Experten rekonstruieren beschädigtes Geld 

44.000 Euro im Kamin verbrannt: Bundesbank kann vielleicht helfen

Frankenberg. Eine Frau hat in Frankenberg unwissend die von ihrem Mann im Kamin versteckten 44.000 Euro Bargeld verbrannt (wir berichteten). In der Regel wird Geld in solchen Fällen nicht ersetzt. Es gibt dennoch eine Chance, es ersetzt zu bekommen.

Darauf hat uns HNA-Leser Walter Reinhardt aufmerksam gemacht: Die Bundesbank hat Experten, die beschädigtes Geld rekonstruieren. Wir erklären, wie das funktioniert.

Wer sind die Experten bei der Bundesbank?

Die Bundesbank hat in Mainz ein „Nationales Analysezentrum für beschädigtes Bargeld“, an dem 15 Mitarbeiter beschäftigt sind. Mit Mikroskop, Pinzette und geschultem Auge rekonstruieren sie jedes Jahr in etwa 30.000 Fällen beschädigtes Bargeld - Scheine und Münzen in Euro und auch noch in D-Mark. Mehr als 30 Millionen Euro jedes Jahr. Die Bundesbank leistet für beschädigte Banknoten Ersatz, wenn entweder mehr als die Hälfte des Geldscheins vorgelegt wird oder nachgewiesen wird, dass die fehlenden Teile unabsichtlich vernichtet wurden.

„Man muss noch erkennen, dass es sich um Geldscheine gehandelt hat. Wenn wir nur Asche haben, hilft uns das nicht weiter“, sagt Bernd Simon, Stellvertretender Gruppenleiter im Analysezentrum. Der Zahlenwert sollte zu erkennen sein, und es wird geprüft, ob es sich überhaupt um echtes Geld handelt. Denn das Analysezentrum hat auch mit Falschgeld zu tun, das Betrüger einreichen, um dafür echtes Geld ausgezahlt oder aufs Konto gutgeschrieben zu bekommen.

Um welche Fälle von beschädigtem Bargeld kümmert sich das Analysezentrum?

„Jeder Antrag ist spannend“, sagt Bernd Simon. Geld könne nicht nur durch ein Feuer beschädigt sein, sondern auch durch Wasser, Schimmel, Nagetiere, einen Flugzeugabsturz oder Autounfall oder die Sprengung eines Tresors. „Hinter jedem Fall steckt ein Schicksal“, sagt Simon. So wie im Fall der 44.000 Euro aus Frankenberg: Mit dem Geld wollte der 67-jährige Rentner eigentlich seine Frau überraschen und ihr ein Segelboot auf dem Edersee kaufen.

Gibt es Besonderheiten bei den eingereichten Fällen?

„Nach Weihnachten haben wir immer unwahrscheinlich viele verbrannte Scheine. Nach einem Hochwasser in Ostdeutschland hatten wir mal zentnerweise patschnasses Geld, weil auch die Keller von Banken überflutet waren“, erzählt Bernd Simon. Und er erinnert sich an einen Fall, als Geldscheine jahrelang neben einem Toten lagen. „Das Geld war schon verseucht, das konnten wir nur mit Atemschutz bearbeiten.“

Was kann ich tun, wenn ich selbst beschädigtes Bargeld habe?

Auf ihrer Internetseite erklärt die Bundesbank genau, was zu tun ist:

• Verpacken Sie alles, auch kleinste Reste so, dass weitere Beschädigungen vermieden werden. „Es ist ganz wichtig, alles sorgsam zusammenzukratzen“, sagt Bernd Simon über verbrannte Geldscheine wie im Fall der 44.000 Euro aus Frankenberg. „Dann hat man eventuell die Chance, das Geld ersetzt zu bekommen.“

• Fragen Sie Ihre Bank oder Sparkasse, ob sie das Geld an eine Filiale der Bundesbank weiterleitet, oder geben Sie es selbst in einer Bundesbank-Filiale ab - die nächste ist in Frankfurt. „Das ist besser, als es per Post zu schicken. Auf dem Postweg geht viel kaputt. Das macht es uns schwerer, das Geld zu rekonstruieren“, sagt Simon.

• Reichen Sie mit dem Geld den Erstattungsantrag ein; er ist ebenfalls auf der Homepage der Bundesbank zu finden. Darauf müssen auch Angaben zur Ursache der Beschädigung und zum Verbleib fehlender Teile gemacht werden. 

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Rubriklistenbild: © dpa

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