Smartphone kann Aufmerksamkeit im Straßenverkehr behindern

Auto-Club hat gezählt: Nur wenige Fußgänger in Frankenberg hängen am Handy

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Strichliste:  Erwin Lueg (links) und Uwe Völker vom Auto-Club Europa haben in Frankenberg gezählt, wie viele Fußgänger das Handy benutzen.

Frankenberg. Wie viele Fußgänger sind mit dem Handy am Ohr oder in der Hand im Straßenverkehr unterwegs? Das hat der Auto-Club Europa (ACE) jetzt in Frankenberg gezählt.

Fazit: „Frankenberg ist absolut positiv. Hier sind nur wenige mit dem Handy über die Straße gelaufen“, sagt Uwe Völker. Er ist beim ACE als Regionalbeauftragter für Hessen zuständig und hat mit Erwin Lueg vom ACE-Kreisvorstand eine Stunde lang an der Kreuzung Uferstraße/Bahnhofstraße den Verkehr beobachtet. Die Zählung gehört zur bundesweiten ACE-Jahresaktion „Finger weg!“

„Wir können nur an die Fußgänger appellieren, das Smartphone wegzustecken und mehr auf den Verkehr zu achten“, sagt Uwe Völker. Er kennt die Gefahren, denen auch Fußgänger ausgesetzt sind, wenn sie aufs Handy statt auf die Straße schauen. „Wer das Handy in der Hand oder am Ohr hat, nimmt das Drumherum nicht mehr wahr“, sagte Völker, als er am Dienstag in Frankenberg die Ergebnisse einer Verkehrszählung vorstellte.

Völker und Lueg hatten zwischen 12 und 13 Uhr aufgeschrieben, wie viele Fußgänger das Handy nutzen, wenn sie über die Straße gehen. 201 Personen wurden von den beiden gezählt, nur 9,9 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen nutzten das Handy. Jugendliche und Kinder waren kaum unterwegs – vermutlich wegen der Schulferien.

In anderen Städten, in denen Völker schon seit April die Fußgänger beobachtet, liegen die Zahlen zum Teil deutlich höher, im Durchschnitt von elf Städten – unter anderem Korbach – bei 13,8 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen, bei Kindern und Jugendlichen sogar bei 32 (Mädchen) und 22 Prozent (Jungen). „Die Tendenz ist bundesweit eindeutig“, sagt Völker: „Bei den Fußgängern nutzen mehr Frauen und Mädchen das Handy im Straßenverkehr als Männer und Jungen.“ Und auf dem Land seien die Leute „nicht so verrückt aufs Handy“ wie in der Stadt.

Anders als bei Autofahrern ist es Fußgängern nicht verboten, im Straßenverkehr das Handy zu benutzen. Uwe Völker nennt es aber grenzwertig, es doch zu tun. „Der Blick aufs Smartphone lenkt ab, man achtet nicht so sehr auf Ampeln, Autos und die Verkehrsregeln“, sagt er und berichtet, dass in Deutschland jeden Tag neun Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben kämen. „Eine WhatsApp-Nachricht kann man auch zehn Minuten später noch lesen oder schreiben.“

Die Zählung gehört zur Reihe von Jahresaktionen zur Verkehrssicherheit, die der ACE seit 2005 macht. Im vergangenen Jahr ging es ums Anschnallen im Auto, 2015 ums Handy am Steuer. Auch diesmal beobachteten Völker und Lueg zwei Autofahrer, die während der Fahrt mit dem Handy ohne Freisprechanlage telefonierten. Völker sprach von einer „Krankheit“, nicht mal die 15 Euro dafür ausgeben zu wollen. Angesprochen wurde übrigens keiner der Fußgänger oder Autofahrer. Die Ergebnisse der Aktion sollen im Herbst bundesweit vorgestellt werden, um auf das Thema Verkehrssicherheit aufmerksam zu machen.

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