Förster beklagen immer mehr Fälle

Abfall im Wald bei Bad Arolsen - Unrat mit schlimmen Folgen

Schrott im Wald kann für Mensch und Tier gefährlich sein. Vor allem ist er eine enorme Belastung für die Umwelt.
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Schrott im Wald kann für Mensch und Tier gefährlich sein. Vor allem ist er eine enorme Belastung für die Umwelt.

Abfall im Wald bei Bad Arolsen - leider zurzeit ein fast vertrautes Bild. Zuständige Förster berichten und beklagen schwerwiegende Umweltschäden.

Bis zu 450 Jahre soll es dauern, bis eine PET-Flasche im Wald vollständig abgebaut ist. Soll, denn es wird noch lange dauern, bis man es genau weiß. Die erste Plastikflasche ist gerade mal 80 Jahre alt und wird, neben vielem anderem illegal entsorgten Müll, wohl noch irgendwo auf der Welt herum liegen.

Wie viel Müll genau in den Wäldern rund um Bad Arolsen landet, lässt sich nicht feststellen. Belastbare Daten fehlen, da die Fälle und Mengen nicht zentral erfasst werden. Wer aufmerksam spazieren geht wird aber immer wieder sehen, dass unter Büschen und Bäumen nicht nur Kräuter und Waldblumen wachsen. Sogenannter Kleinmüll, Flaschen, Dosen, Einwegbecher, Zigarettenstummel, Plastikverpackungen, benutzte Masken oder Papiertaschentücher breitet sich ebenfalls bunt auf dem Waldboden aus.

Abfall aus Plastik schadet der Umwelt im Wald.

„Wo Menschen spazieren gehen, geht es wohl nicht ohne Müll“´, sagt Dieter Kisselbach, Revierleiter des Stadtwaldes.

Dieter Kisselbach, Revierleiter im Stadtwald Bad Arolsen.

„Jeder meint wohl seine Kleinigkeit spielt in einem großen Wald keine Rolle. Die Achtlosigkeit mit der die Dinge einfach weggeworfen werden ärgert mich natürlich. Egal wie groß oder klein, Müll gehört nicht in die Natur. Ist es wirklich so schwer, das, was man voll in den Wald bringt, wieder leer nach Hause zu tragen?“

Großer Müll, große Sorgen

Diese Kleinabfälle, so ärgerlich und rücksichtslos ihre fälschliche Entsorgung ist, machen den Förstern aber nicht die ganz großen Sorgen: Zu ihrem Alltag im Wald gehören auch Sperrmüll, Bauschutt, Batterien, ausrangierte Möbel, sogar Waschmaschinen und Kühlschränke. Es gibt nichts, was nicht schon einmal am Rande von Waldparkplätzen, Waldwegen oder auch tiefer im Wald illegal abgeladen wurde. „Ich habe einmal mitten im Wald eine komplette Küchenzeile mit Elektrogeräten gefunden“, erinnert sich Achim Freese, Leiter des fürstlichen Forstamtes.

Achim Freese, Leiter des fürstlichen Forstamts.

„Es lag sogar noch ein Stück Camembert auf der Arbeitsfläche. Einmal stand auch ein großer Holzschrank mitten auf dem Forstweg. Das waren sicher Ausnahmen, aber ich bin immer wieder erstaunt, welche Mühen sich Menschen machen, ihren Müll illegal zu entsorgen. Gerade in Bad Arolsen kann man doch einfach und meist kostenlos oder kostengünstig seinen Müll auf legale Weise loswerden.“

Bauschutt im Wald bei Bad Arolsen- leider ein schon beinahe vertrautes Bild.

Beide Förster kennen die beliebtesten „Abladeplätze“ ihres Waldes. Immer dort, wo gut befestigte Wege in den Wald führen, Waldränder durch Hecken einen Sichtschutz haben oder Waldparkplätze eine schnelle Weiterfahrt möglich machen, wird der Wald als Deponie genutzt. Die Kosten für die Entsorgung des Mülls trägt grundsätzlich der Eigentümer der Fläche. Nach dem Gesetz darf der Wald aber von jedem betreten werden und Waldbesitzer haben keine Möglichkeit, das einzuschränken. Eine Vereinbarung für private Wälder regelt deshalb, dass wild abgelagerter Müll von den örtlichen Kommunen abgeholt wird. In Bad Arolsen erledigen das – leider zu oft – hilfsbereit und zuverlässig die Mitarbeiter des Bauhofs.

Bioabfall ist nicht harmlos

Nicht so leicht haben es die Förster mit Gartenabfällen. „Immer noch“, so erzählen sie, „glauben die Menschen, dass alles, was aus dem Garten kommt, Bio ist und unbesorgt im Wald abgelagert werden. Diese Art Abfall kann aber viel Schaden anrichten. Er hat im Wald nichts zu suchen. Pflanzliche Abfälle sind nicht harmlos, sie führen dazu, dass Wälder überdüngt werden. Rasenschnitt schimmelt und gärt, die darunter liegenden Organismen sterben ab. Pilzkrankheiten können sich ausbreiten, Johannisbeerabfälle können die Rostkrankheit auf die Weymouth-Kiefer übertragen. Die Samen von Pflanzen, die hier nicht heimisch sind, bleiben oft mehrere Jahre keimfähig, verbreiten sich und verdrängen schließlich die heimischen Pflanzen. Es sind vor allem Pflanzen und Kleinstlebewesen, die diesen Wildablagerungen zum Opfer fallen. Wir wollen uns aber nicht beschweren. Im Großen und Ganzen sind unsere Walbesucher sehr vernünftig.“

Kunststoffschläuche mitten auf dem Waldweg - unschön und umweltschädlich.

Was auch immer es ist, Müll gehört nicht in den Wald. Und was die wilden Entsorger als Naturrecht betrachten, ist kein Kavaliersdelikt. Unerlaubte Müllentsorgung ist immer illegal, nicht nur im Wald. Wer erwischt wird, muss mit hohen Bußgeldern rechnen und lernt spätestens dann, dass es sich nicht lohnt, auf diese Weise Müllgebühren sparen zu wollen. Das Ökosystem Wald, in dem wir joggen, der unseren Sauerstoff produziert und unser Trinkwasser speichert, hat Respekt verdient. Barbara Liese  

Weitere Informationen zur Abfall- und Sperrmüllentsorgung in Bad Arolsen stehen unter www.sperrmuell-abfuhr.de und www.bad-arolsen.de.    

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