Christiane Kohl

„Das Zeugenhaus“: ZDF verfilmte Buch von Frankenbergerin

Filmszene: Gräfin Belavar (Iris Berben) mit Herrn Gärtner (Edgar Selge). Im Hintergrund rechts ist Henriette von Schirach (Rosalie Thomass) zu sehen. Foto: dpa

Frankenberg. Das Buch „Das Zeugenhaus“ handelt von einer Villa, in der Täter und Opfer des Nazi-Regimes während der Nürnberger Prozesse gemeinsam untergebracht wurden. Geschrieben hat es die Frankenbergerin Christiane Kohl.

Und zwar nachdem sie 1980 von einem Hausfreund ihrer Mutter ein Gästebuch bekam, das aus dem echten Zeugenhaus stammte. Sie recherchierte und veröffentlichte das Werk. Mittlerweile ist aus dem Stoff ein Film entstanden, der am Montag, 24. November, um 20.15 Uhr im ZDF gezeigt wird.

Frau Kohl, in ihrem Buch werden die Geschehnisse in einer Villa beschrieben, in der Täter und Opfer des Nazi-Regimes während der Nürnberger Prozesse gemeinsam untergebracht wurden. Haben Sie damit gerechnet, dass das Buch vom ZDF verfilmt wird? 

Kohl: Man zeichnet Bilder in den Köpfen der Leser. Das sind dann oftmals Bilder, die auch Filmemacher interessieren. Beim Schreiben habe ich nicht direkt daran gedacht, dass das Buch einmal verfilmt wird. Aber ich habe es mir erhofft. Mein erstes Werk, der Jude und das Mädchen, wurde auch verfilmt. Daher kannte ich diesen Prozess und wusste auch, dass es eine lange Reise werden kann, bis aus einem Buch ein Film wird.

Was meinen Sie damit? 

Ihr Buch diente als Vorlage für den ZDF-Film „Das Zeugenhaus“: Christiane Kohl veröffentlichte das Werk vor neun Jahren. Foto: Daum

Kohl: Man muss durch viele Stromschnellen. Es ist sieben Jahre her, als Oliver Berben, der Sohn der Zeugenhaus-Hauptdarstellerin Iris Berben, die Rechte für die Verfilmung des Buches gekauft hat. Es gab erst ein Drehbuch, das überhaupt nicht gepasst hat - das fand Herr Berben so und ich auch. Es wurde daraufhin mit Magnus Vattrodt ein neuer Drehbuchautor engagiert, der sich vor zwei Jahren mit mir getroffen und in den darauffolgenden Monaten ein wunderbares Drehbuch geschrieben hat.

Was hat Ihnen am ersten Drehbuch nicht gefallen? 

Kohl: Das Thema des Zeugenhauses ist ein schwer zu verfilmender Stoff. In einem Haus, in dem ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, hat man einfach eine schwierige Dramaturgie. Das habe ich schon beim Schreiben des Buches gemerkt. Ich musste eine Dramaturgie schaffen, die sich flüssig und gut liest. Das ist beim Film aber noch viel schwieriger. Es konnten dort auch nicht annähernd alle Figuren untergebracht werden, die ich im Buch beschreibe. Hinzu kam: Das Wissen über die historischen Zusammenhänge war entscheidend für eine gute Zeugenhaus-Verfilmung. Und dieses umfangreiche Wissen hatte erst der zweite Drehbuchautor.

Was musste bei der Verfilmung Ihres Buches auf jeden Fall bedacht werden? 

Kohl: Dass die Zuschauer in dem Film die historische Wahrheit über die Geschehnisse im Zeugenhaus, in dem im Zuge der Nürnberger Prozesse Täter und Opfer des Nazi-Regimes zusammenkommen, erfahren. Ich habe den Film schon komplett gesehen. Er enthält viele fiktive Elemente, doch er schafft es bravourös, den historischen Sinn-Zusammenhang zu transportieren.

Wo wurde gedreht?

Kohl: Hauptsächlich in Berlin. Dort wurde als Drehort eine Villa gefunden, die in Halensee im Stadtteil Charlottenburg-Wilmersdorf liegt. Das Kuriose daran war, dass die Eigentümerin des Hauses mit einem Mann liiert ist, der in Frankenberg zur Schule gegangen ist. Als ich mich mit den beiden in Berlin getroffen habe, holte der Mann sein altes Schul-Fotoalbum heraus und ich erkannte mich plötzlich auf einem Foto wieder, das vor vielen Jahren während der Schulzeit bei einer Tanzstunde gemacht wurde.

In Studiokulissen wurde also nicht gedreht? 

Kohl: Nein. Man musste schon eine echte Villa nehmen, um Authentizität zu schaffen. Was viele aber nicht wissen ist, dass die Villa, die man von innen sieht, gar nicht diejenige ist, die einem in den Filmsequenzen von außen gezeigt wird. Die Villa, in der gedreht wurde, ist viel größer. Schließlich musste auch das Equipment des Filmsets untergebracht werden. Außerdem kam sie dem Original sehr, sehr nahe. Wo die Villa steht, die in dem Film als Außenansicht diente, weiß ich gar nicht (lacht).

Von Philipp Daum 

Was Christiane Kohl über die Zeugenhaus-Hauptdarstellerin Iris Berben sagt, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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