Amtsgericht hatte Polizisten zu Bewährungsstrafe verurteilt

Berufungsverhandlung: Kollege bestreitet Schlagstock-Einsatz

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Ortstermin im März 2015: In diesem Bereich in Röddenau soll sich der Vorfall im Oktober 2012 ereignet haben.

Frankenberg. In der Berufungsverhandlung gegen einen Polizisten, der einen 16-Jährigen mit einem Teleskopschlagstock verletzt haben soll, hat sein Kollege den Einsatz dieser Waffe bestritten.

Eine interne Polizeiermittlerin äußerte dagegen den Verdacht, dass auf der Frankenberger Polizeistation Berichte zugunsten des Angeklagten verändert wurden.

Der 35-jährige Angeklagte kämpft, wie berichtet, vor dem Marburger Landgericht um seine Zukunft. Das Amtsgericht Frankenberg hatte ihn zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt, weil er laut Richterspruch, nachdem eine Gruppe Jugendlicher am Ortsrand von Röddenau randaliert hatte, in dem Ort den Jugendlichen mit dem Griff des Schlagstocks geschlagen habe, obwohl dieser bereits wehrlos am Boden gelegen habe.

Das sagt die Beamtin:

Die Beamtin hatte zwei Tage nach dem Vorfall am 23. Oktober 2012 die Anzeige der Mutter des mutmaßlichen Opfers aufgenommen und anschließend ermittelt. Wie die Zeugin bestätigte, habe der Junge ihr gegenüber von dem Einsatz eines Knüppels berichtet. Am ersten Tag vor dem Landgericht wollte er sich nur noch an Schläge im Allgemeinen erinnern.

Um sich auf die Zeugenvernehmung vorzubereiten, so die Polizistin, habe sie Stunden zuvor den Einsatzbericht in Frankenberg angefordert. In ähnlichen Fällen erhalte sie die Papiere sofort, hier habe es ungewöhnlicher Weise etwa 1,5 Stunden gedauert.

Später sei festgestellt worden, dass der Kollege des Angeklagten den Bericht noch an diesem Tag überarbeitet habe, obwohl er dafür extra aus der Freizeit kommen musste. Üblicherweise schreibe aber bei Widerstandshandlungen, die der angeklagte Polizist als Grund für einen Schlag mit dem Handballen angibt, der betroffene Beamte den Bericht selbst.

Die im Bericht vorgenommenen Veränderungen seien aber nicht wesentlich. Es gebe nur Indizien, dass in Frankenberg zugunsten des 35-Jährigen gearbeitet worden sei. „Es sind jedoch Merkwürdigkeiten, ich hatte ein ungutes Gefühl“, sagte die Beamtin. Die Verteidigung warf der Frau vor, in ihrem Schlussbericht ungerechtfertigter Weise zu hart mit der Arbeit der Frankenberger Kollegen ins Gericht gegangen zu sein.

Das sagt der Polizeikollege:

Nachträgliche Veränderungen an Berichten seien völlig normal, bevor diese das Haus verließen. Es gehe dabei lediglich um die Qualität, sagte der als Zeuge geladene 46-jährige Polizist, der am Einsatz beteiligt war. Er betonte aber auch, es sei nicht sein Anliegen, den Kollegen „rauszuhauen“

Zum Vorfall am Tattag sagte der Beamte: Obwohl der 16-Jährige seine Personalien bereits angegeben hatte, habe er sich seiner Durchsuchung und der Gewahrsamnahme durch Flucht entziehen wollen. Der junge Mann habe sich den Angaben beider Polizisten gemäß aktiv widersetzt und, selbst als er am Boden lag, den Angeklagten noch getreten.

Ein Polizeibeamter dürfe bei solchem Vorgehen „ein wirksames Mittel einsetzen“, sagte der Zeuge. Ein Schlagstock sei sicher nicht zum Einsatz gekommen. Im Gegensatz zum Angeklagten sprach der 46-Jährige aber von einem Faustschlag.

Das Verfahren wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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