Interview mit stellvertretendem Direktor des Design-Museums

Ausstellung mit Frankenberger Thonet-Klassikern wird in München eröffnet

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Beim Treffen in Frankenberg: Dr. Josef Straßer (rechts), stellvertretender Direktor der „Neuen Sammlung“ in der Münchner Pinakothek der Moderne, war schon mehrmals in Frankenberg zu Gast, um seine Sonderausstellung „Thonet & Bauhaus“ vorzubereiten. Das Foto zeigt ihn mit dem früheren Thonet-Chef Claus M. Thonet und dem von Mies van der Rohe entworfenen Thonet-Freischwinger „S 533 F“. 

Frankenberg – Zwei große Namen aus der Design-Geschichte in Deutschland werden in diesem Jahr gefeiert: 100 Jahre Bauhaus und 200 Jahre Thonet. Deshalb soll am Donnerstag, 16. Mai, in der Münchner Pinakothek der Moderne (Abteilung „Die neue Sammlung“) eine große Sonderausstellung „Thonet & Design“ eröffnet werden.

Sie wird nicht nur eine der weltweit größten und bedeutendsten Sammlungen von Thonetmöbeln, sondern auch ein wichtiges Kapitel europäischer Unternehmensgeschichte repräsentieren.

Mit dabei sein werden in München auch Leihgaben aus dem Frankenberger Thonet-Museum.

Mehrfach war deshalb Dr. Josef Straßer, Hauptkonservator und stellvertretender Direktor des Design-Museums München, in den vergangenen Monaten zur Vorbereitung in Frankenberg zu Gast, zuletzt zur Eröffnung des Literarischen Frühlings in der Stahlbiegerei des Werks. Dort werden noch heute die Stahlrohr-Klassiker großer Bauhaus-Lehrer wie Mart Stam, Ludwig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer hergestellt (HNA berichtete).

Wir haben den Design-Fachmann nach seinen Eindrücken von dem Thonet-Museum in Frankenberg gefragt, das mehr als 900 historische Thonet-Stücke in seiner Sammlung hat (300 davon in der Ausstellung) und jährlich von mehr als 5000 Menschen besucht wird.

Herr Dr. Straßer, Sie waren schon einige Male im Thonet-Museum in Frankenberg. Wie war Ihr erster Eindruck zur Auswahl und Präsentation?

Ich finde das Museum sehr anschaulich und liebevoll gestaltet. Man bekommt einen profunden Überblick über die Geschichte dieses für die Designgeschichte so bedeutenden Unternehmens.

Was zeigt das Museum an der letzten verbliebenen Thonet-Produktionsstätte in Deutschland, was in anderen Ausstellungen so nicht gezeigt werden kann?

Natürlich wirkt sich in Frankenberg die unmittelbare Nähe zu den Produktionshallen vorteilhaft aus. Allein schon die Tatsache, dass man sich an dem Ort befindet, an dem die Möbel, die zum Teil auch im Museum zu sehen sind, hergestellt werden bzw. wurden, verändert den Blick auf die Objekte. Außerdem kann man hier die komplette Unternehmensgeschichte bis heute anhand von herausragenden Objekten nachvollziehen.

In den meisten anderen Museen steht immer nur die Geschichte des Bugholzmöbels im Mittelpunkt, manchmal ergänzt um einige wenige Stahlrohrmöbel, aber die Produkte des 20. und 21. Jahrhunderts fehlen eigentlich immer. In diesem Punkt orientiert sich unsere Ausstellung an dem Frankenberger Museum, wenngleich wir uns auf eine kleinere Auswahl beschränken werden.

Gibt es Formen der Kooperation zwischen Ihrer Neuen Sammlung und dem Frankenberger Werk mit der Familie Thonet?

Eine Ausstellung über Thonet ohne Thonet wäre etwas sonderbar. Das Unternehmen unterstützt uns in vielerlei Hinsicht. Wir bekommen Leihgaben aus dem Museum, Stühle aus der aktuellen Produktion vervollständigen durch die Großzügigkeit des Unternehmens unsere Sammlung, wir planen gemeinsame Aktionen mit dem Unternehmen, die Pressearbeit ist aufeinander abgestimmt, beispielsweise gab es bereits auf der Kölner Möbelmesse eine Pressekonferenz mit unserer Beteiligung. Und wir werden auch in anderer Weise großzügig unterstützt, u. a. bei der Produktion des Ausstellungskataloges.

Welche Leihgabe aus Frankenberg wird in Ihrer Münchner Sonderausstellung besonders aussagekräftig sein?

Der Armlehnstuhl S 401 von Verner Panton. Dieser Stuhl fällt nicht nur auf den ersten Blick auf und aus dem Programm des Unternehmens heraus, sondern zeigt zugleich, wie man aus einfachsten Mittel, aus Stahlrohr und Stoffpolster, ein innovatives, modernes Möbel gestalten kann.

VON KARL-HERMANN VÖLKER

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