Elf Euro pro Tag für einen Wohnplatz

Verträge für Flüchtlingswohnungen enden - 550 Menschen suchen neue Bleibe

+
Flüchtlinge: 2015 kamen viele Menschen, nun sind es deutlich weniger, viele Wohnungen werden nicht mehr gebraucht. 

Korbach. Dass demnächst 2800 Flüchtlinge im Landkreis auf Wohnungssuche gehen müssen, befürchtet der frühere ehrenamtliche Flüchtlingskoordinator Ingo Hoppmann.

Die Kommunen haben die für Flüchtlinge angemieteten Wohnungen zum November gekündigt, bestätigt der Landkreis. Doch davon seien nicht 2800, sondern rund 550 Personen betroffen.

Der Vorwurf

Dass die Flüchtlinge aus ihren Wohnungen ausziehen und teils sogar wieder in Gemeinschaftsunterkünfte ziehen müssten, sagt Hoppmann, der auch für die Linke im Kreistag sitzt. Der Wohnungsmarkt im Landkreis sei sowieso schon angespannt, zudem könnten die Flüchtlinge weniger zahlen als der Landkreis, der die Kosten übernimmt. Schon jetzt würden manche Flüchtlinge – vor allem größere Familien und Einzelpersonen – bis zu sechs Monate nach einer Wohnung suchen müssen. Und: Wer geduldet sei, dürfe keinen eigenen Wohnraum mieten, so Hoppmann.

Zudem, so sagt der Flüchtlingshelfer, sollten die Flüchtlinge selbst die Mietverträge aushandeln. „Wie soll das angesichts mangelnder Sprachkenntnisse funktionieren“, ist Hoppmanns Sorge. Dass Integrationsbemühungen zunichte gemacht werden, fürchtet er außerdem. Wer schon Jahre in einer Wohnung lebe, sei bereits integriert. Ein Umzug würde das auf den Kopf stellen. „Das hat nichts mehr mit Integration zu tun.

Die Erwiderung

Alle 22 Städte und Gemeinden im Landkreis hatten Wohnungen für die Flüchtlinge angemietet, sagt Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese. Aus der Kreisverwaltung sei nun die Empfehlung gekommen, die noch laufenden Mietverträge zum 30. November 2018 zu kündigen.

Der Grund: Ein Großteil der Wohnungen steht leer und weil dem Kreis immer weniger Flüchtlinge zugeteilt würden, müsse Wohnraum abgebaut werden. Denn auch wenn die Wohnungen nicht genutzt werden, zahlt der Landkreis an die Kommunen für jeden Wohnplatz eine Tagespauschale, die derzeit bei elf Euro liegt.

Insgesamt betreue der Landkreis jetzt noch rund 2400 Flüchtlinge, sagt Katja Müller-Ashauer vom Fachdienst Soziale Angelegenheiten. Davon leben 775 Personen in Wohnungen, die gekündigt wurden oder werden. Allerdings, so sagt Müller-Ashauer: Die Flüchtlingswohnungen in Korbach werden zunächst nicht gekündigt, weil die Wohnungssuche in der Kreisstadt zu schwierig sei. Bleiben 550 Menschen, die eine neue Bleibe suchen müssen.

Wieder in eine von 15 Gemeinschaftsunterkünften würden Flüchtlinge nur in Ausnahmefällen ziehen, falls das Asylverfahren noch nicht beendet ist. Danach stehe es ihnen frei – ob geduldet oder mit Aufenthaltserlaubnis – eine eigene Wohnung zu suchen. Auch in der bisherigen könnten sie bleiben, wenn sie angemessen ist. Bei der Suche werde aber kein Flüchtling allein gelassen, sagt Frese. Obwohl die Zahl der Ankommenden deutlich gesunken sei, habe man die Mitarbeiterzahl in diesem Bereich nicht reduziert. So könne auch bei Mietverträgen geholfen werden. Sozialamt und Jobcenter prüfen, ob die Mietkosten angemessen sind. Diese liegen in einer Höhe wie bei allen anderen Leistungsbeziehern auch.

Hintergrund: Elf Euro pro Tag für einen Wohnplatz

Der Landkreis zahlt eine Tagespauschale pro Wohnplatz an die Kommunen, die Wohnungen für Flüchtlinge gemietet haben. Bis 30. April waren das 12,83 Euro, derzeit sind es elf Euro, ab 1. Januar noch zehn Euro. Ende April endet die Vereinbarung mit den Städten und Gemeinden, dann fließt kein Geld mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.