Landkreis vergibt kurzfristige Impftermine per SMS

Funkloch in Altenlotheim: Petra Heinl-Müller ist als Impf-Nachrückerin nicht erreichbar

Kein Netz: In Orten wie Altenlotheim und Schiffelbach gibt es zum Teil keinen Handyempfang. Deshalb kann man dort die SMS für Impfnachrücker vom Landkreis nicht bekommen. archiv
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Kein Netz: In Orten wie Altenlotheim und Schiffelbach gibt es zum Teil keinen Handyempfang. Deshalb kann man dort die SMS für Impfnachrücker vom Landkreis nicht bekommen.

Weil es im Frankenauer Stadtteil Altenlotheim bisher keinen Handyempfang gibt, ist Petra Heinl-Müller für den Landkreis per SMS nicht erreichbar. Kurzfristige Impftermine werden aber nur per SMS verschickt.

Altenlotheim - Petra Heinl- Müller ist sauer: Dass es in ihrem Wohnort Altenlotheim keinen oder nur eingeschränkten Handyempfang gibt, ist schon länger bekannt. Dass sie sich aber deswegen auch nicht erfolgversprechend als Impfnachrückerin beim Landkreis Waldeck-Frankenberg registrieren lassen kann, will die Altenlotheimerin nicht klaglos hinnehmen. Sie hat sich deshalb an die HNA gewandt.

„Eine Registrierung ist für mich insoweit sinnlos, da mangels Handyempfang eine zeitnahe Benachrichtigung bezüglich eines möglichen Impftermins per SMS nicht möglich ist“, sagt Petra Heinl-Müller. Eine alternative Benachrichtigung über Festnetz oder E-Mail sei jedoch laut Impfportal ausgeschlossen.

Ähnliche Probleme hat auch Marlies Wilhelm aus Schiffelbach: „Als Nachrückerin für einen Impftermin kann ich mich nicht anmelden, in Schiffelbach ist kein Handyempfang“, hat die 73-Jährige der HNA geschrieben. Es stehe zwar seit einigen Jahren ein Mast der Telekom, dieser sei aber noch immer nicht angeschlossen.

Da dies ihrer Ansicht nach „eine eklatante Ungleichbehandlung aller Bewohner des Landkreises darstellt, die unter der an zahlreichen Orten mangelhaften digitalen Infrastruktur leiden“, hat sich Petra Heinl-Müller telefonisch mit der Kreisverwaltung in Verbindung gesetzt.

„Chancengleichheit nicht gegeben“

„Mir wurde dabei mitgeteilt, dass das Problem bekannt sei und an einer Lösung gearbeitet werde“, berichtet die ehemalige Polizeibeamtin. „Am meisten ärgert mich, dass die Chancengleichheit nicht gegeben ist.“

Mittlerweile habe sie über das normale Impfportal einen Impftermin erhalten, so dass sie nicht mehr auf die Nachrückerliste angewiesen ist. Das ändere aber nichts an der grundsätzlichen Problematik.

„Ich möchte eigentlich darauf aufmerksam machen, dass es an ziemlich vielen Ecken im Kreis auch im Jahr 2021 noch Defizite im Mobilfunkempfang gibt“, sagt sie. „Es wäre Aufgabe des Landkreises, hier sehr schnell für Abhilfe zu sorgen. Gerade die aktuelle Situation sollte Anlass sein, tätig zu werden – ist es aber nicht. Stattdessen nimmt man es auch mehrere Wochen nach Einrichtung der Nachrückerliste in Kauf, dass ein nicht unerheblicher Teil der Kreisbewohner aus technischen Gründen keine Chance hat, berücksichtigt zu werden.“ Darüber hinaus könne sie in der Tourismusregion keine Wander-Apps nutzen, kritisiert sie.

Auf eine Anfrage der HNA hat der Pressesprecher der Hessischen Staatskanzlei, Markus Büttner, mitgeteilt, dass die Bürger in Altenlotheim spätestens innerhalb der nächsten drei Jahre auf eine Verbesserung des Handyempfangs hoffen können. Für Schiffelbach sei bereits ein Mobilfunkmast mit Systemtechnik ausgestattet, so Büttner weiter.

Telekom verspricht „zeitnahe Verbesserung“

Laut Auskunft der Deutschen Telekom AG sei die Einschaltung der Antennen noch im Frühsommer dieses Jahres geplant, so dass für diesen Stadtteil bereits mit einer sehr zeitnahen Verbesserung der Mobilfunksituation gerechnet werden könne. Um die Mobilfunkversorgung in den Orten zu verbessern, sei der Landkreis Waldeck-Frankenberg bereits frühzeitig wichtige Schritte gegangen, sagt der Pressesprecher. So sei am 12. Februar 2021 ein kreisweites Markterkundungsverfahren im Zusammenhang mit dem neuen Mobilfunkförderprogramm der Hessischen Digitalministerin gestartet.

„Die Mobilfunkunternehmen sind hierbei angehalten, bis zum 7. Mai 2021 ihre mittelfristigen Ausbaupläne an die Kompetenzstelle Mobilfunk im Breitbandbüro Hessen zu übermitteln“, kündigt Büttner an. Sollten für die betreffenden Gebiete keine Ausbaupläne vorhanden sein, könnten weitere Schritte zur möglichen Errichtung von geförderten Mobilfunkmasten eingeleitet werden.

Hessen habe als eines der ersten Bundesländer ein eigenes Mobilfunk-Förderprogramm konzipiert und im November 2020 gestartet, teilt der Pressesprecher mit. „Hierfür wurden 50 Millionen Euro für die Errichtung von bis zu 300 zusätzlichen Mobilfunkstandorten in Gebieten ohne ausreichende 2G-Sprachmobilfunkversorgung bereitgestellt.“ Diese Fördervoraussetzung könne mithilfe der öffentlich bereitgestellten „Weiße-Flecken-Karte“ unter mobilfunk-hessen.de/Weisse-Flecken-Karte überprüft werden.

Unabhängig vom Ausgang der geschilderten Markterkundungsverfahren gebe es „weitere positive Anzeichen“ bezüglich der Mobilfunkversorgung in Altenlotheim und Schiffelbach. „Beide Stadtteile liegen an Landesstraßen. Im Rahmen der Frequenzversteigerungen für den neuen 5G-Mobilfunkstandard im Juni 2019 wurden seitens der Bundesnetzagentur Fristen zur Versorgung von Bundes- und Landesstraßen bis spätestens Ende 2024 festgeschrieben, welche durch alle Netzbetreiber erfüllt werden müssen, so dass die bekannten Versorgungslücken spätestens innerhalb der nächsten drei Jahre geschlossen werden müssen“, kündigt Büttner an.

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