Start am 15. Mai

Corona: Fitnessstudios im Frankenberger Land bereiten sich auf Neustart vor

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Noch sind alle Geräte leer: Thomas Zimmerma nn und Ehefrau Tanja Rössler bereiten die Wiedereröffnung der Fitnessstudios vor, hier im Get Fit in Allendorf/Eder.

Frankenberg – Acht Wochen lang hatten sie wegen der Coronakrise geschlossen, am Freitag dürfen Fitnessstudios in Hessen wieder ihre Pforten öffnen – natürlich unter Auflagen.

Die Studiobetreiber bereiten nun alles vor, damit ihre Mitglieder mit gebotener Distanz trainieren können.

Das Land Hessen schreibt vor: kein Kontaktsport, dafür aber ein Mindestabstand von 1,5 Metern, regelmäßige Desinfektion und allgemeine Hygiene. Umkleiden, Duschen und Gemeinschaftsräume – mit Ausnahme der Toiletten – bleiben geschlossen. Warteschlangen sollen vermieden und Risikogruppen nicht besonders gefährdet werden.

Diese Vorgaben lassen noch Raum für Interpretationen. „Wir orientieren uns an die Vorgaben in Nordrhein-Westfallen. Da haben die Studios ja seit Montag geöffnet“, sagt Knut Wienbeck, Geschäftsführer des Charisma in Frankenberg.

Er setzt, wie auch Thomas Zimmermann in seinen Studios Get Fit in Allendorf/Eder und Corpus Pro in Frankenberg, auf ein Anmeldungssystem, damit nur eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern gleichzeitig trainiert. Die Anmeldung erfolgt online oder per App. Die Kunden tragen sich für einen bestimmten Trainingszeitraum oder Kurs ein.

Das Charisma vergibt die Trainingsstarts im 15-Minutentakt, so dass sich auch im Eingangsbereich möglichst wenig Menschen begegnen, und es hat im Kellergeschoss einen weiteren Trainingsraum eingerichtet. Für die Reha- und andere Kurse sind im Kursraum Felder abgeklebt, damit ausreichend Platz zum Nachbarn bleibt. „13 Teilnehmer sind so pro Kurs möglich, wenn es bei der Abstandsregelung von 1,50 Meter bleibt“, sagt Knut Wienbeck. Nach dem Kurs können die Kunden über die Nottreppe nach draußen gelangen.

Mit Tüchern abgehängt: Im Charisma in Frankenberg darf nur jedes zweite Fahrrad genutzt werden. So will Geschäftsführer Knut Wienbeck für Abstand sorgen, hier mit den Auszubildenden Kimberly Nau und Mayleen Lampe (rechts). 

Die Mitarbeiter werden Masken oder ein Schild vorm Gesicht tragen. Die Kunden müssen während des Trainings aber keinen Mundschutz anhaben.

„Szenen, wie die vom Massenandrang in einem Studio einer Fitnesskette in Köln wird es bei uns nicht geben“, sagt Thomas Zimmermann. Er orientiert sich bei der Vorbereitung an einem 32-Seiten-Konzept, das unter anderen die TU München erstellt hat, und schult dazu seine Mitarbeiter. Kurse und hochintensives Ausdauertraining mit hoher Atemfrequenz wird es in seinen Studios zunächst noch nicht wieder geben, sagt er. Sicherheit gehe vor.

Bei derSportscheune in Löhlbach müssen sich die Mitglieder nicht fürs Training anmelden. Das liegt an der Fläche. „Wir haben 500 Quadratmeter, da dürften wohl bis zu 50 Kunden gleichzeitig trainieren. Das ist aber nie der Fall“, sagtBetreiberin Nadine Holzapfel.

Sie hat, wie auch ihre Kollegen in Allendorf und Frankenberg, einen Hygieneplan erstellt: Geräte und Boden werden regelmäßig desinfiziert. Desinfektionsmittel zur Nutzung von den Trainierenden werden an vielen Stellen bereitgestellt. Die Verantwortlichen setzen auch auf die Selbstverantwortung der Mitglieder.

