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Frankenbergs Bezirkskantor Nils-Ole Krafft lud zu seiner 70. Orgelmatinee ein

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Von: Karl-Hermann Völker

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Nils-Ole Krafft an der Böttner-Orgel: Zum 70. Mal erfreute der Kirchenmusiker am vergangenen Samstag seine Zuhörer mit einer Orgelmatinee in der Liebfrauenkirche, live und frohgestimmt am Spieltisch. Während der Pandemie-Zeit hatte er sein Publikum zu Hause weiter mit Online-Videos versorgt.
Nils-Ole Krafft an der Böttner-Orgel: Zum 70. Mal erfreute der Kirchenmusiker am vergangenen Samstag seine Zuhörer mit einer Orgelmatinee in der Liebfrauenkirche, live und frohgestimmt am Spieltisch. Während der Pandemie-Zeit hatte er sein Publikum zu Hause weiter mit Online-Videos versorgt. © Karl-Hermann Völker

Es gibt Jubiläen, die ganz leise verlaufen. Am vergangenen Samstagmorgen war fast unbemerkt so eins:

Frankenberg – Zum 70. Mal lud Bezirkskantor Nils-Ole Krafft in der Frankenberger Liebfrauenkirche zu einer „Orgelmatinee“ mit einführendem Kurzvortrag ein, ein von ihm eingeführtes Konzertformat, das am ersten Samstag im Monat jeweils um 11 Uhr nicht nur sein Stammpublikum anzieht, sondern auch Touristen und Freunde der Kirchenmusik aus der Region.

Selbst die Corona-Zwangspause mit Lockdowns konnte diesem Projekt der Morgenkonzerte nichts anhaben: Zehn Mal sorgte während der Krisenzeit Kantor Krafft mit Mikrofon und Kamera mit einer Videoaufzeichnung für ein Online-Angebot für Daheim-Gebliebene. Die 40. Matinee am 4. April 2020 beispielsweise wurde im Internet mehr als 1400-mal angeklickt, alle Aufzeichnungen seiner Orgelkonzerte sind auch weiterhin noch auf dem YouTube-Kanal von Nils-Ole Krafft weltweit anzuschauen und mit Blick auf den Orgelspieltisch unmittelbar mitzuerleben.

„Meine Idee war, eine Aufführungsroutine zu entwickeln, die mich herausforderte, nicht nur ein Angebot aus meinem Repertoire zu machen, sondern für jede Matinee mindestens ein neues Werk zu erarbeiten und meinen Zuhörern anzubieten“, erklärte Krafft, der neben seiner Kantoren-A-Prüfung eine künstlerische Zusatzausbildung hat, nach seinem 70. Orgelkonzert am vergangenen Samstag. „Es war mir auch wichtig, dass das ganze Jahr über mindestes ein kirchenmusikalisches Ereignis in jedem Monat an der Liebfrauenkirche stattfindet.“

Hinzu kamen im vergangenen Sommer inzwischen wieder zahlreiche weitere Konzerte von externen Künstlern.

Es gab bei den Orgel-Matineen an der Frankenberger Böttner-Orgel immer wieder mal Vertrautes zu hören, aber auch viel Neues zu entdecken mit aktuellen Bezügen zum Kirchenjahr, zu Epochen, Genres oder Komponistenbiografien. Seine 70. Matinee hatte Nils-Ole Krafft den sechs nach dem Verleger Georg Schübler in Zella genannten „Schübler-Chorälen“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750) gewidmet, die allesamt mehr als nur Choräle, sondern deren Bearbeitungen mit herausgehobener Melodiestimme sind. Sie entstanden aus Kantaten-Chorälen in Bachs Leipziger Spätjahren, als der Meister dort „viele neue Ideen“ aufnahm, wie Krafft berichtete.

Krafft holte seine Zuhörer mit der wohl populärsten Choralbearbeitung „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 645) zu Beginn der Matinee ab, arbeitete hier wie bei den weiteren Stücken jeweils den Cantus Firmus mit Zungenstimmen fein heraus, eingebettet in filigrane, polyfone Umspielungen. Während sparsame Registrierung bei den Chorälen genaues Hinhören auf Melodieführung und Textausdeutung verlangte, ließ Nils-Ole Krafft am Ende mit Eleganz und Geschmeidigkeit die Böttner-Orgel in ihrem großen Klangreichtum bei Bachs Präludium, Largo und Fuge in C-Dur (BWV 5454a) noch einmal aufblühen, ein Beispiel des „klassischen“ Bach aus seiner Weimarer Zeit, brausend am Schluss mit tiefem C im Pedal. Es gab herzlichen Beifall von allen Besuchern der 70. Frankenberger Orgelmatinee.

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