Kommunale Heirat in Gefahr?

Kritik aus Rosenthal und Frankenau am geplanten Standesamtsbezirk

Rosenthal/Frankenau. Es regt sich Unmut gegenüber dem geplanten gemeinsamen Standesamtsbezirk von Frankenberg, Frankenau, Rosenthal, Haina und Gemünden.

Nachdem Frankenberg und Gemünden nach kurzer Diskussion einstimmig dafür plädierten, war das Ergebnis im Frankenauer Parlament knapper. Und die Rosenthaler Abgeordneten überwiesen den Vorschlag jetzt erst einmal in die Ausschüsse, nachdem fraktionsübergreifend Bedenken geäußert wurden.

Das sagt Rosenthal

„Eigentlich finden wir die Möglichkeit gut, mit der Interkommunalen Zusammenarbeit Kosten zu sparen, aber man muss auch an jeden einzelnen Bürger denken und daran, wie viel Geld wir überhaupt sparen“, sagte Dirk Golde (CDU) bei der Parlamentssitzung in Rosenthal.

So ähnlich begannen die Sätze vieler Parlamentarier. Kurz vorher hatte Bürgermeister Hans Waßmuth das Konzept vorgestellt, nach dem Rosenthal rund 2000 Euro einsparen würde.

Nicole Kahler (Bürgerliste) sah Klärungsbedarf bezüglich der praktischen Umsetzung, etwa bei Sterbefällen. Andere Abgeordente wie Dieter Wegener (CDU) bemängelten ebenfalls die mangelnde Bürgernähe, und Wolfgang Lay (FDP) begründete die Kritik mit einem drohenden Bedeutungsverlust für die Stadt. Die Diskussion mündete in der Bitte an den Magistrat, in Zukunft grundsätzlich über die Ziele der Interkommunalen Zusammenarbeit zu sprechen. Golde (CDU) fasste die Kritik seiner Fraktion so zusammen: „Es darf keine Einbahnstraße in Richtung Frankenberg sein“.

Roland Doss (FDP) fragte: „Lohnt sich das überhaupt, wenn wir alle Bedenken haben und so wenig Geld einsparen?“ Darum soll es im Haupt- und Finanzausschuss sowie im Ausschuss für Kultur und Soziales gehen. Dann auch mit Einsicht in die Details der Kooperationsvereinbarung.

Das sagt Frankenau

Kontrovers gesehen wird der gemeinsame Standesamtsbezirk auch bei den Stadtverordneten in Frankenau. Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte zwar mehrheitlich dafür, bei der Abstimmung der Stadtverordneten gab es nun mit vier Nein-Stimmen, zwei Enthaltungen bei Neun Ja-Stimmen aber auch kontroverse Ansichten. „Ich finde es wichtig, das Standesamt in Frankenau zu belassen, den Service dazu vor Ort auch“, betonte Holger Kohlepp. „Wir haben zwei gut ausgebildete Standesbeamte, deshalb sparen wir nichts ein“, sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion. Erst sei es das Standesamt, dann folge was? Frankenau schaffe sich selber ab, gab Kohlepp zu bedenken.

„Eheschließungen werden heutzutage nach der Örtlichkeit ausgesucht. Gut, dass wir da Louisendorf haben“, sagte Katja Köllner (SPD).

Bürgermeister Björn Brede hatte zuvor einen „überschaubaren Kundenkontakt“ für das Standesamt Frankenau skizziert und auch für den Zusammenschluss, der am 1. April 2017 erfolgen soll, geworben. In den vergangenen Jahren habe es im Schnitt 17 Trauungen pro Jahr gegeben, zumeist in Louisendorf oder der Bärenmühle.

Bei Geburten gehe es zur Entbindung ohnehin nach Frankenberg, damit läge auch die Registrierung zu 100 Prozent dort. Sterbefälle gab es 2014 und 2015 je elf pro Jahr.

Kommentare und die Erklärung, wie der Standesamtsbezirk funktionieren soll, finden Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der Frankenberger Allgemeinen.

Rubriklistenbild: © dpa

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