Ataxie-Betroffene genossen Aufenthalt

Urlaub mit Rollstuhl in Frankenau

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Gemeinsamer Urlaub: Eine Gruppe Rollstuhlfahrer mit der seltenen Krankheit Ataxie verbrachte einige Tage in Frankenau. 

Frankenau - Eine Gruppe Rollstuhlfahrer mit der seltenen Krankheit Ataxie verbrachte ihren Urlaub im Frankenauer Hof. Trotz ihrer Einschränkungen genossen sie den Aufenthalt.

Mit einer Schifffahrt auf dem Edersee hat es zwar auch im zweiten Anlauf nicht geklappt, den Urlaub in der Region hat die Gruppe der an Ataxie Erkrankten aber trotzdem genossen: „Wir hatten eine schöne Zeit hier“, betonte Sabine Zarkadas, die die rollstuhlgerechte siebentägige Freizeit federführend organisiert hat.

„Im vergangenen Jahr war zu wenig Wasser im Edersee und dieses Mal haperte es am Fahrstuhl“, berichtete die 60-Jährige. Normalerweise könnten Rollstuhlfahrer mit Hilfe eines Fahrstuhls das Fahrgastschiff erreichen, dieser sei aber außer Betrieb gewesen.

Untergebracht war die Gruppe, die sich aus einem Ataxie-Forum kennt, im Tagungs- und Freizeithaus Frankenauer Hof in Frankenau, von wo aus sie Ausflüge in die Umgebung unternommen hat. Zum Transport der Rollstuhlfahrer war nicht nur ein Bus der Johanniter mit Hebebühne erforderlich, auch die einzelnen Programmpunkte des Aufenthalts mussten im Vorfeld sorgfältig geplant werden. „Ich habe vor der Freizeit schon in Frankenberg angerufen und mich nach einem barrierefreien Zugang zum Wochenmarkt in der Rathausschirn erkundigt“, sagte Sabine Zarkadas. Das Bauamt habe dann dafür gesorgt, dass eine Rampe zur Verfügung stand. „Das Schöne war, dass außer uns an dem Tag noch ein weiterer Rollstuhlfahrer da war, dessen Frau dann gerufen hat: Du kannst heute auch mal da rein. Deswegen wäre es schön, wenn die Rampe eine Dauereinrichtung würde.“

„Absolut empfehlenswert“ ist nach Auskunft der Reiseteilnehmer eine Fahrt mit der Ettelsberg-Seilbahn in Willingen. „Die haben extra länger angehalten, damit wir in Ruhe ein- und aussteigen konnten mit den Rollstühlen.“

Generell seien alle Leute sehr hilfsbereit gewesen. Vor allem auch das Touristikbüro, die Lebenshilfe und die Johanniter seien sehr kooperativ gewesen: „Da hat keiner gesagt, sehen sie zu“, betonte Sabine Zarkadas. Freundlich und ohne Vorurteile seien sie auch von den Frankenauer Bürgern behandelt worden. Das sei aufgrund der Krankheitssymptome nicht selbstverständlich. „Einige von uns haben auch schon mal Besuch von der Polizei bekommen, weil man aufgrund der Koordinierungsstörungen fälschlicherweise davon ausging, wir seien betrunken.“ 

Lebenshilfe plant, Pensionsbetrieb in Seniorenwohnheim umzuwandeln

„Wir sind bereits zum zweiten Mal im Haus der Lebenshilfe in Frankenau und fühlen uns hier sehr wohl“, sagte Sabine Zarkadas. Es sei sehr schwierig, Unterkünfte zu finden, die für Rollstuhlfahrer geeignet sind.

„Deswegen sind wir sehr froh, dass es in Frankenau ein solches Angebot gibt und es wäre sehr schade, wenn das Haus – wie wir gehört haben – künftig für andere Zwecke genutzt werden soll.“

Dabei bezeichneten die Teilnehmer nicht nur das Essen im Frankenauer Hof als „super“. Sie fanden es auch gut, dass dort Menschen mit Beeinträchtigungen beschäftigt werden.

„Sonst wird immer nur von Inklusion geredet. Hier war es für uns und auch für die Mitarbeiter gut, auf einer Wellenlänge zu sein, formulierte es eine Rollstuhlfahrerin.

Auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte der Vorstandsvorsitzende des Lebenshilfewerks Christoph Hille, eine geplante Umwidmung des Frankenauer Hofs: „Mitte November soll der Tagungs- und Pensionsbetrieb eingestellt werden und nach einer Umbauphase wollen wir ab 2021 dort inklusives Service-Wohnen für Senioren – mit und ohne Behinderung – anbieten“, kündigte er an.

Es habe häufig solche positiven Rückmeldungen von Übernachtungsgästen gegeben, sagte Hille.

Leider sei aber der Zulauf zu gering gewesen und deshalb eine Weiterführung des jetzigen Betriebs unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht möglich. „Das hat auch etwas mit unserem Auftrag zu tun, Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze zu bieten.

Bei der derzeitigen Auslastung wäre das nicht mehr gewährleistet“, erläuterte er.

Info: Das Lebenshilfe-Werk lädt für Montag, 30. September, in der Zeit von 16 bis 19 Uhr zu einem Tag der offenen Tür in den Frankenauer Hof ein. Dort will der Vorstand die Pläne zur Umwidmung offiziell vorstellen.

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