Von 2002 bis 2021 am Hindukusch

Auslandseinsatz gewürdigt: Stadt Frankenberg empfing Soldaten aus Afghanistan

4818,6 Kilometer liegen zwischen Frankenberg und den Einsatzgebieten der Soldaten am Hindukusch. Jetzt kehrten die letzten Soldaten aus Afghanistan zurück. Im Bild: (von links) Oberstleutnant Meik Kotthoff, Hauptmann Axel Prange, Hauptfeldwebel David Jahn, Oberfeldwebel Marvin Litz, Bürgermeister Rüdiger Heß und Oberstleutnant Thorsten Eversberg.
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4818,6 Kilometer liegen zwischen Frankenberg und den Einsatzgebieten der Soldaten am Hindukusch. Jetzt kehrten die letzten Soldaten aus Afghanistan zurück. Im Bild: (von links) Oberstleutnant Meik Kotthoff, Hauptmann Axel Prange, Hauptfeldwebel David Jahn, Oberfeldwebel Marvin Litz, Bürgermeister Rüdiger Heß und Oberstleutnant Thorsten Eversberg.

Rund 20 Jahre waren Soldaten der Burgwaldkaserne im Afghanistan-Einsatz. Frankenbergs Bürgermeister würdigte dies bei einem Empfang.

Frankenberg – „Frankenberg - 4818,6 km“ – das Hinweisschild aus Kabul und Masar-i-Sharif ist Geschichte. Ebenso der längste Auslandseinsatz des Frankenberger Bataillons Elektronische Kampfführung 932. Ende Juni kehrten die letzten Frankenberger Soldaten, wie berichtet, nach insgesamt knapp 20 Jahren in Afghanistan in die Heimat zurück – ihr Einsatz war von der Politik beendet worden.

Ziel des Einsatzes war es, die Region am Hindukusch nach Bürgerkrieg und den Anschlägen vom 11. September 2001 von den Taliban zu befreien.

Im historischen Rathaus empfing Bürgermeister Rüdiger Heß jetzt nicht nur die Soldaten der „letzten Stunde“ mit Hauptmann Axel Prange an der Spitze, sondern auch einen „Veteranen der ersten Stunde“: Oberstleutnant Meik Kotthoff. 2002 war Kotthoff der erste Kontingentführer in Afghanistan, von Dezember 2015 bis April 2019 war er auch Kommandeur der Burgwaldkaserne. Wegen eines Einsatzes bei der Flutkatastrophe in Neuenahr-Ahrweiler fehlte der aktuelle Kommandeur, Oberstleutnant Kai-Alexander Hoberg.

„Der militärische Einsatz in Afghanistan war sinnvoll und ist von ihnen voll und ganz erfüllt worden“, gratulierte der Bürgermeister den Soldaten zur gesunden Heimkehr. Ob der Einsatz politisch sinnvoll gewesen sei, müssten andere beurteilen.

In seiner Ansprache erinnerte Heß an den 7. Juni 2003: An diesem Pfingstsamstag kamen bei einem Selbstmordattentat in Kabul vier Frankenberger Soldaten ums Leben, viele wurden schwer verletzt: „Das waren für mich emotional hoch bewegende Stunden. Meine Gedanken waren bei den Opfern, den Familien und den Angehörigen“, betonte Heß. Mit einer Gedenkminute gedachten Bürgermeister und versammelte Soldaten den damals getöteten Kameraden. Heß zeichnete die heimgekehrten „Afghanistan-Soldaten“ mit der Silbermünze der Stadt Frankenberg aus.

2022 besteht die Patenschaft zwischen der Stadt und dem Bataillon seit 30 Jahren, der Standort Burgwaldkaserne sogar schon seit 60 Jahren. „Am 24. Juni soll es einen feierlichen Appell auf dem Obermarkt geben, am 25. Juni ein Jubiläumsfest in der Kaserne“, informierte der Bürgermeister. In Frankenberg gebe es nun schon seit sechs Jahrzehnten eine sehr enge und freundschaftliche Beziehung zwischen der Bevölkerung und den Soldaten.

„Es waren interessante und hochspannende 20 Jahre“, erinnerte Meik Kotthoff. Er hatte die Afghanistan-Einsätze in verschiedenen Funktionen begleitet. Der Start 2002 in den Einsatz sei seinerzeit per Airbus und Transall über Usbekistan nach Afghanistan erfolgt. „Das Ende kam schneller als wir gedacht hatten“, resümierte Kotthoff: „Man kann nur hoffen, dass das Land nicht wieder im Chaos versinkt.“ Für seine Bundeswehrkameraden und ihre Familien sei es aber gut, dass der Einsatz zu Ende gegangen sei. „Ein kurzes Durchatmen für das Bataillon“, sagte der Oberstleutnant. Glücklicherweise habe das Bataillon seit 2003 in Afghanistan keine Soldaten mehr verloren.

Hauptmann Axel Prange bedankte sich für die Unterstützung durch die Stadt und die Frankenberger Gesellschaft bei den Auslandseinsätzen – sei es durch Weihnachtsgeschenke oder nette Gesten. Das Hinweisschild „Frankenberg - 4818,6 km“ brachten die Soldaten vom Hindukusch mit zurück in die Heimat. 

Einige waren zehn Mal in Afghanistan

„Am 11.01.2002 sind die ersten Soldaten zum Einsatz nach Afghanistan gegangen, am 28. Juni 2021 sind die letzten nach Frankenberg zurückgekehrt“, berichtete Oberstleutnant Thorsten Eversberg über Zahlen, Daten und Fakten. Neben Meik Kotthoff ist Eversberg ein „militärisches Urgestein“ der Burgwaldkaserne. Er plante schon Ende 2001/Anfang 2002 den ersten Einsatz Frankenberger Soldaten am Hindukusch. Auch den Anschlag vom 7. Juni 2003 musste Eversberg miterleben. Die Mission der Frankenberger Soldaten habe insgesamt 7007 Tage gedauert, informierte der Oberstleutnant. Einsatzorte seien vor allem Kabul und Masar-i-Sharif, aber auch Kundus und Faizabad gewesen.

„Der Soldat mit dem meisten Auslandseinsätzen war zehn Mal in Afghanistan“, sagte Eversberg. Die Auslandseinsätze für das Bataillon seien seit 1996 in Bosnien-Herzogowina nicht abgerissen. Aktuell seien „einige wenige Soldaten“ noch in den afrikanischen Ländern Mali und Niger im Einsatz. Bei der Stadt und ihrer Bevölkerung bedankte sich Eversberg für die Akzeptanz der Soldaten in der Öffentlichkeit: „Das habe ich andernorts noch nie so erlebt.“ Von Gerhard Meiser

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