Coronaregelungen schmerzhaft für Trauernde

Corona-Folge: Pfarrer in Waldeck-Frankenberg fragen: Stirbt der Trauerkaffee aus?

Friedhof Frankenberg: Der Frankenberger Pfarrer Reinhold Schott am 11.11.2020 vor der Friedhofskapelle. „Im Sommer und Herbst haben viele Bestattungen auf dem Vorplatz im Freien stattgefunden, was die Infektionsgefahr minimiert und auch an manchen Wintertagen unter Corona-Bedingungen denkbar ist“, sagt er im Interview. Frankenberger Friedhofskapelle mit Vorplatz .
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Friedhof Frankenberg: Der Frankenberger Pfarrer Reinhold Schott vor der Friedhofskapelle. „Im Sommer und Herbst haben viele Bestattungen auf dem Vorplatz im Freien stattgefunden, was die Infektionsgefahr minimiert und auch an manchen Wintertagen unter Corona-Bedingungen denkbar ist“, sagt er im Interview.

Die aktuellen Coronabeschränkungen sind schmerzhaft für die Angehörigen, sagen Pfarrer aus Waldeck-Frankenberg. Seelsorger befürchten auch, dass dadurch der Brauch des gemeinsamen Kaffeetrinkens nach der Trauerfeier noch mehr zurückgeht. Stirbt der Trauerkaffee sogar aus?

Waldeck-Frankenberg – Die Corona-Regelungen betreffen alle Lebensbereiche – auch Tod und Trauer. Bei Bestattungen Abstand und Kontaktbeschränkungen einzuhalten, sei für Angehörige besonders schmerzlich, sagt Reinhold Schott, evangelischer Pfarrer in Frankenberg.

„Sehr schwierig war die Zeit im ersten Lockdown im Frühjahr, als nicht einmal alle Mitglieder der direkten Familie an der Bestattung teilnehmen könnten“, schildert er im Interview zum morgigen Totensonntag.

„Abstand und Kontaktbeschränkungen sind in der aktuellen Lage wichtig“, betont der Pfarrer. Aber er sehne sich nach der Zeit, wenn diese Regelung wieder aufgehoben werden kann. Denn Begegnung, Kontakt und Nähe seien gerade im Trauerfall sehr wichtig und hilfreich. Hilfreich ist seiner Meinung auch das gemeinsame Kaffeetrinken nach der Bestattung, der Trauerkaffee. Die Einladung dazu ist derzeit corona-bedingt nicht möglich. „Wir gehen in aller Stille auseinander“ – das stand aber auch schon vor Corona oft unter Todesanzeigen.

„Die Tradition des Trauerkaffees geht immer mehr verloren, das wird jetzt durch Corona wohl noch verstärkt“, befürchtet Schott. Dabei erfülle es eine wichtige Funktion auf dem Trauerweg: „Wir Menschen sind auf Begegnung und Gespräch angewiesen. Auch der Tod soll uns nicht stumm und sprachlos werden lassen.“

Auch Dechant Bernd Conze vom katholischen Dekanat Waldeck bedauert diese Entwicklung. Er beobachtet einen „Trend zum Treffen im kleineren Kreis, manchmal nur mit der Familie. Die Angehörigen nehmen sich die Freiheit, dies sehr individuell zu entscheiden und zu handhaben. Mögliche soziale Zwänge und Erwartungen diesbezüglich sind weggefallen, so wie auch die Formen der Verabschiedung immer individueller geworden sind“, sagt Conze.

Dass der Brauch des Trauerkaffees nach Corona weitergeführt wird, davon ist Markus Fuß, der als Bestatter in Löhlbach und Korbach tätig ist, überzeugt. Er beobachtet: „Wenn es keinen Trauerkaffee gibt, wie derzeit, bleiben die Angehörigen nach der Bestattung oft viel länger am Grab stehen, um sich auszutauschen.“ Von Martina Biedenbach

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