Peter Pfingst zog sie täglich auf

Alte Turmuhr kehrte in Viermündener Kirche zurück

Zurück in Viermünden 2021: Mit großer Freude nahmen Mitglieder des Heimat- und Kulturvereins und Kirchenvorstands in dieser Woche die alte Turmuhr wieder in Empfang; (von links) Katja Holzapfel-Weller, Horst Weller, Mike Schwarz, Pfarrer Andreas Reichwein und Kurt Röhle.
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Zurück in Viermünden 2021: Mit großer Freude nahmen Mitglieder des Heimat- und Kulturvereins und Kirchenvorstands in dieser Woche die alte Turmuhr wieder in Empfang; (von links) Katja Holzapfel-Weller, Horst Weller, Mike Schwarz, Pfarrer Andreas Reichwein und Kurt Röhle.

Warum die alte Turmuhr der Kirche aus Frankenberg-Viermünden einst abgebaut wurde und nun, nach 50 Jahren, wieder zurückgebracht wurde, das schildert unser Blick zurück.

Viermünden – Nach fast 50 Jahren ist Ende September die alte, handgeschmiedete Turmuhr in die Viermündener Petri-Kirche zurückgekehrt. Der Heimat- und Kulturverein Viermünden hatte sich dafür eingesetzt, nachdem das Museum im Kloster Frankenberg das dort seit 1973 ausgestellte Exponat zugunsten einer Neustrukturierung mit anderen Schwerpunkten zur Rückgabe angeboten hatte.

Zunächst sollte das Uhrwerk in der benachbarten Heimatstube ausgestellt werden, dann fanden aber alle Initiatoren und auch der Kirchenvorstand, dass es im Eingangsbereich des Kirchturms einen originelleren Platz finden müsste.

Wann die Turmuhr erbaut und im ersten Geschoss des Turmbaus der Petrikirche installiert worden ist, blieb bisher ungeklärt. Vermutlich war es 1780, als der Turm eine achteckige Glockenstube mit welscher Haube erhielt. In den mündlichen Überlieferungen des Dorfes hielt sich bis heute die Aussage, das Werk sei auf dem Hof der Familie Diele von einem fachkundigen Uhrmacher handgeschmiedet worden. Als es 1963 ausgebaut wurde, war auch Nachbar Heinrich Diele unter den Zuschauern und bestätigte diese Vermutung.

Mit dem Uhrwerk eng verbunden war das Leben des langjährigen Viermündener Kirchendieners Peter Pfingst. Seinen Dienst versah er von 1902 bis zu seinem Tod 1964 mit großer Treue. Schon 1934, als eine große Kirchenrenovierung stattfand und der Haupteingang mit Zugang zu den Emporen in den Turm verlegt wurde, musste Pfingst zum ersten Mal das Uhrwerk komplett aus- und wieder einbauen.

Abschied im Jahr 1963: Kirchendiener Peter Pfingst (rechts) und sein Nachbar Heinrich Diele, auf dessen Hof die Uhr vor Jahrhunderten geschmiedet worden sein soll, waren damals dabei, als die Turmuhr durch ein elektrisches Läutewerk ersetzt wurde.

1963, als der Viermündener Kirchturm ein elektrisches Läutewerk erhielt, verließ die erneut abmontierte alte Uhr zum letzten Mal das Gotteshaus - sehr zur Trauer des alten Mannes, der ein Jahr später starb. Es hatte bis dahin zu seinen täglichen Aufgaben gehört, nach dem Elf-Uhr-Läuten die eiserne Turmuhr aufzuziehen. Die schwere Eisenkurbel, die dazu jeweils an den beiden Holztrommeln für Gang- und Schlagwerk angesetzt wurde, musste mit ruhigem, gleichbleibendem Rhythmus gedreht werden, damit die zentnerschweren Sandsteingewichte an ihren Seilen wieder nach oben in den Turm schwebten. Das Klappern des Rückschlaghebels am großen Zahnrad begleitete jede Drehung. Der Kirchendiener konnte jederzeit an den eisernen Zahnrädern die Uhrzeit und die angekündigte Schlagfolge ablesen, noch bevor die Uhr dazu „ausgelöst“ hatte.

Manches Mal hat Peter Pfingst die dicken Glockenseile wieder geflickt, wenn sie durchgescheuert oder gerissen waren. Das passierte mitunter während des Läutens, dann musste er die Stiegen in den Turmstuhl hinaufklettern und die „herrenlose“ Glocke mit der Hand abbremsen. Kein Jahr verging, in dem er nicht einmal gründlich das gesamte Laufwerk der Uhr auseinandernahm, sorgfältig Rädchen für Rädchen säuberte, einölte und dann wieder zusammensetzte. Ohne diese regelmäßige Pflege hätte das handgeschmiedete Uhrwerk wohl niemals über Jahrzehnte hin die Zeit pünktlich angeben können. Deshalb wird die in den Kirchturm heimgekehrte Uhr, ergänzt durch historische Fotos, bestimmt auch an Peter Pfingst erinnern. Von Karl-Hermann Völker

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