Wie die Wiederöffnung im Trainingsraum in Schreufa, der normalerweise rund um die Uhr geöffnet hat, aussehen soll, dazu machte Betreiber Bernd Schulze auf HNA-Anfrage gestern keine Angaben.

"Training wichtig fürs Immunsystem"

Nicht begeistert von Wiedereröffnungen der Fitnessstudios ist der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er hat dabei insbesondere einen Vorfall in Kölner Studio im Blick, wo sich am Montag um 0.01 Uhr zur Wiedereröffnung zirka 100 Besucher drängten, um eine ausgeschriebene Reise zu gewinnen. „Man kann ohne Verlust an Lebensqualität und auch an Trainingseffekt im Freien oder auch zu Hause trainieren“, sagte Lauterbach gegenüber der dpa. 

Dem widerspricht Thomas Zimmermann, Geschäftsführer der Corpus-Pro-Betriebs-GmbH, zu der das Get Fit in Allendorf/Eder und Corpus Pro in Frankenberg gehören, energisch. „Ich verstehe nicht, dass Politik und Medien die Fitnessstudios bisher so wenig im Blick haben. Alle reden von der Gastronomie, kaum einer von uns. Dabei sind auch Fitnessstudios systemrelevant“, kritisiert er. Gesunde Ernährung und regelmäßiges, gezieltes körperliches Training seien wichtiger vorbeugender Gesundheitsschutz. Sie stärkten das Immunsystem und beugten oder milderten Rücken- oder Gelenkschmerzen.

 „Was ist die Folge, wenn das wegfällt? Der Gang zur Apotheke, um Schmerztabletten zu kaufen“, sagt Zimmermann. „Ich habe viele ältere Kunden, 60, 70 und auch über 80 Jahre alt, die regelmäßig trainieren. Viele warten darauf, endlich wieder starten zu können.“ 

Auch Knut Wienbeck vom Charisma in Frankenberg weist auf die Bedeutung von regelmäßigem Training für den Erhalt der Muskeln und eines starken Immunsystems hin. „Die Zeit, als Fitnessstudios reine Muckibuden waren, ist längst vorbei“, sagt er.

Mitglieder halten Studios die Treue

Die meisten Mitglieder halten ihren Studios die Stange. Sie zahlten weiter Beiträge, auch wenn sie in den vergangenen acht Wochen dort nicht trainieren konnten. Das sagen die von der HNA befragten Studios in Allendorf/Eder, Frankenberg und Löhlbach. 

Laut ihrer Schilderung nehme das Gros der Kunden die angebotenen Ersatzlösungen an – etwa die Verlängerung der Vertragslaufzeit um die verlorene Zeit oder Gutscheine für die Inanspruchnahme anderer Leistungen. 

Charisma, Get Fit und Corpus Pro hatten ihren Mitglieder den Zugang zu Online-Übungen auf Trainingsportalen verschafft. Nadine Holzapfel von der Sportscheune Löhlbach hat sogar selbst Videos erstellt und auf ihre Homepage gestellt. Viele Mitarbeiter der Studios waren in Kurzarbeit. Die Betreiber haben Soforthilfe erhalten, um die laufenden Kosten zu decken. 

Doch so geduldig die Mitglieder bisher auch waren, jetzt sei es höchste Zeit, dass es wieder losgehe, sagt sowohl Knut Wienbeck vom Charisma, als auch Thomas Zimmermann von Get Fit und Corpus Pro. 

Wie sich die Schließung auswirke, das werde sich erst in einigen Monaten zeigen. Es hänge auch davon, ob es gelinge, die Ausbreitung des Coronavirus im Griff zu haben und wann ein Impfstoff zugelassen werde. Was fehle, sei der Wegfall von neuen Mitgliedern in den vergangenen Wochen. Allerdings sehen Zimmermann und Wienbeck auch Chancen für ihre Studios. Immer mehr Menschen werde klar, dass sie, gerade im Alter, etwas aktiv für ihre Gesundheit und ihr Immunsystem tun müssten. Das könnte zu neuen Anmeldungen führen.

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