1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Frankenberg (Eder)

Auto bei Münchhausen von Zug erfasst: Autofahrer verurteilt

Erstellt:

Von: Marise Moniac

Kommentare

An dem Bahnübergang bei Simtshausen erfasste die Regionalbahn im Oktober 2021 dieses Auto.
An dem Bahnübergang bei Simtshausen erfasste die Regionalbahn im Oktober 2021 dieses Auto. © Bundespolizei

Weil er an einem unbeschrankten Bahnübergang in Simtshausen (Marburg-Biedenkopf) das rote Blinksignal missachtet und dadurch den Zusammenstoß mit einem Zug verursacht hatte, ist ein 18-jähriger Autofahrer jetzt am Amtsgericht in Marburg verurteilt worden.

Marburg/Simtshausen – 1000 Euro Geldstrafe, ein Monat Führerscheinentzug und die Teilnahme an einem Straßenverkehrsseminar: So lautete das Urteil in dem Prozess gegen den jungen Autofahrer aus Wetter. Glücklicherweise waren bei dem Unfall keine Menschen schwer verletzt worden.

Der 18-jährige Fahranfänger war am 9. Oktober 2021 gegen 21 Uhr mit seinem Wagen auf den unbeschrankten Bahnübergang in Simtshausen gefahren, obwohl das Blinksignal für ihn auf Rot stand. Das Auto wurde von einem Zug der Kurhessenbahn erfasst, der von Marburg in Richtung Frankenberg unterwegs war.

Alle am Prozess Beteiligten waren sich darin einig, dass das Verhalten des Autofahrers grob fahrlässig gewesen sei und als gefährlicher Eingriff in den Schienenverkehr gewertet werden müsse. „Das war sehr unschön“, sagte der Lokführer, der einen Schock und muskuläre Verspannungen davontrug und nach eigenem Bekunden seit dem Unfall Schwierigkeiten hat, auf Bahnübergänge zuzufahren.

Er habe zwar die Scheinwerfer eines Autos wahrgenommen und mehrere Achtungspfiffe abgegeben, doch trotz einer Schnellbremsung habe er den Zusammenstoß nicht verhindern können. „Es hat ordentlich gerumpelt“, sagte er. Die rund 40 Fahrgäste im Zug kamen zum Glück mit dem Schrecken davon.

130.000 Euro Schaden, Beifahrerin leicht verletzt

Der Autofahrer blieb unverletzt, seine Beifahrerin kam leicht verletzt ins Krankenhaus. Allerdings war der materielle Schaden groß: Das Auto ist Schrott, am Zug entstand mit Folgekosten ein Schaden von 130 000 Euro. „Der Unfall hätte auch ganz anders ausgehen können“, sagte Richter Thomas Rohner. „Es grenzt fast an ein Wunder, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“

Der Unfallverursacher zeigte sich reuig und räumte ein, er habe sich durch die Unterhaltung mit der Beifahrerin ablenken lassen und nicht auf das Signal geachtet. Auch die Geschwindigkeit habe er nicht vermindert. „Das darf eigentlich nicht passieren.“

Für den Autofahrer sprach, dass ihm kein weiteres Missverhalten im Straßenverkehr vorgeworfen werden konnte. Er lebt in geregelten Verhältnissen und macht derzeit eine Ausbildung mit guten Chancen, übernommen zu werden. „Der Unfall hat ihn sehr belastet“, sagte der Verteidiger, „Er ist sich seiner Fahrlässigkeit voll bewusst.“

Der Richter hielt dennoch „gewisse erzieherische Maßnahmen“ für notwendig, ein Entzug der Fahrerlaubnis „in abgespeckter Form“ sei sinnvoll. „Ein Monat lässt sich sicherlich überbrücken.“ Innerhalb einer Woche können Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt werden.

Auch interessant

Kommentare