Umgang mit unkonventionellen Baustoffen im Video

Bauen mit Stroh: Azubi-Projekt an Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg

Frankenberg. Mit riesigen Hämmern aus Holz schlagen junge Männer und Frauen immer wieder zu – doch zu hören ist dabei wenig, denn sie schlagen auf Stroh.

Lehrlinge verschiedener Baugewerke lernen in einer „Bauökologische Woche“ den Umgang mit unkonventionellen Baustoffen kennen. Dabei steht für zwei Tage das Bauen mit Stroh auf dem Programm.

Um die 40 Teilnehmer nehmen an dem Projekt teil, dass von der Hans-Viessmann-Schule in Zusammenarbeit mit dem Lehrbauhof Frankenberg und in fachlicher Kooperation mit dem Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen in Verden veranstaltet wird. Nach einer theoretischen Einführung zu den Eigenschaften des Strohbaus, Nachhaltigkeit und Zulassung des Materials lernen die Auszubildenden den Einbau von Baustroh in eine stehende Wandkonstruktion oder die Vorfertigung an liegenden Wänden.

Für Passivhaus geeignet

„Stroh ist für die Sanierung außen an einem Gebäuden geeignet, oder ein Haus wird direkt als spezielles Strohhaus geplant“, erklärt Stefan Kiessling. Der Fachlehrer für Holztechnik an der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg hat die zweitägige Veranstaltung organisiert. Um die Luft- und Winddichtheit für ein Passivhaus zu gewährleisten, steht das fachgerechte Arbeiten beim Legen von Anschlüssen und dem Einbau von Fenstern mit auf dem Programm.

Komprimiert Stroh: Zimmererlehrling Max Müller (19) spannt auf der Rückseite der Übungswand den Kettenzug, mit dessen Hilfe das Stroh zusammen gedrückt wird.

Die Lehrlinge fügen Strohballen in eine Holzrahmenkonstruktion ein und verpressen sie mit einem Spanngurtsystem. Das Verdichten ist wichtig für die Wärmedämmung und den Brandschutz. „Viele Menschen befürchten bei Stroh als Baumaterial, dass sich Mäuse einnisten“, sagt Michael Burchert vom norddeutschen Zentrum für nachhaltiges Bauen. „Aber das Stroh ist so hochkomprimiert, dass die Maus keine Chance hat, einen Lebensraum zu bauen, weil das Stroh nachquillt.“

„Ist der Einbau fachgerecht und lückenlos durchgeführt, sodass es winddicht ist, haben weder Feuchtigkeit, Feuer noch Tierbefall eine Chance“, bestätigt Dorothee Mix vom Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen die Qualität des Baumaterials.

Eine Wand ist erst fertig, wenn sie mit Lehm oder Kalk verputzt wurde. „So eine Wand aus Stroh hält 150 Jahre und länger“, bekräftigt Kiessling.

Bauen mit Stroh ist eigentlich nicht Bestandteil des Lehrplanes für die Ausbildung der Handwerker. Mix erklärt, warum es aber wichtig ist, eine Bandbreite an Arbeitsmaterialen zu haben: „Die jungen Leuten sollen selbst entscheiden, womit sie arbeiten wollen, und sich Gedanken über die Qualität machen: Ist ein Material gesundheitschädigend beim Einbau oder für die Menschen, die dort leben?“

Rubriklistenbild: © Paul

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