Frau und Mann lagen minutenlang auf Gehweg

Altes Ehepaar in Frankenberg gestürzt: Keiner half den verletzten Senioren

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Die Unglücksstelle: Auf dem Bürgersteig in der Bahnhofstraße in Frankenberg stürzten die alten Menschen schwer. Minutenlang kümmerten sich weder Passanten noch Autofahrer um sie. Das Foto entstand einige Tage später, die Menschen und Fahrzeuge auf dem Foto haben nichts mit dem Vorfall zu tun.

Frankenberg. Der Blutfleck auf den Pflastersteinen des Gehweges vor dem Haus in der Bahnhofstraße 5 in Frankenberg ist immer noch zu sehen.

Am Freitagmorgen ist dort ein älteres Ehepaar, das namentlich nicht genannt werden will, schwer gestürzt. Minutenlang lagen die 89 Jahre alte Frau und ihr 91-jähriger Ehemann verletzt auf dem Bürgersteig. Das Schockierende: Minutenlang schaute keiner hin, half niemand den verletzten Senioren - obwohl die Bahnhofstraße gerade in der Nähe zu Bahnhof, Geschäften und Schulen immer stark frequentiert und sehr belebt ist.

Viele Autofahrer mussten zur Zeit des Unglücks an der Ampel halten - nur wenige Meter von den beiden am Boden liegenden Menschen entfernt. Auch viele Fußgänger sind dort gerade morgens unterwegs. Aber keiner eilte der alten Frau und dem alten Mann zu Hilfe.

Was war passiert? Am Freitagmorgen um 7.45 Uhr machten sich die Eheleute Arm in Arm zu Fuß auf den Weg zu einem Arztbesuch. Weit kamen sie nicht. Nur wenige Meter von der eigenen Haustür entfernt stolperte die 89-Jährige und stürzte auf den Gehweg. 

Ihr Ehemann wollte sie noch festhalten, das gelang aber nicht: Beim Versuch, seiner Frau zu helfen, stürzte er ebenfalls zu Boden - und zwar so unglücklich, dass er mit dem Kopf auf den Knauf seines Gehstocks aufprallte. Bewusstlos und mit einer stark blutenden Platzwunde am Kopf blieb der 91-Jährige auf dem Körper seiner Frau liegen - mitten auf dem Bürgersteig. Unter dem Gewicht ihres Mannes konnte sich die Frau selbst nicht aus ihrer Lage befreien.

Über die unterlassene Hilfeleistung der Autofahrer und auch vorbeigehender Fußgänger hat sich nun der Sohn der beiden Senioren im Gespräch mit der HNA empört: „Zu dieser Uhrzeit war es schon so hell, dass jeder Autofahrer die Situation erkennen musste“, sagt der Frankenberger. Der Gehweg sei an dieser Stelle gut einsehbar, aber keiner kümmerte sich um die alten Menschen. Auch mehrere Fußgänger seien an ihnen vorbeigelaufen, wie die Mutter dem Sohn berichtete. „Die Leute mussten schon fast drüber steigen, um an den Liegenden vorbei zu kommen.“

Der Retter war ein junger Mann

Erst nach einigen Minuten habe ein junger Mann, etwa 20 bis 25 Jahre alt, geholfen: „Der wählte auf seinem Handy sofort den Notruf.“ In diesem Moment sei zufällig auch ein Rettungswagen vorbeigekommen. Der stoppte, die beiden alten Menschen wurden ins Krankenhaus gebracht.

„Mein Vater musste für vier Tage stationär aufgenommen werden, meine Mutter erlitt zum Glück nur Prellungen“, berichtete der Sohn. Den Menschen, die bei der Situation weggeschaut hatten, stellte er ein miserables Zeugnis aus: „Den gestürzten Leuten nicht zu helfen, stellt schon eine hohe Ignoranz an seinen Mitmenschen dar. Dabei kann jeder in eine solche Situation kommen. Ich finde dieses Verhalten ganz schlimm.“

Bei dem jungen Mann, der letztlich als einziger etwas unternommen hat, wollen sich die Senioren für die Hilfe nun gerne bedanken. Der Kontakt kann über die HNA hergestellt werden, 06451/723318.

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