Bürgermeisterwahl am 26. September

Wahlforum in Frankenau: Kandidaten bestehen den Ziegenbock-Test

Tierischer Test: Die Kandidaten (von rechts) Manuel Steiner, Horst-Werner Bremmer, Philipp Gabriel und Dietmar Wassermann mussten Holger Bergs Ziegenbock Nepomuk durch die Kellerwaldhalle führen.
+
Tierischer Test: Die Kandidaten (von rechts) Manuel Steiner, Horst-Werner Bremmer, Philipp Gabriel und Dietmar Wassermann mussten Holger Bergs Ziegenbock Nepomuk durch die Kellerwaldhalle führen.

Beim Wahlforum der HNA zur Bürgermeisterwahl am 26. September in Frankenau haben sich die vier Kandidaten am Mittwochabend (15.09.2021) den Fragen der Redaktion gestellt.

Frankenau – Während es bei der Bundestagswahl nur drei Kanzlerkandidaten gibt, lege Frankenau „noch eins drauf“, sagte Redaktionsleiter Jörg Paulus, als er die knapp 150 Zuhörer zum Wahlforum in der Kellerwaldhalle begrüßte. „Es spricht für Frankenau, dass hier vier Bewerber Bürgermeister werden wollen.“

Die Kandidaten Horst-Werner Bremmer (Freie Bürger), Philipp Gabriel (SPD), Manuel Steiner (parteilos) und Dietmar Wassermann (parteilos) stellten sich zwei Stunden lang auf der Bühne den Fragen der HNA-Redakteure Jörg Paulus und Martina Biedenbach. Themen waren unter anderem Finanzen, Dorfentwicklung und Tourismus. Es ging aber auch um die Motivation der Bewerber, die Zuschauer sollten einen Eindruck bekommen, „was das für Typen sind, die am 26. September um Ihre Stimmen bitten“, sagte Paulus. Aufschluss darüber konnte man bereits in einer kurzen Vorstellungsrunde gewinnen.

Die Kandidaten und ihre Motivation

„Kommunalpolitik und Chormusik sind meine großen Leidenschaften“, sagte Horst-Werner Bremmer. Nach Bürgermeister Björn Bredes Ankündigung, nicht mehr antreten zu wollen, sehe er jetzt die Chance, in seinem „letzten Arbeitsdrittel“, das besser zu machen, was er im Stadtparlament kritisiert habe, sagte der 54-Jährige.

Philipp Gabriel, der einzige externe Bewerber, sagte, dass er schon lange im Rahmen seiner Möglichkeiten politisch aktiv sei. Es reize ihn gerade, in so einer kleinen Stadt wie Frankenau bürgernahe Politik zu machen. Auf die Frage, ob er nur der SPD zuliebe kandidiere, betonte der 40-jährige Soldat: „Ich glaube, die SPD braucht nicht unbedingt mich als Kandidaten. Mich reizt das schon selbst.“

„Wer mich kennt, weiß, dass Frankenau meine Heimat geworden ist“, sagte Manuel Steiner. Während andere vielleicht davon geträumt hätten, Astronaut zu werden, sei sein Wunsch schon immer gewesen, Bürgermeister zu werden, so der 40-Jährige, der 15 Jahre lang in der Frankenauer Stadtverwaltung gearbeitet hat, ehe er zum Landkreis gewechselt ist.

Auf die Frage, warum er seinen Beruf als Anwalt für eine Bürgermeisterstelle aufgeben wolle, legte Dietmar Wassermann dar, dass die Stadt mit ihm und seinen juristischen Kenntnissen gut beraten sei. Ob es um die Ansiedlung des Edeka, das geplante Ärztehaus oder Probleme des Flurbereinigungsverfahrens gehe: „Was Sie auch anfangen, Sie stoßen immer wieder auf Vorschriften und Gesetze.“

„Wer die Ziegenbockstadt führen will, muss auch einen Ziegenbock führen können.“

Jörg Paulus (Moderator)

Ziegenbock durch die Halle geführt

Zwischendurch gab es auch lockere Fragen an die Kandidaten – und einen tierischen Test: „Wer die Ziegenbockstadt führen will, muss auch einen Ziegenbock führen können“, sagte Moderator Jörg Paulus und bat Holger Berg mit seinem Ziegenbock Nepomuk in die Halle: Die Kandidaten mussten den Bock am Strick führen und lösten die Aufgabe mit Bravour – auch wenn Nepomuk in die Halle „machte“, ein Mal „klein“ und ein Mal groß“.

Rot heißt nein, Grün heißt ja: In einer Schnellfragerunde erfuhr man auch Persönliches über die Kandidaten. Nur Gabriel hat sich bei der Anzugwahl von seiner Frau beraten lassen.

Straßenbeiträge

Neben dem geplanten Edeka-Markt, der bei allen Kandidaten oben auf der Liste der Dinge steht, die sie als erstes angehen wollen, wurden sie auch zu ihrer Meinung über eine Abschaffung der Straßenausbaubeiträge befragt: „Wenn ich in die Kassen der Stadt gucke, werde ich wankelmütig“, sagte Dietmar Wassermann, der als Privatmann für eine Abschaffung wäre. Irgendwo müsse aber eine Gegenfinanzierung herkommen, gab er zu bedenken.

