Gulaschsuppe für die Evakutierten

Bombe in Frankenberg entschärft: So erlebten Anwohner den Abend

Wegen eines explosiven Funds auf einer Baustelle müssen Anwohner im Münchner Osten ihre Häuser räumen.
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Symbolbild: Wegen eines explosiven Funds auf einer Baustelle wurde der Bereich abgesperrt.

In Frankenberg ist am Dienstagabend eine Weltkriegsbombe entschärft worden. Am Tag danach haben uns Anwohner berichtet, wie sie den Einsatz erlebt haben.

Frankenberg - Die 81-jährige Christina Renninger wohnt in Frankenberg ganz nah an der Baustelle an der Marburger Straße – da, wo am Dienstagnachmittag (26.10.2021) die Fliegerbombe gefunden wurde. Gegen 16 Uhr klingelten Feuerwehrleute an ihrer Haustür und informierten sie, dass alle Bewohner im Umkreis von 300 Metern ihre Häuser verlassen müssen.

„Ich war sehr gelassen“, beschreibt die 81-Jährige am Mittwochmorgen ihre Reaktion. „Sie sagten ja, dass es eine relativ kleine Bombe sei.“ Bei großen Bomben-Entschärfungen in Kassel oder Frankfurt sei auch nichts passiert.

„Ich habe die Rollläden runtergelassen, meinen Vogel in die Mitte des Raums gestellt, den Käfig zugedeckt, meinen Hund geschnappt und bin los“, schildert sie. Zufällig war sie für diesen Abend bei Freunden zum Essen eingeladen, die sie abholten. „Dort habe ich einen schönen Abend verbracht.“

Nachdem gegen 21.30 Uhr die Nachricht kam, dass die Entschärfung abgeschlossen war, fuhr sie mit Nachbarn zurück in ihr Haus. Die Nachbarn waren ebenfalls bei Freunden in Frankenberg untergekommen. Es sei alles sehr gut gelaufen, bilanziert die 81-Jährige. Nicht schön gewesen sei allerdings, dass viele Schaulustige zu Fuß oder mit Autos so nah wie möglich an den Fundort der Bombe gelangen wollten.

DRK Frankenberg versorgte die Evakuierten

In vollem Einsatz war der Bereitschaftsdienst des DRK-Kreisverbandes Frankenberg. „Wir bekamen gegen 16 Uhr die Order, eine unbekannte Zahl von Menschen während der Evakuierung unterzubringen“, schildert Bereitschaftsleiter Jens Köster am Mittwochmorgen unserer Zeitung. Seinen Angaben nach hatte die Feuerwehr auf einem Luftbild 25 Häuser dem zu evakuierenden Bereich zugeordnet. Feuerwehrleute informierten die Bewohner.

Insgesamt 24 Menschen nahmen das Angebot an, beim DRK in der Auestraße unterzukommen. Die anderen sorgten, wie Christina Renninger, selbst für einen vorübergehenden Aufenthaltsort. „Es waren mehr Menschen zu betreuen, als wir dachten“, sagt Jens Köster. 20 Freiwillige des Bereitschaftszugs richteten einen Raum für die Evakuierten her, stellten Stühle und Tische so, dass Familien zusammensitzen konnten.

Die meisten kamen selbstständig zum DRK. Sechs Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder nicht mobil sind, wurden vom DRK transportiert. Bereitschaftführer Köster dankt dem Kreiskrankenhaus. Es hatte einen bettlägerigen Mann vorübergehend aufgenommen. Das DRK hatte ihn in die Klinik gefahren und nach der Bombenentschärfung am Abend wieder abgeholt.

Die Ehrenamtlichen vom DRK versorgten die Menschen in der Auestraße mit Gulaschsuppe und Getränken. Und um die Wartezeit zu verkürzen, wurde ein Fußballspiel auf Großleindwand übertragen. „Es ist alles gut gelaufen. Die Leute waren ziemlich entspannt – und am Ende sehr dankbar“, schildert Köster. Einsätze, bei denen das DRK Menschen vorübergehend unterbringe, gebe es gelegentlich auch bei Bränden. Dann seien es aber meist nur einige wenige Nachbarn.

Burgwaldschule in Frankenberg: Elternabende abgebrochen

In einem weiteren Radius von 1000 Metern zum Fundort der Bombe mussten die Menschen am Dienstagabend in ihren Häusern bleiben. In diesem Radius liegt auch die Burgwaldschule. Dort fand am Dienstagabend zwar kein Unterricht mehr statt, aber zwei Elternabende. Schulleiter Marcel Himmelmann berichtete am Mittwoch (27.10.2021) auf HNA-Nachfrage, dass die Lehrer und Eltern gegen 19.30 Uhr von der Polizei informiert wurden: Sie konnten entweder in der Schule bleiben, bis die Bombe irgendwann entschärft war, oder sofort die Schule verlassen und nach Hause fahren. Die Elternabende wurden daraufhin vorzeitig beendet; sie sollen nachgeholt werden.

Laut Polizeisprecher Dirk Richter haben die Evakuierung der Umgebung und die Entschärfung der Bombe „problemlos geklappt“. Umliegende Polizeistationen und mehrere Feuerwehren seien zur Unterstützung in Frankenberg gewesen. Und ein Polizeihubschrauber sei über dem Fundgebiet geflogen, um zu kontrollieren, dass sich dort während der Entschärfung keine Personen aufhalten.

Stadt Frankenberg: „Zusammenarbeit der Behörden hat funktioniert“

Auch aus Sicht der Frankenberger Stadtverwaltung sei die Entschärfung der Bombe am Dienstagabend „glücklicherweise planmäßig verlaufen“, sagte Pressesprecher Florian Held am Mittwoch auf HNA-Nachfrage. „Für die meisten Beteiligten waren die Evakuierung und die Entschärfung der Bombe keine Routinesituation“, lautete seine Bilanz. „Die Zusammenarbeit der Behörden hat sehr gut funktioniert.“

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Auch die betroffenen Anwohner im Umfeld des Fundortes seien „überwiegend kooperativ“ gewesen, berichtete Held. „Die Evakuierung war entsprechend erfolgreich.“ Der Dank von städtischer Seite gehe an Polizei, Feuerwehr, DRK und THW, den Brandschutzaufsichtsdienst und natürlich an den Kampfmittelräumdienst sowie alle Anwohner. (Martina Biedenbach und Jörg Paulus)

Auch in Göttingen musste vor kurzem eine Fliegerbombe entschärft werden. Zuvor musste ebenfalls eine Großzahl an Menschen evakuiert werden.

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