Kuhglocken waren gestern

Smartes Kuhhalsband informiert Dainroder Landwirt über Gesundheitszustand des Tieres

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Die Kühe tragen es mit Fassung: Im Stall von Olaf Fackiner registrieren digitale Halsbänder jede Bewegung und Auffälligkeit im Verhaltensmuster der Tiere und übermitteln die ausgewerteten Daten auf eine Handy-App. 

Dainrode – Kuhglocken waren gestern – die Kuh von heute trägt stattdessen ein smartes Halsband für 120 Euro. Im Stall von Olaf Fackiner hat die digitale Technik vor wenigen Wochen Einzug gehalten.

Mittels Sensoren, die jede Bewegung und Verhaltensauffälligkeit der 300 Kühe und 50 Rinder registrieren, wird der Dainroder Landwirt permanent über den Gesundheitszustand seines Viehs informiert. „Das ist eine tolle Erfindung“, sagt der 49-Jährige: „Bevor die Kuh selbst weiß, dass sie krank ist, weiß ich es schon.“

Seine Tochter Sarah erklärt, wie es funktioniert: „Alle Informationen werden in Echtzeit auf das Smartphone übertragen und ich kann für jedes Tier an den Kurven ablesen, ob es Auffälligkeiten gibt.“ So könne man beispielsweise anhand der Wiederkaubewegungen erkennen, ob ein Tier sich unwohl fühlt oder krank wird. „600 Wiederkauschläge alle zehn Minuten sind normal. Wenn der Wert unter 200 fällt, schlägt das System Alarm“, berichtet Sarah Fackiner.

Auch wenn die Werte im Bereich „Gesundheit“ unter einen kritischen Wert fallen – weil das Tier kaum noch frisst zum Beispiel – wird gewarnt: „Kuh in Not“ erscheint dann auf dem Display des Handys und die 19-Jährige schaut nach, was mit dem entsprechenden Tier los ist.

„Der Vorteil ist, dass das Programm Unregelmäßigkeiten sehr früh erkennt. Dadurch können wir bei Krankheiten in einem frühen Stadium gegensteuern und brauchen meistens keine Antibiotika“, erläutert die ausgebildete Landwirtin, die im Sommer eine Ausbildung zur Technikerin in Fritzlar beginnt. Ihr Vater ergänzt: „Je früher man mit der Behandlung anfängt, desto besser der Behandlungserfolg.“

Die App haben alle seine Mitarbeiter auf ihren Handys installiert. „Auch der Tierarzt kann die Daten bei Bedarf einsehen“, sagt Olaf Fackiner.

Das System gibt nicht nur Aufschluss über mögliche gesundheitliche Probleme der Tiere, sondern zeigt auch an, wann ein Rind „bullig“ oder brünstig, also paarungsbereit, ist. „Meistens werden die Tiere dann unruhig und bewegen sich viel mehr als sonst“, sagt Olaf Fackiner. Mittels der App wird er informiert, wann der geeignete Zeitpunkt für eine Besamung ist. „Bei Rindern spielt sich viel nachts ab, das würde ich also manchmal gar nicht mitbekommen.“ Eine verpasste Brunst schlage mit zirka 300 Euro zu Buche, sagt Fackiner, der auch Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Frankenberg ist.

„Das System ist im Prinzip immer einen Tag schneller als wir es sonst wären – das bringt schon was“, fasst Sarah Fackiner zusammen. Unbegründet sei die Sorge, dass der persönliche Bezug zum Tier verloren gehe und der Landwirt nur noch am Bildschirm verfolge, wie es den Tieren gehe, betont sie.

„Wir gehen natürlich trotzdem regelmäßig in den Stall, gerade wenn ein Tier trächtig ist.“ Noch nicht optimal sei allerdings das Internet auf seinem Hof, kritisiert Fackiner. „Wenn das wieder mal nicht funktioniert, nützt die ganze Überwachungstechnik nichts.“

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