Philipp Gabriel ist für eine Abschaffung. Er schlägt vor, die finanzielle Lücke mit der Erhebung einer monatlichen Abgabe zu schließen. „Ich glaube nicht, dass das Land die Kosten komplett übernimmt.“ Auch Manuel Steiner kann sich vorstellen, die Kosten durch eine wiederkehrende Abgabe gerecht zu verteilen. Horst-Werner Bremmer möchte das Thema in den Ausschüssen beraten und vorbereiten. „Die Kosten sind da, es geht um eine gerechte Verteilung auf alle Nutzer.“

Schulden

Auf die Frage, wie man die Schulden der Stadt abbauen könne (derzeit rund 4 Millionen Euro), sagte Gabriel, die Stadt müsse wie bei einem Wirtschaftsunternehmen die Einnahmen steigern. Ansonsten sei in der Vergangenheit diesbezüglich ein guter Weg beschritten worden, den er weitergehen wolle.

Für Bremmer sind Schlüsselzuweisungen die Haupteinnahmequelle. „Wir müssen wieder mehr Leute werden“, sagte er. Vor allem junge Menschen müssten nach Frankenau geholt werden.

Auch Steiner will Frankenau attraktiver für Familien machen, um die Einwohnerzahlen zu erhöhen. Es müssten allerdings auch Investitionen getätigt werden. Als Beispiel nannte er den Stadtwald. „Die Stadt muss attraktiver werden“, sagte Wassermann. Neue Bürger kämen nur, wenn die Stadt investiere. Ob man den derzeitigen Schuldenstand halten könne, wage er zu bezweifeln.

Dorfgemeinschaftshäuser

Geteilter Meinung waren die Kandidaten, was den Erhalt der Dorfgemeinschaftshäuser angeht: Nicht alle seien gut ausgelastet, sagte Horst-Werner Bremmer. Deshalb müsse man versuchen, sie verstärkt an auswärtige Nutzer zu vermieten. Sie seien aber unabdingbar für die dörfliche Gemeinschaft. Manuel Steiner antwortete mit einem klaren „Nein“, auf die Frage, ob er ein DGH schließen würde, um Geld zu sparen. „Sie sind für das kulturelle und soziale Leben wichtig.“ Er glaubt, dass man mit Hilfe der Dorferneuerung eine gute Lösung finden könne.

„Es gibt keine heiligen Kühe“, betonte Wassermann. Alles müsse auf den Prüfstand. Gabriel sagte, er sei grundsätzlich für die Erhaltung der Gemeinschaftshäuser. „Heilige Kühe kann man nur einmal schlachten – dann sind sie weg.“ Er wolle auf jeden Fall die Bürger bei der Entscheidung mitnehmen.

Kita-Plätze

Gedanken haben sich alle Kandidaten wegen des dringenden Bedarfs an Betreuungsplätzen in der Frankenauer Kita gemacht: Einen weiteren Ausbau sieht Gabriel als nicht zielführend an, weil die Situation in fünf, sechs Jahren wieder anders sein könne. Er schlägt vor, neue Räume zu suchen oder auch durch Tagesmütter die derzeitige Spitze abzufedern.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, betonte Bremmer, der für eine pragmatische Lösung plädierte. Man könne zum Beispiel das Martin-Luther-Haus vorübergehend nutzen. „Die Stadt muss schnell was machen“, sagte Steiner dazu. Er sei im Wahlkampf schon oft auf das Thema angesprochen worden. Auch er regte an, das Martin-Luther-Haus als Übergangslösung zu nutzen.

Gegen kurzfristige Ausweichquartiere meldete Dietmar Wassermann versicherungsrechtliche Bedenken an. „Statt einer Waldgruppe sollten wir gleich drei machen“, schlug er vor. Dass die Kita auf einer Verkehrsinsel stehe, sei „etwas unglücklich.“ Abhilfe könne vielleicht eine Straßenberuhigung bringen.

Dorfentwicklung

Auf die Frage nach einem Projekt, „das auf jeden Fall“ in der Dorfentwicklung umgesetzt werden sollte, nannte Steiner als wichtigsten Punkt die Dorfgemeinschaftshäuser. Bremmer verwies auf das geplante Ärztehaus und das DGH in Ellershausen und erhielt dafür spontanen Applaus. Gabriel wollte sich nicht festlegen: „Ich will abwarten, was die Bürger wollen“, sagte er. Für Wassermann ist die Sache hingegen klar: Wichtig sei der Lebensmittelvollversorger, also der geplante Edeka-Markt in Frankenau: „Wenn der wegbricht, dann fehlt ein Bein.“

Tourismus

Vorschläge hatten die Bewerber zum Thema Tourismus: Wassermann will mehr für Wanderer und Fahrradfahrer tun und Übernachtungsmöglichkeiten schaffen. Punkten könne Frankenau auch als Freilichtmuseum: Man müsse nur mit Schildern auf die alten Haustierrassen hinweisen und könne auch Führungen anbieten.

Gabriel sieht den Parkplatz im Feriendorf als attraktiven Standort für Wohnmobilstellplätze und plädiert dafür, mit dem Nationalpark im Gespräch zu bleiben, um ein Gesamtkonzept für die ganze Region zu erstellen.

Mit Hinblick auf das Feriendorf sagte Bremmer, die Stadt müsse einen ständigen Dialog mit den Ferienhausbesitzern führen. Beim Thema Wohnmobilstellplätze ist er der Meinung, dass Frankenau keine größere Ansiedlung brauche, sondern ein oder zwei Stellplätze an attraktiver Stelle ausweisen sollte.

Steiner sieht vor allem den bundesweit erfolgreichen Geflügelzuchtverein und die Arche-Region als Alleinstellungsmerkmale, die man nutzen sollte. Für Gäste fehle ein Café.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.