„Wir fühlen uns abgehängt“

Schlechter Mobilfunk, dann kein Festnetz: Anwohner sind frustriert

Seit Mitte Juli haben mehrere Altenlotheimer kein Festnetz mehr.
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Seit Mitte Juli haben mehrere Altenlotheimer kein Festnetz mehr. (Symbolbild)

Monatelang schlechter Mobilfunk, dann fällt auch noch das Festnetz aus: Was für viele Menschen wie ein Albtraum klingt, ist für die Anwohner von Altenlotheim Realität.

Altenlotheim – Was die Erreichbarkeit über Mobilfunk angeht, ist Altenlotheim Kummer gewöhnt. Doch jetzt sind einige Bewohner des Frankenauer Stadtteils telefonisch völlig von der Außenwelt abgeschnitten: Seit Mitte Juli haben sie auch kein Festnetz mehr.

„Im wöchentlichen Rhythmus bekommen wir von der Telekom die Rückmeldung, dass die Störung noch eine Woche dauert und wir uns bitte in Geduld üben sollen“, berichtet Gerald Tausch aus Altenlotheim, der sich jetzt an die HNA gewandt hat.

Völlig von der Außenwelt abgeschnitten? Stadtteil von Frankenau hat nun auch kein Festnetz mehr

„Auf Nachfragen, welcher Grund für die Störung vorliegt, bekommen wir merkwürdigerweise immer widersprüchliche Angaben, zum Beispiel, es liege keine Genehmigung für die Erdarbeiten vor“, sagte Tausch weiter. Da zudem das Mobilfunknetz in Altenlotheim „ziemlich mies“ sei, könne er deswegen nicht im Homeoffice arbeiten.

Problematisch sei es auch für ältere Menschen in Altenlotheim, die allein im Haus wohnen. „Das Rote Kreuz hat diesen Menschen ein Armband mit Notfallknopf zur Verfügung gestellt, den man beim Notfall drückt, um Hilfe zu alarmieren. Dieser Notfallknopf läuft aber über Telefon. Die Angehörigen haben diesen Menschen nun ein Handy besorgt, um erreichbar zu sein. Das wiederum funktioniert leider nur äußerst eingeschränkt“, berichtet Gerald Tausch.

„Einfach nur abgehängt“ - Frankenauer Stadtteil leidet unter schlechtem Telefonnetz

„Wir fühlen uns einfach nur abgehängt. In den letzten Wochen konnte man fast täglich Porträts von Kandidaten zur Bundestagswahl in der Zeitung lesen. Immer ging es auch um die Stärkung des ländlichen Raumes. Altenlotheim ist etwa eine Stunde von Kassel entfernt und das liegt mitten in Deutschland. Aber eine Stunde von der Mitte in Deutschland geht nichts“, sagt er verärgert.

Wen interessiere es schon, dass in so einem Dorf das Telefon nicht funktioniere, fragt er. „Es hat sogar schon einen Fall gegeben, da ist ein Bruder aus Frankfurt nach Altenlotheim gekommen, weil hier niemand ans Telefon gegangen ist“, berichtet Tausch.

Genervt und verärgert ist auch Marcel Ulrich vom Bauamt der Stadt Frankenau: „Wir haben schon ganz oft bei der Telekom angerufen – sowohl bei der für uns zuständigen Kundenbetreuerin als auch beim Kundenservice“, teilt er mit. Die Antwort sei unter anderem gewesen, die Telekom habe keine Baufirma oder die Stadt Frankenau habe angeblich keine Genehmigung erteilt. „Das stimmt natürlich nicht. Wenn bei uns ein Antrag vorliegen würde, hätten wir eine Genehmigung in wenigen Minuten erteilt“, betont Marcel Ulrich. „Das ist sehr ärgerlich, zumal auch die Leitung zu unserer Kläranlage von der Störung betroffen ist.“

Das sagt die Telekom: Störung voraussichtlich Anfang nächster Woche behoben

Die Telekom hat am Donnerstag auf unsere Anfrage mitgeteilt, dass die Störung in Altenlotheim vermutlich Anfang nächster Woche behoben sein werde. Da die Eingrenzung der Störung bereits erfolgt sei, könne jetzt zeitnah mit den Tiefbauarbeiten begonnen werden. „Sollten keine weiteren Komplikationen oder zusätzlich auftretende Fehler zu weiteren Verzögerungen führen, gehen wir von einer Entstörung Anfang der Woche aus“, sagt Pressesprecher Frank Domagala.

Die Telekom sei sehr daran interessiert, Störungen so schnell als möglich zu beheben. Dabei stünden ihre Kunden immer im Mittelpunkt. „Leider muss ich einräumen, dass unser eigener Anspruch nicht immer umsetzbar ist. Hinderungsgründe sind häufig das Wetter oder nötige Erdarbeiten“, sagt Domagala. Auch in Altenlotheim sei alles unternommen worden, was möglich gewesen sei. „Dennoch kam es zu Verzögerungen. Dafür unsere aufrichtige Entschuldigung.“

(Susanna Battefeld)

Probleme durch das Funkloch in Altenlotheim gab es auch bei der Vergabe der Impftermine des Landkreises Waldeck-Frankenberg per SMS. Anwohner verpassten deshalb Termine, bei denen sie sich gegen Corona hätten impfen lassen können. Mit dem HNA-Newsletter Frankenberg bekommen Sie alle Informationen aus der Region und zur Bundestagswahl direkt in Ihr Mail-Postfach.

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