Covid-19

Corona: Frankenberger erkrankt im Dezember ‒ Nach künstlichem Koma dauert Genesung an

Da wussten sie noch nicht, was auf sie zukommen sollte: Monika Schneider-Heinzmann und Dieter Schneider an ihrem 57. Hochzeitstag am 31. Mai 2020 in ihrem Garten in Frankenberg.
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Da wussten sie noch nicht, was auf sie zukommen sollte: Monika Schneider-Heinzmann und Dieter Schneider an ihrem 57. Hochzeitstag am 31. Mai 2020 in ihrem Garten in Frankenberg.

Mehr als 500 Menschen haben sich in Frankenberg inzwischen mit Covid-19 infiziert. Einer davon ist Dieter Schneider (79). Sein Genesungsweg dauert seit Monaten an.

Frankenberg ‒ Anfang Dezember 2020 erkrankte der Frankenberger Dieter Schneider (79) lebensgefährlich an Corona, er lag mehr als fünf Wochen im künstlichen Koma, wurde bis zum 21. Februar 2021 beatmet.

„Ohne die übermenschliche Anstrengung und Fürsorge der Ärzte und Pflegekräfte im Kreiskrankenhaus Frankenberg würde mein Mann nicht mehr leben“, sagt seine Frau Monika Schneider-Heinzmann. Sie blickt auf fast drei Monate ständiger Angst und Sorge zurück. „Das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht“, sagt die sichtbar mitgenommene Ehefrau, die kürzlich 80 Jahre alt geworden ist.

Frankenberg: Mann aus Frankenberg kämpft wegen Corona monatelang ums Überleben

Am 1. Dezember 2020, ihr Mann war noch nicht lange nach einer Rückenoperation wieder zuhause, bekam er Erkältungssymptome und Fieber. Der Hausarzt überwies ihn mit Verdacht auf Corona ins Kreiskrankenhaus. Der erste Schnelltest war positiv, der zweite negativ. Das Ergebnis des PCR-Tests bestätigte dann am nächsten Tag, dass Dieter Schneider sich mit dem Coronavirus infiziert hatte – wahrscheinlich im persönlichen Umfeld, wie seine Frau schildert. Auch sie wurde getestet und kam in Quarantäne, war aber negativ.

Ihrem Mann ging es immer schlechter. Am 5. Dezember 2020, dem Tag seines 79. Geburtstags, atmete er schon sehr schwer, als er telefonisch Glückwünsche entgegennahm. Am 6. Dezember 2020 teilte er seiner Frau mit: „Ich muss auf die Intensivstation. Ich bekomme keine Luft.“ Er wurde zunächst mit Maske beatmet.

Frankenberger erkrankt an Corona: „Schatz, lass alles machen, was dir hilft!“

Als die Ärzte ihm mitteilten, dass sein Zustand so schlecht sei, dass er ins künstliche Koma versetzt werden müsse, lehnte er dies zunächst ab, sagte aber, er wolle es sich noch einmal überlegen. „Zum Glück“, sagt seine Frau. Als sie mit ihm im Beisein der Ärzte telefonierte, forderte sie ihn auf: „Schatz, lass alles machen, was dir hilft! Du musst doch wieder gesund werden.“ Da brachte er noch ein schwaches Ja heraus, das auch die Ärzte hörten. Dann war er zu schwach, um noch zu sprechen.

Damit die Ehefrau die weiteren Entscheidungen treffen konnte, fehlte ihr die entsprechende Vorsorgevollmacht. „Wir haben zwar eine Patientenverfügung. Da steht drin, dass wir nicht reanimiert werden wollen. Aber keine Vorsorgevollmacht“, sagt Monika Schneider-Heinzmann. Glücklicherweise war sie bis vor kurzem als Betreuerin tätig und beim Amtsgericht in Frankenberg bekannt. Sie bekam innerhalb von zwei Stunden die Betreuungsvollmacht für ihren Mann.

Corona in Frankenberg: Dieter Schneider muss ins künstliche Koma versetzt werden

Am 9. Dezember 2020 wurde er ins künstliche Koma versetzt. „Ihm ging es sehr schlecht. Die Sauerstoffsättigung lag nur noch bei 80 Prozent. Er hatte ganz schlechte Nierenwerte. Wir fürchteten um sein Leben.“

Immer wenn bei Monika Schneider-Heinzmann zuhause das Telefon klingelte, nahm sie mit der bangen Frage im Hinterkopf ab, welche Nachricht sie wohl bekomme. „Die Ärzte im Krankenhaus haben mich täglich angerufen. Und das Team hat mit aller Kraft um das Leben meines Mannes gekämpft. Auch mein Hausarzt hat mich sehr gut unterstützt“, sagt sie dankbar.

Frankenberg: Frau bangt in der Adventszeit um ihren Corona-erkrankten Mann

Voller Angst um ihren Mann hat sie die Advents- und Weihnachtszeit verbracht. „Ich konnte ihn trotz seines schlimmen Zustands nicht besuchen, weil er immer noch mit Covid infiziert war.“ Erst am 30. Dezember 2020 war der Coronatest dann negativ und sie durfte ihn sehen, seine Hand halten, ihn ansprechen. „Er lag ja noch im Koma und sah so schlecht aus.“

Anfang Januar ging es ihm dann ein ganz kleines bisschen besser. Mitte Januar begann er langsam, aus dem Koma aufzuwachen. „Aber über den Berg ist er noch keinesfalls“, warnten die Ärzte vor zu viel Optimismus.

Frankenberg: 79-Jähriger erholt sich im Januar langsam von Corona

Jetzt galt es, eine Reha-Klinik für Dieter Schneider zu finden. „Er musste nach der langen Zeit im Koma mobilisiert werden, auch wenn er noch intensivmedizinische Betreuung brauchte“, schildert die Ehefrau. Zunächst war in der Nähe nichts frei. „Die nächste Möglichkeit war Braunfels. Aber dahin wäre ich über eine Stunde gefahren, und übernachten könnte ich wegen Corona ja auch nicht“. Am 25. Januar 2021 erhielt ihr Mann dann einen Platz in der Neurologischen Klinik West-End in Bad Wildungen.

Zu verabredeten Zeiten kann Monika Schneider-Heinzmann per Tablet mit ihm Kontakt aufnehmen und mit ihm reden. „Er kann sich noch an die Zeit vorm Koma erinnern. Schon das EEG hat gezeigt, dass sein Gehirn nicht geschädigt ist.“

Nach Corona-Infektion: Frankenberger geht es langsam wieder besser

Nun gehe es ihm täglich etwas besser. „Er kann jetzt wieder die Arme bewegen. Das nächste Ziel ist, dass er wieder sitzen und schlucken lernt. Dann kann auch die Trachealkanüle entfernt werden. Und dann geht es ans Laufenlernen“, berichtet die Ehefrau.

Es wird wohl noch drei Monate dauern, bis ihr Mann wieder nach Hause kommen kann. „Vielleicht können wir auch irgendwann mal wieder verreisen. Das haben wir so gern gemacht“, sagt Monika Schneider-Heinzmann, die nach den drei schlimmen Monaten nun wieder Hoffnung geschöpft hat. (Martina Biedenbach)

Zu Beginn der Woche ist die Inzidenz im Kreis Waldeck-Frankenberg leicht gesunken. Prozentual hat der Kreis Waldeck-Frankenberg in Hessen aktuell die höchste Impfquote.

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