefragt, ob sie nachmittags noch etwas länger bleiben können.“

Als nächsten Schritt plant Viessmann ein Ausbildungsprogramm für bestimmte Arbeitsbereiche im Unternehmen, in denen ein Fachkräftemangel absehbar ist. So gibt es Überlegungen, Flüchtlinge in einem IHK-zertifizierten Ausbildungsgang über sechs bis acht Monate zum Schweißer zu schulen. (nh/off)

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