Im Wald droht große Gefahr

Förster in Waldeck-Frankenberg warnen: Kranke Buchen können plötzlich umstürzen

Sorgen um Buchenbestand: Unter der Rinde dieser Buche hat sich Weißfäule gebildet, wie die Förster Sebastian Renziehausen-Philipps (links) und Peter Stein hier zeigen. Der vorgeschädigte Baum war aus Sicherheitsgründen gefällt worden.
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Sorgen um Buchenbestand: Unter der Rinde dieser Buche hat sich Weißfäule gebildet, wie die Förster Sebastian Renziehausen-Philipps (links) und Peter Stein hier zeigen. Der vorgeschädigte Baum war aus Sicherheitsgründen gefällt worden.

Neben dem großflächigen Fichtensterben schreitet auch das Buchensterben im Landkreis Waldeck-Frankenberg in dramatischer Weise voran. Eine große Gefahr für Waldbesucher.

Waldeck-Frankenberg - Auch im normalfeuchten Jahr 2021 hat sich der Zustand der Buchen im Landkreis Waldeck-Frankenberg weiter verschlechtert. Die durch Trockenheit und hohe Sonneneinstrahlung in Vorjahren vorgeschädigten Bäume können sich in kürzester Zeit zersetzen und abbrechen.

„Im Wald droht deshalb große Gefahr“, beschreibt Peter Stein, der im Forstamt Frankenberg-Vöhl das Revier Wangershausen betreut, die Situation. Seit zwei Jahren sei für Verkehrssicherungsmaßnahmen – also das Beseitigen von einsturzgefährdeten Bäumen an Straßen und Wegen – ein immenser Aufwand nötig. „Dennoch müssen wir feststellen, dass wir derzeit nicht mehr Herr der Lage sind“, sagt Stein.

Als Ursachen für das Buchensterben nennt er lange Trockenphasen in den Jahren 2018 bis 2020, intensive Sonneneinstrahlung und Niederschlagsdefizite. Trotz der Niederschläge in diesem Frühjahr und Sommer seien tiefere Bodenbereiche, speziell in ein bis drei Metern Tiefe, noch ausgetrocknet – also im Bereich des Feinwurzelsystems von Altbäumen. Teile des Wurzelwerks und der Holzzellen im Stamm- und Kronenbereich sind oft irreversibel beschädigt. Wasser- und Nährstoffaufnahme sowie ihr Transport im Stamm zur Krone finden nicht mehr oder nur eingeschränkt statt. Pilzbefall tut ein Übriges zum Zerfall der Bäume.

Schadenshöhe noch nicht abschätzbar

Wie hoch der Schaden allein im Forstamt Frankenberg-Vöhl sein wird, lasse sich noch nicht abschätzen. Stein: „Derzeit läuft eine Inventur. Erste Ergebnisse deuten auf einen sehr hohen Schaden hin. Zudem ist der Prozess dynamisch, ein Ende der Schadensentwicklung noch nicht absehbar.“

Auch im Stiftungsforsten Kloster Haina ist die Situation ernst: „Absehbar werden wir in vielen Bereichen mit einem vollständigen Verlust der Altbuchen rechnen müssen“, schildert Leiter Dr. Stephan Willems die Lage.

Im Burgwald sind laut Forstamtsleiter Eberhard Leicht die Schadsymptome in alten Buchenbeständen längst nicht so ausgeprägt wie in den Schieferböden im Rothaargebirge. Dennoch gebe es auch dort stellenweise rapide Absterbeprozesse. Auch Hendrik Block von der Kommunalwald-GmbH Waldeck-Frankenberg stellt fest, dass „in diesem Sommer wieder eine große Zahl älterer Buchen abgestorben oder beschädigt“ sei.

Waldbesucher zur Vorsicht aufgerufen

Auch äußerlich gesund aussehende Buchen, aber auch andere Baumarten, können schwer geschädigt sein. Sie können unvermittelt und ohne Vorwarnung abbrechen. Deshalb appellieren Förster wie Peter Stein an Waldbesucher: „Seien Sie achtsam! Halten Sie Augen und Ohren offen und beobachten Sie den Kronenraum! Bleiben Sie auf den befestigten Wegen. Meiden Sie den Wald bei Wind, bei verschneiten oder vereisten Bäumen! Beachten Sie Wegesperrungen!“  Von Martina Biedenbach

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