Neujahrsempfang 

Fackiner: Stimmung bei den Bauern ist "grottenschlecht"

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Mit Milch: (von links) Geschäftsführer Matthias Eckel vom Kreisbauernverband Frankenberg, Hessens Bauernpräsident Karsten Schmal, Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbandes Bernhard Hartelt, Geschäftsführerin Stephanie Wetekam vom Waldecker Bauernverband und Kreisbauernverbandsvorsitzender Olaf Fackiner.

Die Rede von Olaf Fackiner beim Neujahrsempfang der Kreisbauernverbände Waldeck und Frankenberg im Bürgerhaus Altenlotheim machte deutlich, wie die Stimmung derzeit unter den Landwirten ist – nämlich „grottenschlecht“.

„Wir haben es endgültig satt, für alles an den Pranger gestellt zu werden und werden uns das nicht mehr gefallen lassen“, sagte der Dainroder vor rund 120 Gästen aus Landwirtschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Bei Schlagwörtern wie Klimawandel, Insektensterben oder Nitratbelastung des Grundwassers werde oftmals die Landwirtschaft ohne wissenschaftlichen Grund als einziger Verursacher diffamiert. Dabei gehe es nicht nur um überzogene Gesetze und Auflagen, sondern auch um das Gefühl beim Düngerstreuen oder beim Fahren mit der Pflanzenschutzspritze, mit „bösen Blicken“ gestraft zu werden. „Für mich und viele Kollegen ist Landwirt der schönste Beruf der Welt“, stellte Fackiner klar. Man habe nur vergessen, „Rechnungen zu schreiben.“

Im Gegensatz zu anderen Bereichen, wo Preise oder Gebühren erhöht oder unwirtschaftliche Außenstellen geschlossen würden, sei der Milchpreis stabil: „1985 bekamen wir für einen Liter Milch 65 Pfennige, heute 31 Cent.

„Bei Fleisch und Getreide sieht es nicht viel besser aus“, prangerte Fackiner die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ an. Während die Bevölkerung früher noch über 50 Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben habe, seien es heute nur noch 15 Prozent, bei den Grundnahrungsmitteln sogar nur neun Prozent.

„Wir müssen dringend wieder dahin kommen, dass unsere Lebensmittel wertgeschätzt werden und die Landwirte mit ihrem Einkommen auch wieder auskommen“, forderte er.

Die jetzt von der Politik angekündigte „Bauernmilliarde“ sei allerdings nicht der richtige Weg: „Wir wollen ihre Milliarde nicht, wir wollen gute Gesetze. Wir sind nicht mit unseren Schleppern nach Berlin, Bonn und Wiesbaden gefahren, um Schweigegeld zu kassieren“, betonte er.

Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese kritisierte in seinem Grußwort mit Blick auf Themen wie Klimanotstand, Pflegenotstand oder Waldnotstand, dass sich Deutschland zu einer „Schlagzeilen-Republik“ entwickelt habe. „Insbesondere beim Klimaschutz müssen wir besser werden“, räumte Frese ein. Das Klima sei allerdings nicht mit Hysterie zu retten.

Generell sei die Lage in Deutschland, entgegen allen „Unkenrufen,“ gut. „Wir sind ein reiches, sicheres und soziales Land.“

Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, lud zum Tag der Landwirtschaft am 12. Februar und zum Bauernball am 14. März ein – beides in der Korbacher Stadthalle.

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