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Holzklau im Wald nimmt auch in Waldeck-Frankenberg zu

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Von: Martina Biedenbach

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Kleiner Sender, große Wirkung: Diesen Tracker hat Matthias Opfer vom Forstamt Frankenberg zusammen mit anderen entwickelt.
Kleiner Sender, große Wirkung: Diesen Tracker hat Matthias Opfer vom Forstamt Frankenberg zusammen mit anderen entwickelt. © Martina Biedenbach

Angesichts der Energiekrise und hoher Preise für Gas, Öl und Strom wird Holz als Brennstoff immer beliebter – und auch immer teurer. Das bringt Holzdiebe auf den Plan, wie überregionale Medien vermelden. Auch in Waldeck-Frankenberg beobachten Forstbetriebe und Polizei einen Anstieg des Holzklaus.

Waldeck-Frankenberg – „Bei uns ist Holzdiebstahl schon seit vergangenem Jahr immer mal wieder Thema – von Brennholz bis hin zu Säge- oder Industrieholz“, sagt Hendrik Block von der Kommunalwald-GmbH Waldeck-Frankenberg. „Holzdiebstahl hat es aber schon immer gegeben“, fügt er hinzu.

Im Forstamt Burgwald sind einem Kunden im Sommer 100 Festmeter Fichtenholz gestohlen worden. Das entspricht etwa vier vollen Lkw-Ladungen“, sagt die stellvertretene Forstamtsleiterin Christina Lorey. „Vereinzelt wurden auch kleine Polter Brennholz geklaut. Die eigentliche Brennholzproduktion beginnt jedoch erst jetzt“, sagt sie mit Blick auf den Winter.

Auch Andreas Schmitt, Leiter des Forstamtes Frankenberg-Vöhl, sieht „erste Anzeichen für verstärkten Holzdiebstahl“. Vor zirka sechs bis acht Jahren habe es bereits eine Diebstahlwelle gegeben. Damals habe das Forstamt begonnen, unverkauftes Holz über GPS-Sender zu schützen. Danach sei der Schwund zurückgegangen. Auch jetzt reagiere das Forstamt mit verstärkter Holzbesenderung.

Andere Forstbetriebe nutzen ebenfalls diese sogenannten Forst-Tracker. „Sie werden in Holzpoltern so angebracht, dass sie nur schwer zu finden sind. Wird das Holz aufgeladen und abgefahren, sendet der Tracker ein Signal auf unsere Diensthandys. Wir verständigen umgehend die Polizei, sichern die Ladung und erstatten Anzeige“, sagt Christina Lorey und fügt hin: „Das Entwenden von Holz aus dem Wald ist kein Kavaliersdelikt, sondern Diebstahl und wird strafrechtlich verfolgt.“

Außerdem kontrollieren die befragten Forstbetriebe vermehrt die Abfuhrpapiere der Holz-Lkw. Kunden bekommen, nachdem sie das Holz bezahlt haben, einen Abfuhrschein. Auf diesem ist verzeichnet, für welches Holz der Kunde eine Abfuhrberechtigung hat. Ohne diese Papiere darf kein Holz abtransportiert werden.

„Wir raten unseren Kunden zudem, ihr Holz nach Bezahlung und Erhalt des Abfuhrscheins schnellst möglich aus dem Wald zu holen“, schildert Lorey eine weitere Schutzmaßnahme.

Mit dem GPS-Sender, so groß wie eine Streichholzschachtel, ist Matthias Opfer vom Forstamt Frankenberg-Vöhl schon einigen Holzdieben auf die Schliche gekommen. Mit dem Gerät, das in Holzstapeln versteckt wird, kann er nachverfolgen, wohin das Holz transportiert wird.

Der Funktionsbeschäftigte Technik – so seine genaue Bezeichnung im Forstamt – hat das Verfahren 2012/2013 zusammen mit anderen Mitarbeitern von Hessen-Forst für den Bedarf im Forst weiterentwickelt. Die Tüftler variierten dazu GPS-Sender, wie sie Logistikunternehmen zur Überwachung ihrer Fracht verwenden. Im Laufe der Jahre wurde das Verfahren verfeinert, bis zu dem jetzt nur noch streichholzschachtelgroßen Sender – Forsttracker genannt.

Der Sender hat eine Kunststoff-Ummantelung, die ihn vor Nässe, Schmutz und Stößen schützt. Er wird so in einem zum Abtransport am Wegrand abgelagerten Holzpolter versteckt, dass man ihn nicht sieht.

Dazu bohrt Matthias Opfer ein kleines Loch in einen Stamm, steckt den Tracker hinein und verdeckt die Öffnung mit Rinde und Erde. Mit einem Tuch fängt er das beim Bohren entstehende Sägemehl auf, damit ein potenzieller Dieb nicht Lunte riecht.

Das Gerät schlägt dann Alarm, wenn das Holz bewegt wird, zum Beispiel auf einen Lkw oder einen Anhänger verladen wird. Dann sendet das Satelliten-Navigationssystem eine SMS und ein E-Mail auf Opfers Diensthandy. „Ich fahre aber nicht gleich los“, schildert er das weitere Vorgehen. Er verfolgt stattdessen per GPS, wohin das Holz verfrachtet wird. Erst wenn sicher ist, dass das Holz nicht aus Versehen von einem Transportunternehmen falsch verladen wurde, schaltet er die Polizei ein.

„Es geht nicht in erster Linie darum, Holzdiebe festzunehmen, sondern sie abzuschrecken“, sagt der 46-Jährige. Und dazu sei der Forst-Tracker gut geeignet. In Zeiten der aktuellen Energiekrise und der steigenden Brennholzpreise – bei der Buche zum Beispiel von 62 auf 85 Euro pro Festmeter – beobachten die Forstleute schließlich einen Anstieg an Holzklau im Wald.

Der Forst-Tracker werde mittlerweile nicht nur bei Hessen-Forst, sondern auch in anderen Bundesländern angewendet, berichtet Matthias Opfer. Die Konstruktion hat ihm bereits viel mediale Aufmerksamkeit beschert, bis hin zu Berichten im Fernsehen.

Polizei: 2022 schon rund ein Dutzend Anzeigen

Die Polizei in Waldeck-Frankenberg sieht „tendenziell einen leichten Anstieg“ der Fallzahlen im Bereich Holzdiebstähle. In diesem Jahr kam bereits rund ein Dutzend Diebstähle zur Anzeige. In den Vorjahren waren es zwischen acht (2021) und elf Fälle (2019 und 2020). Dabei handelt es sich um Diebstahl von Nutzholz, Holzbriketts und Brennholz, nicht nur um Holz aus dem Wald. Die Polizei geht davon aus, dass nicht alle Diebstähle angezeigt werden, sagt Sprecher Dirk Richter.

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