In drei Minuten nackig

In Allendorf/Hardtberg wurden Landschafe von ihrer Wolle befreit

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Schwarzes Schaf: Das mittlere Schaf ist schon geschoren, die übrigen Tiere der Herde noch nicht. Die Vollschur steht für die Tiere ein Mal im Jahr auf dem Programm.

Allendorf/Hardtberg. Normalerweise sind die Schafe als Landschaftspfleger in der Arche-Region Kellerwald-Frankenau im Einsatz. Aber manchmal brauchen die vierbeinigen „Mitarbeiter“ selbst Pflege.

Deshalb stand für die Merino-Landschafe und Bentheimer Landschafe von Matthias Bauch und Luca Schäfer jetzt ein Friseurtermin an. Die Herde wurde auf dem Hof der Familie Bauch in Allendorf/Hardtberg von ihrer Wolle befreit. „Ein Mal im Jahr gibt es eine Vollschur“, sagt Matthias Bauch, der den beiden Schafscherern Frank Schüttler und Steffen Schierholz mit Luca Schäfer zur Hand ging.

„In der warmen Jahreszeit lassen sich die Schafe besser scheren, da das Wollfett – auch Lanolin genannt –, das jedes Wollhaar umhüllt, im quasi flüssigen Zustand die Schur deutlich erleichtert“, so Matthias Bauch. Für die beiden Scherer ist es trotzdem eine schweißtreibende Arbeit: „Das Halten des Schafs ist das Wichtigste – da braucht man schon mal ’ne Zeit lang, bis man das lernt“, sagt Steffen Schierholz. Pro Schaf brauche er etwa drei Minuten. „Wenn sie leicht gehen, schafft man es in zwei Minuten.“

„Schafscherer ist kein Lehrberuf. Man lernt es, indem man es einfach macht“, sagt der Berufsschäfer. Er habe es in seiner Schäferlehre gelernt. Sein Kollege Frank Schüttler, der Hobby-Schäfer ist, hat es sich selbst beigebracht.

Berufsschäfer: Steffen Schierholz aus Hemmighausen hat schon seit seiner Kindheit mit Schafen zu tun. Hier schert er ein Schaf bei Familie Bauch in Allendorf/Hardtberg.

Trotz aller Sorgfalt blieben kleinere Verletzungen an den Tieren manchmal nicht aus: „Besonders bei den Jährlingen. Bei denen ist die Haut noch dünn“, erklären die Scherer. Die beste Wolle wachse auf dem Rücken und an den Seiten. Im Durchschnitt liefere jedes Schaf je nach Rasse und Alter rund 3,5 Kilogramm Wolle. „Leider ist die Nachfrage nach Wolle nicht mit dem Angebot gewachsen, sodass die Schäfer Mühe haben ihre Wolle kostendeckend an den Mann zu bringen“, sagt Bauch.

„Die Schafe sind in der Arche-Region Kellerwald-Frankenau die wertvollsten Helfer in der Landschaftspflege“, betont Rainer Lange vom Arche-Verein. Im Verein seien derzeit mehrere Schafhalter mit unterschiedlichen Schafrassen vertreten. „So kann man bei uns Heidschnucken, Merino-Landschafe, Fuchsschafe, Suffolk, Bentheimer Landschafe, Rhönschafe, Braune Bergschafe, schwarze Bergschafe, Soay-Schafe, Skudden und Kamerunschafe neben vielen anderen Nutztierrassen bewundern“, sagt Lange. „Ein Besuch lohnt sich immer.“

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