Trockenheit macht dem Wald Probleme

Bäume sterben ab: Stadtwanderweg in Frankenberg zum Teil gesperrt

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Revierleiter Fabian Krämer an einer gefällten Buche.

Frankenberg. Ein Teil des neun Kilometer langen Frankenberger Stadtwanderwegs „Blickwinkel“ ist derzeit gesperrt. Etliche Bäume sind durch Trockenheit so geschädigt, dass die Gefahr besteht, dass sie brechen und Menschen verletzen.

„Das sind die ersten Maßnahmen, die wir ergriffen haben“, sagt Fabian Krämer und zeigt auf die vier gefällten Buchen am Wegrand. Der Waldweg hinter dem Forstamt am Goßberg ist Teil des Frankenberger Premium-Stadtwanderweges „Blickwinkel“. Der Weg ist derzeit auf rund 500 Metern oberhalb des Schwedensteinwegs gesperrt, weil etliche Bäume umfallen könnten.

Da es in den vergangenen beiden Jahren zu wenig Niederschlag gab, seien viele Bäume krank geworden, sie sterben ab, berichtet Revierleiter Fabian Krämer. Das betrifft vor allem Fichten und nun auch Buchen. 

„Wir haben es vermehrt mit der Buchenkomplexkrankheit zu tun“, sagt Krämer. „Das sind verschiedene Schadfaktoren, die damit beginnen, dass es zu wenig Wasser für die Buchen gibt.“ Die Folgen sind fatal: „Die Bäume können jederzeit brechen – nicht nur Äste, sondern ganze Kronenteile.“

Ein Flatterband markiert aus Richtung Schwedensteinweg, dass der Stadtwanderweg in diesem Bereich derzeit nicht begehbar ist.

Bei Fichten sei die Trockenheit für jedermann erkennbar: Sie werden rot, die Nadeln fallen ab, der Baum verliert die Rinde. An den Buchen sei es jetzt im Herbst, wenn ohnehin die Blätter fallen, kaum zu erkennen, wenn kranke Bäume ihr Laub verlieren. 

Pilze zeigen, dass Bäume krank sind

Aber Pilze am Stamm seien ein weiteres Zeichen dafür, dass der Baum krank ist. „Das Schadbild gab es früher schon bei Buchen, in diesem Umfang aber in diesem Jahr zum ersten Mal“, sagt der Revierleiter.

Die Situation im Stadtwald sei vergleichbar mit der an der Edersee-Randstraße. „Das Schadbild ist das gleiche, nur das Ausmaß ist am Edersee noch größer“, sagt Krämer. Wie am Edersee habe es auch im Stadtwald keine andere Möglichkeit gegeben, als den Weg für die Öffentlichkeit zu sperren. „Wir haben hier die Verkehrssicherungspflicht.“

Etliche Fichten entlang des schmalen Waldweges sind schon mit roten Strichen markiert – sie sollen gefällt werden. „Weiter oben im Wald haben wir damit schon angefangen“, berichtet Krämer. Mit Unterstützung des städtischen Betriebshofs seien schon einige Bereiche wieder gesichert worden.

Revierleiter Fabian Krämer zeigt an einer Fichte, wie sich die Rinde löst. Die mit einem Strich markierten Bäume müssen gefällt werden, weil sie durch die Trockenheit krank geworden sind und brechen können.

Hunderte Bäume sind betroffen

Insgesamt seien Hunderte Bäume in dem Waldstück betroffen, in dem markierten Bereich stehen sie aber zu dicht, um sie mit der Motorsäge zu fällen. Das Forstamt wartet auf einen Harvester. Da Hessen-Forst aber keinen eigenen habe, sei man auf Unternehmer angewiesen. 

Doch die hätten derzeit viel zu tun, weil überall Bäume wegen Trockenheit und Borkenkäfern krank seien und gefällt werden müssten. 

Zunächst hätten öffentliche Straßen und Wohngebiete Priorität, erst danach Wanderwege. „Deshalb können wir noch nicht sagen, wann der Weg wieder freigegeben wird“, sagt Krämer. Die Sperrung wurde vorsorglich für sechs Monate ausgesprochen, eine Umleitung für Wanderer führt über den Schwedensteinweg.

Krämer bittet darum, die Absperrung nicht zu ignorieren. „Das Flatterband hängt da nicht ohne Grund.“ Und auch auf anderen Wegen im Wald sollte man immer aufmerksam sein.

Üblicherweise regne es im Jahr rund 600 Liter pro Quadratmeter, 2018 seien nur 450 gefallen, in diesem Jahr bisher 550, berichtet Krämer. „Wenn nächstes Jahr nicht außergewöhnlich viel Niederschlag fällt, wird sich das Schadbild weiter ausbauen.“ Es gebe mittlerweile so viele kranke Bäume, die gefällt werden müssen, dass sich das Landschaftsbild entscheidend verändert habe. „Wir wissen nicht, ob das jetzt Extreme sind oder die neue Normalität wird“, sagt Krämer.

Überangebot lässt Preise sinken

Der Hiebsatz im Frankenberger Stadtwald – also die Menge Holz, die nachhaltig gehauen werden könne – liege laut Forstwirtschaftsplan bei 3900 Festmetern im Jahr, sagt Revierleiter Fabian Krämer. Wegen der Schäden durch Trockenheit und Borkenkäfer seien dieses Jahr aber schon 22 000 Festmeter gefällt worden. „Und die können wir nur zu sehr schlechten Preisen verkaufen. Der Preis ist durch das Überangebot in die Knie gegangen.“ 

Sägeholz, das beste Sortiment, das vor allem als Bau- und Konstruktionsholz zum Beispiel für Dachstühle verwendet werde, habe zu besten Zeiten 93 Euro gebracht, jetzt nur noch 35 Euro. Weil der Preis so gesunken sei, sei es sogar für China rentabel geworden, das Holz aus Europa zu kaufen und per Schiff zu transportieren.

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