„Immer wieder sonntags“ im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Sigrid Briel wandert seit vier Jahren jede Woche zur Quernst

Kurz vorm Ziel: Sigrid Briel aus Frankenau – hier mit Hund Mambo – genießt die Stille am frühen Morgen auf der Quernst. Meistens hat sie die Kapelle dann ganz für sich.
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Kurz vorm Ziel: Sigrid Briel aus Frankenau – hier mit Hund Mambo – genießt die Stille am frühen Morgen auf der Quernst. Meistens hat sie die Kapelle dann ganz für sich.

Wenn Sigrid Briel sonntagmorgens die Hundeleine vom Haken nimmt, kommt Deutsch-Kurzhaar Rüde Mambo schwanzwedelnd angelaufen, denn er weiß genau, was es bedeutet, wenn sein Frauchen um halb acht mit ihm zum Parkplatz an der Frankenauer Kellerwalduhr fährt: Jetzt geht es wieder zur Quernst – wie jede Woche, seit inzwischen vier Jahren.

„Ich gehe jeden Sonntag, es sei denn, es ist Gewitter“, sagt die Frankenauerin.

„Meistens begegnet mir um diese Uhrzeit keiner, höchstens mal ein Jogger“, sagt die 66-Jährige.

„Ich bin auch früher schon mal sporadisch zur Querst gewandert, mit einer Freundin, die ebenfalls einen Hund hat. Als die vor vier Jahren weggezogen ist, habe ich angefangen, mich regelmäßig jeden Sonntag alleine auf den Weg zu machen“, berichtet Sigrid Briel.

Der Sonneneinfall durch die bunten Scheiben ist jedes Mal anders.

Sigrid Briel, Frankenau

Und das hat sie konsequent beibehalten: bei Regen oder Sonne, im Nebel oder bei Schneegriesel. Hund Mambo ist immer dabei.

Wegweiser: Rund um die Quernst gibt es mehrere Wandermöglichkeiten.

„Anfangs bin ich in den Sommermonaten sogar schon um sechs Uhr aufgebrochen“, so Briel. Seit sie Diabetes habe, frühstücke sie jetzt vorher. Im Winter sei ihr Motto „so wie es hell wird“ draußen zu sein.

„Wenn man alleine geht, beobachtet man alles viel genauer und kann die Natur intensiver erleben“, sagt Sigrid Briel. Am liebsten sei ihr das frische Maigrün. Wenn die Blätter an den Bäumen wie vor wenigen Wochen „fast explodieren“.

Auf der Strecke habe sie zudem schon mehrere „magische Orte“ ausgemacht, wie beispielsweise einen alten Baum, dessen Blätterdach wie ein großer Regenschirm aussehe oder eine alte verwitterte Holzbank, die morgens genau von den ersten Sonnenstrahlen getroffen werde. Oben an der Kapelle angekommen öffnet sie die Tür, setzt sich eine Viertelstunde hinein und lädt ihre „alle Sorgen und was sie bedrückt“ ab, was ich nicht mehr mitnehmen will.“

Immer wieder fasziniert ist sie von den Lichtverhältnissen in der kleinen Kirche. „Der Sonneneinfall durch die bunten Scheiben ist jedes Mal anders.“ Oftmals schicke sie auch ihrer Freundin ein Foto oder eine Sprachnachricht per Handy.

Jede Woche neue Einträge: Anhand der Botschaften in den Gästebüchern verfolgt die Frankenauerin, wer die Kapelle besucht hat.

„Ich lese außerdem immer die neuen Einträge in den Gästebüchern“, sagt Sigrid Briel. „Es ist schon erstaunlich, welche Menschen hierhoch kommen.“

Die Mutter zweier erwachsener Kinder ist Mitglied im Verein Freunde der Quernst und nutzt die Spaziergänge auch dazu, in und an der Quernst-Kapelle „ein wenig nach dem Rechten zu schauen“, wie sie sagt.

In ihrem mitgeführten Rucksack verstaut sie zum Beispiel aufgefundenen Müll. Als Rückweg nutzt Briel oft den alten Quernstpfad als Alternativroute.

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