Jubiläum als Videokonferenz

120 Jahre Sängerkreis Edertal: Chöre feierten digital vereint

Mehr als 200 Zuhörer: Allein 70 Teilnehmer (hier einige von ihnen) waren durch Zoom zugeschaltet und konnten sich in den Pausen auch unterhalten. Der Rest verfolgte die Feier über Youtube.
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Mehr als 200 Zuhörer: Allein 70 Teilnehmer (hier einige von ihnen) waren durch Zoom zugeschaltet und konnten sich in den Pausen auch unterhalten. Der Rest verfolgte die Feier über Youtube.

Viel Lob gab es für die Jubiläumsfeier zum 120-jährigen Bestehen des Sängerkreises Edertal (SKE) am Samstagabend. Aufgrund der Corona-Pandemie fand sie virtuell als Videokonferenz im Internet statt.

Frankenberger Land - „Es war ein ganz toller Abend“, sagte der Präsident des Mitteldeutschen Sängerbundes (MSB) Volker Bergmann am Ende des gut dreistündigen Programms, bei dem mehr als 200 Zuschauer zugeschaltet waren. Die Teilnahme war entweder über die Konferenzplattform Zoom oder – passiv – über Youtube möglich. Die Moderation übernahmen Horst-Werner Bremmer und Andrea Ayora Escandell. Patrick Henkel sorgte für den reibungslosen Ablauf der Technik.

Die Begrüßung erfolgte durch den stellvertretenden SKE-Vorsitzenden Dieter Trollhagen. Geboten wurden unter anderem Liedbeiträge, Interviews, ein Sketch mit Marion Scholl-Ritter und Lydia Kreis sowie eine von Otfried Vaupel zusammengestellte Diashow mit Bildern aller Sängerkreis-Chöre.

90 Stimmen digital zusammengeschnitten

Einer der Höhepunkte war die Einspielung des Liedes „Weit, weit weg“, für das Kreischorleiter Horst-Werner Bremmer Aufnahmen der Mitgliedschöre gesammelt hatte; die Stimmen von mehr als 90 Sängern waren von Carsten Görlitz digital zusammengeschnitten worden. Einen geschichtlichen Rückblick zum SKE gab Vorstandsmitglied Martina Fackiner. Hervorzuheben sei vor allem die Leistungsstärke der Mitgliedschöre, sagte sie.

MSB-Präsident Volker Bergmann gratulierte dem Sängerkreis nicht nur zum 120. Geburtstag, sondern auch dazu „dass ihr diese Veranstaltung gewagt und gut vorbereitet habt“. 120 Jahre Sängerkreis bedeute auch 120 Jahre geleistete Kultur.

Digital eingespielt: Das Sängerkreis-Trio „Hotte, Franky und Ralf“ präsentierte das Stück „In Junkers Kneipe“

„Der momentanen Situation trotzend, präsentiert ihr euch mit vereinten Kräften“, lobte Bundeschorleiter Karl-Heinz Wenzel (Reddighausen). „Ich hoffe, dass die Chöre unserer gemeinsamen Sache treu bleiben.“ Weitere Grußworte sprachen Landrat Dr. Reinhard Kubat, der den besonderen Stellenwert der Chöre im Hinblick auf das soziale Miteinander würdigte, sowie die Bürgermeister der dem Sängerkreis angehörenden Kommunen.

Viel Lob in Grußworten

„Bleibt so, wie ihr seid, macht weiter so – lasst euch nicht unterkriegen“, sagte Vöhls Bürgermeister Karsten Kahlhöfer. „Ich finde es klasse, dass die Chöre am Ball bleiben und nicht die Hände in den Schoß legen“, sagte Conny Scheerer. Die ehemalige SKE-Vorsitzende ist inzwischen nach Belgien gezogen und war von dort für ein Interview mit Frank Leyhe zugeschaltet. „Ich habe mich riesig gefreut, euch zu sehen“, sagte Scheerer.

Aus den Zuschauerkreisen habe es ganz begeisterte Rückmeldungen zu der virtuellen Feier gegeben, sagte Martina Fackiner am Sonntagmorgen der HNA. Auch Horst-Werner Bremmer ist zufrieden: „Es war eine tolle Veranstaltung, die sehr viel Spaß gemacht hat – ich glaube, auch den Teilnehmern“, sagte er.

Spenden für den Sängerkreis

Der Sängerkreis Edertal hat zum 120-jährigen Bestehen und für die Gestaltung der virtuellen Jubiläumsfeier auch finanzielle Unterstützung bekommen. Die Firma Finger-Haus aus Frankenberg hat 100 Euro gespendet, die Frankenberger Bank 500 und die Sparkasse Waldeck-Frankenberg hat per Videobotschaft einen symbolischen Scheck über 2900 Euro überreicht.

„Das ist ein besonderes Bonbon für uns“, kommentierte Martina Fackiner erfreut die Spende der Sparkasse. Damit sei es möglich, dass jeder der 20 Mitgliedschöre 120 Euro bekomme. Die digitale Bearbeitung der Stimmen zum Lied „Weit, weit weg“ habe allein schon 500 Euro gekostet, teilte Dieter Trollhagen vom Sängerkreisvorstand mit.

Offener Brief an Bouffier

„Mit Unverständnis“ reagiert der Sängerkreis Edertal auf eine Aussage in der jüngsten Corona-Verordnung des Landes Hessen, wonach für Chorproben kein öffentliches Interesse bestehe und sie daher aktuell nicht stattfinden dürften. Die heimischen Chöre unterstützen deshalb einen offenen Brief des Hessischen Sängerbundes an Ministerpräsident Volker Bouffier: „In Hessen gibt es über eine Million Menschen jeden Alters, die leidenschaftlich gemeinsam in Chören und Orchestern der Amateurmusik musizieren. Diese Ensembles sind essenzielle Stütze des zivilgesellschaftlichen Engagements, kulturellen Schaffens und wichtige Sozialisationsinstanzen“, heißt es dort. Die Chöre seien aktuell nur aus Gründen des Infektionsschutzes nicht in Präsenz aktiv. Dies sei allerdings nicht mit „fehlendem öffentlichen Interesse“ gleichzusetzen.

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