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23.000 Euro für „Kristall“ bezahlt: Frau fällt auf Betrüger rein

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Von: Heiko Krause

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Schild des Landgerichts Marburg mit der Aufschrift: Landgericht, Amtsgericht und Staatsanwaltschaft
Am Landgericht Marburg wurde ein Betrugsfall aus dem Frankenberger Land verhandelt. © Matthias Müller

Eine Frau aus dem Frankenberger Land fiel auf Betrüger herein. Insgesamt habe die Frau rund 100.000 Euro an die Unbekannten verloren. Der Angeklagte muss aber nicht ins Gefängnis.

Frankenberg/Marburg – 23.000 Euro hat ein 53-Jähriger aus dem Ruhrgebiet im Auftrag einer international agierenden Betrügerbande kassiert. Das Geld hatte er in bar von einer Frau aus dem Frankenberger Land für vermeintliche parapsychologische Hilfe erhalten.

Vom Amtsgericht war der Mann zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. In der Berufungsverhandlung vor dem Marburger Landgericht kam er nun mit Bewährung davon.

Hauptgrund für das mildere Urteil von zwei Jahren Haft und deren Aussetzung war das Geständnis des Angeklagten. In erster Instanz hatte er noch geschwiegen. Weil er sein Rechtsmittel zudem auf die Rechtsfolge beschränkte, stand der vom Amtsgericht zu Grunde gelegte Sachverhalt auch ohne Zeugenvernehmungen fest.

Angst um Tochter und deren Kind – 100.000 Euro verloren

Vor dem Amtsgericht hatte die Geschädigte ausgesagt, insgesamt rund 100.000 Euro an die unbekannten Hinterleute verloren zu haben.

Sie habe 2018 Angst um ihre Tochter und deren Kind gehabt, da ihr Schwiegersohn Drohungen ausgesprochen habe. In einem russischen TV-Sender sei sie auf eine Hotline aufmerksam geworden, die sie dann anrief. „Man hat mit mir gebetet und Kerzen aufgestellt“, berichtete die Frau.

Hohe Summen für „Kristall“ an Kurier bezahlt

Zunächst habe sie kleinere Beträge in die Ukraine angewiesen, später sei sie telefonisch immer mehr unter Druck gesetzt worden, „schlimme Dinge werden passieren“. Deshalb habe sie immer mehr Geld überwiesen. Als das nicht mehr weiter möglich gewesen sei, habe es geheißen, es komme ein Kurier.

Dem Angeklagten übergab sie laut Urteil zweimal hohe Summen, dafür bekam sie einen „Kristall“ – der Polizei nach war es ein einfacher Stein. Noch mehr Geld, so die Frau, habe sie später zwei weiteren Kurieren übergeben.

„Ich sollte kleinere Päckchen oder Briefumschläge holen.“

Verteidiger Hans Meyer-Mews machte in der Berufungsverhandlung deutlich, dass es ihm um eine Bewährungsstrafe gehe, sein Mandant werde dafür aussagen.

Das tat der auch, nachdem Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier und Richterin Heike Schneider jedoch angemahnt hatten, dass ein Geständnis nur wirklich strafmildernd ausfalle, wenn es umfassend ist und die Hintergründe aufzeigt.

Er sei seinerzeit arbeitslos gewesen und habe sich selbst in einem Inserat als Kurierfahrer angeboten, berichtete der Angeklagte. „Es hat dann ein Pavel angerufen“, erinnerte er sich. „Ich sollte kleinere Päckchen oder Briefumschläge holen.“

Mindestens sechs Fahrten zu Opfern; Umschläge an „Sascha“ übergeben

Neben den zwei Fahrten ins Frankenberger Land seien es noch mindestens vier weitere zu anderen Opfern gewesen, sagte der Mann, der bei der letzten Übergabe festgenommen wurde und für vier Taten bereits rechtskräftig verurteilt ist, was in das jetzige Strafmaß einfloss.

Was in den Umschlägen war, habe er nicht gewusst, die habe er am Bahnhof in Recklinghausen jeweils einem „Sascha“ übergeben. Er selbst habe insgesamt nur 310 Euro Spritgeld erhalten.

„Für uns war es wichtig zu erfahren, war er Organisator des Betrugs oder nur ein Laufbursche“, sagte Richterin Schneider, „das war durch das Schweigen nicht ganz klar, aber für die Strafe ist die Tatbeteiligung in so einem groß angelegten betrügerischen Unternehmen natürlich wichtig“. (Heiko Krause)

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