Mehrere hundert Besucher

Abendmahl im Festzelt: Schausteller-Kind beim Pfingstmarkt konfirmiert

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Glückwünsche mit der Drehorgel: Schaustellerpfarrer Volker Drewes konfirmierte die 14-jährige Angelina Kreuser (2. von rechts). Es gratulierten (von links) ihre Eltern Alexander und Stefanie Kreuser, Gabriele Kreuser und ihr kleiner Bruder Jeffrey.

Frankenberg. Für eine Konfirmation ist das ein ungewöhnlicher Ort: Die 14-jährige Angelina Kreuser wurde beim Frankenberger Pfingstmarkt im Festzelt konfirmiert.

Glocken läuteten vom Turm der Liebfrauenkirche, Schaustellerpfarrer Volker Drewes spielte auf der Drehorgel eine Robert-Stolz-Melodie, dann erklang eine prächtige Intrade des Posaunenchors. Mehrere hundert Menschen hatten am Pfingstsonntag im großen Zelt auf der Wehrweide „drei Gründe zu feiern“, so Dekanin Petra Hegmann zu Beginn des evangelischen Festgottesdienstes: die durch Gottes Geist gegründete Gemeinschaft der Gläubigen „in Glaube, Hoffnung und Liebe“, den Frankenberger Pfingstmarkt und die Konfirmation von Angelina Kreuser, Tochter einer Gladenbacher Schaustellerfamilie.

Mit ihrem Ja zum christlichen Bekenntnis bekräftigte die Jugendliche eine Entscheidung, die ihre Eltern vor 14 Jahren für sie getroffen hatten. Während eines Pfingstmarktes in Frankenberg war sie im Festzelt von Pfarrer Drewes getauft worden, dann machte sie mit ihren Eltern „als echtes Schaustellerkind die erste Fahrt im Autoskooter“, wie sich Drewes erinnerte.

Seitdem riss der Faden zwischen Familie Kreuser und dem in Bad Hersfeld lebenden Schausteller-Seelsorger nicht ab, der im Auftrag der evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck „die reisende Gemeinde“ betreut. „Es hat mir Freude gemacht, nun mit Angelina bei der Vorbereitung ihrer Konfirmation sehr bewusst über Fragen des christlichen Glaubens zu reden“, berichtete Pfarrer Drewes.

In seiner Predigt griff der Seelsorger das Bild von der glitzernden Fassade des Rummelplatzes auf, in der sich die Sehnsüchte der Besucher spiegelten. „Aber auch hier ist nicht alles so, wie es scheint“, sagte Drewes. Menschen versteckten sich in der Welt hinter Fassaden, es gehe um Macht und Konflikte. „Der Geist des Friedens möge sich ausbreiten auf der Reise, hier in Frankenberg und auf der weiten Welt“, war sein Pfingstwunsch am Ende.

Seit 24 Jahren hält der Geistliche diesen Zeltgottesdienst zwischen Riesenrad, Karussells und modernen Fahrgeschäften beim Frankenberger Pfingstmarkt. Mehr als eine Generation von Schaustellern, die alle Jahre wieder ihre Fahrgeschäfte an der Eder aufbauen, hat er in Freude und Trauer begleitet. Entsprechend herzlich war auch die Atmosphäre beim Gottesdienst mit einheimischen Christen und reisender Gemeinde, die zum ersten Abendmahl mit der Konfirmandin eingeladen war.

Für einen festlichen musikalischen Rahmen sorgten der evangelische Posaunenchor Frankenberg unter Leitung von Kantorin Beate Kötter und der MGV Frankenberg/Schreufa mit seinem Dirigenten Willi Hof. Dekanin Petra Hegmann war Liturgin und Musikantin zugleich - sie spielt im Bläserkreis die Tenorposaune. (zve)

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