Doch kein Gesundheitszentrum

Frankenberger Bahnhof wird Kulturzentrum mit Bücherei und Musikschule

In den Frankenberger Bahnhof sollen die Musikschule Frankenberg und die Stadtbücherei einziehen.
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In den Frankenberger Bahnhof sollen die Musikschule Frankenberg und die Stadtbücherei einziehen.

Das Bahnhofsgebäude in Frankenberg soll nun Kulturzentrum. Stadtbücherei und Musikschule bekommen darin ein Domizil.

Frankenberg – Kultur statt Medizin, Musik und Bücher statt Heilkunde und Gesundheit: Im Frankenberger Bahnhof soll statt des ursprünglich geplanten Gesundheitszentrums ein Kulturzentrum entstehen – mit Stadtbücherei und Musikschule als Protagonisten. Die Weichen sind gestellt: Magistrat und Fraktionen haben ihren Segen bereits gegeben, schon in den nächsten Tagen soll der Bauantrag für die neue Nutzung eingereicht werden. Start der Bauarbeiten soll im Frühjahr 2021 sein, die Fertigstellung Mitte/Ende 2022. Für die Kosten von vier Millionen Euro erwartet die Stadt Zuschüsse über 2,8 Millionen Euro.

„Das Bahnhofsgebäude muss wieder in Betrieb genommen werden, neben Rathaus und Kirche gehört er zu den identitätsstiftenden Gebäuden unserer Stadt“, erklärt Bürgermeister Rüdiger Heß. Er bedauert aber auch, dass sein ursprüngliches Ziel, im Bahnhof ein Gesundheitszentrum und eine multiprofessionelle medizinische Versorgung für Frankenberg zu etablieren, nicht realisiert werden konnte. „Ein Gesundheitszentrum war unser erstes Ziel, dafür haben wir viele Gespräche geführt. Aber wir haben erkennen müssen, dass wir die Ärzte nicht in den Bahnhof bekommen. Deshalb war ein Umdenken erforderlich“, stellte Heß fest.

Ein komplettes Aus für ein Ärztehaus in Frankenberg will der Bürgermeister aber noch nicht sehen: „Sollte doch noch ein Gesundheitszentrum gewünscht sein, müsste das an einer anderen Stelle in Frankenberg gebaut werden.“ Gebäude und Flächen dafür gebe es genug. „Jetzt werden wir aber der Bücherei mehr Raum geben und die Musikschule an einem einzigen Standort etablieren.

„Wir finden den Einzug in den Bahnhof genial und sind total glücklich“, sagt Musikschul-Leiterin Eva-Maria Scholze. „Es wurde aber auch allerhöchste Zeit, dass die Musikschule an einem Ort etabliert werden kann.“

Auch Jan Kanitz, der Leiter der Stadtbücherei, zeigte sich „extrem glücklich, dass wir in den alten Bahnhof einziehen dürfen. Dort können wir viele Synergieeffekte schaffen, beispielsweise Lesungen auf dem Bahnhofsvorplatz.“

Bürgermeister Heß nannte weitere Details der Bahnhofsplanungen: Die Schalterhalle soll in ihrer historischen Form als „multifunktionaler Raum“ mit Lesecafé und Raum für kleine Konzerte erhalten bleiben, die Stadtbücherei soll im Erdgeschoss und im ersten Geschoss eine Gesamtfläche von etwa 510 Quadratmetern erhalten, die Musikschule im Obergeschoss rund 300 Quadratmeter. „Damit bekommt die Musikschule endlich ein eigenes Zuhause“, sagt Heß.

Im rechten Flügel des Erdgeschosses soll ein 145 Quadratmeter großes Café mit Außenbewirtschaftung eingerichtet werden, ein Betreiber werde noch gesucht. „Damit bekommen wir für die Frankenberger und die Reisenden dort wieder einen gastronomischen Betrieb hin.“ Der Zugang zu allen Räumlichkeiten sei barrierefrei, stellte Heß heraus, in die oberen Geschosse könnten die Besucher über einen Treppenaufgang oder einen Aufzug kommen. Die Toiletten seien von der Schalterhalle aus erreichbar. Ein Bahnschalter soll bestehen bleiben.

„Damit gewinnt der Bahnhof wieder an Leben. Er soll wieder ein Ort der Begegnung, des Abfahrens und des Ankommens werden“, sagte der Bürgermeister.

Der Frankenberger Bahnhof

Mit dem Bau des Bahnhofsgebäudes in Frankenberg wurde 1889 begonnen, die Bahnlinie Marburg-Frankenberg wurde am 30. Juni 1890 eröffnet. Der Lokschuppen kam 1898 hinzu, 1899 wurde mit dem Bau der Bahnstrecke Frankenberg-Korbach begonnen. Im März 1945 war das Bahnhofsgelände das Ziel von Luftangriffen, 95 Menschen starben. 1966 ging der Bahnhofsvorplatz unentgeltlich in das Eigentum der Stadt über, dort entstand der Busbahnhof. 1974 arbeiteten am Bahnhof 50 Menschen, 48 Züge verkehrten täglich. Die Strecke Frankenberg-Korbach wurde zum 1. Januar 1993 stillgelegt, sie wurde im September 2015 reaktiviert. Am 29. Juni 2005 brannte der Lokschuppen, bis dahin ein Ort für Kulturveranstaltungen. 2013/2014 kaufte die Stadt mit Hilfe der Frankenberger Bank das Bahnhofsgebäude von einem Unternehmen mit Sitz in Luxemburg, bis September 2015 wurde das gesamte Bahnhofsumfeld saniert und umgestaltet. mjx

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