Kaufleute setzen Quadratmeter-Regel um

Corona in Waldeck-Frankenberg: Neue Beschränkungen seit Montag im Einzelhandel

Im Herkulesmarkt im Frankenberger Tor steht am Eingang ein Schild, das darauf hinweist, dass jeder Kunde einen Einkaufswagen benutzen muss.
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Im Herkulesmarkt im Frankenberger Tor steht am Eingang ein Schild, das darauf hinweist, dass jeder Kunde einen Einkaufswagen benutzen muss.

Die seit Montag geltenden Regeln beeinflussen den Einzelhandel. Es darf sich nur noch ein Kunde pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche aufhalten. Was bedeutet das für die Geschäfte im Frankenberger Land?

Frankenberg – Corona ist ein Witz. Das denken Florian Kramm zufolge leider immer noch einige Kunden, mit denen sich seine Mitarbeiter in den Herkules-Märkten in Nordhessen herumschlagen müssen. Das mache die Arbeit „wirklich schwer“.

Kramm ist Geschäftsführer der Edeka Hessenring. Auch der Herkules-Markt im Einkaufszentrum Frankenberger Tor steht unter seiner Aufsicht. Seit gestern prangt dort im Eingangsbereich ein aus dem Frühjahr vertrautes Schild: „Pro Person 1 Einkaufswagen.“

Die Wiedereinführung der Einkaufswagenpflicht sei ein guter Abstandsregler, befindet Florian Kramm. „Der Marktleiter sieht dadurch sofort, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält.“ Zudem habe man die Anzahl der Durchsagen erhöht, die die Kunden an die Abstands- und Hygieneregeln erinnern. Andere Maßnahmen, wie ein verschärftes Hygienekonzept, bemerke man nicht auf den ersten Blick. Kramm hofft, dass sich nun auch alle Kunden an die Regeln halten.

Ein paar Häuserblocks entfernt befindet sich die Frankenberger Fußgängerzone. „Vor einigen Jahren war das hier mal die 1A-Lage“, erläutert Inge Jakobi. Sie betreibt in der Neustädter Straße 26 die Buchhandlung Jakobi. Seit Montag dürfen höchstens zwölf Kunden ihr Geschäft betreten, aber so viele kämen ohnehin selten. Auch ohne Corona befinde sie sich mit ihrer Buchhandlung in der 1C-Lage, was eine Passantenfrequenz von unter 40 Prozent der 1A-Lage bedeutet.

Doch an diesem Montag sei sehr wenig los. Die Leute kämen aber sowieso ganz konkret und seien „voller Achtsamkeit“, was die Corona-Regeln anbelangt. Jakobi ist froh, dass es nicht zu einem zweiten kompletten Lockdown gekommen ist. Doch es sei schade um das Weihnachtsgeschäft, das normalerweise im November anlaufe.

In der Buchhandlung Hykel in der Bahnhofstraße können sich nach der neuesten Regelung gleichzeitig zwei Kunden aufhalten. „Diese Vorgabe wird von meiner Kundschaft problemlos akzeptiert“, berichtet Buchhändler Rüdiger Richter. „Bei mir hat sich bisher noch kein Kunde über die Einlass- und Abstandsregel beschwert.“

„Wir setzen die Regeln konsequent um“, sagt Jannik Schwebel-Schmitt, Juniorchef des Edeka-Lebensmittelmarktes Schwebel in der Hainstraße. Probleme deswegen sieht er nicht. „Wir haben eine Verkaufsfläche von 2000 Quadratmetern. Dort dürften sich 200 Kunden gleichzeitig aufhalten. Diese Zahl erreichen wir aber selbst zu Spitzenzeiten nicht“, informiert Schwebel-Schmitt. Selbst an hochfrequentierten Samstagen seien kaum mehr als 100 Kunden gleichzeitig im Geschäft. Trotzdem stelle sein Markt durch Zählungen sicher, dass die Zahl von gleichzeitig 200 Kunden nicht überschritten werde.

Gegen die Corona-Pandemie habe sein Lebensmittelmarkt zudem eigene Maßnahmen ergriffen, berichtet der 30-Jährige. „Wir haben in die Lüftungsgeräte Filter eingebaut, die Viren rausfiltern können.“ Zudem werde alle 20 Minuten für eine „Stoßlüftung“ gesorgt, und zwar im Laden und auch in den Büros und den Sozialräumen. Dafür seien spezielle Lüftungsgeräte angeschafft worden.

Entspannt geht auch Birgit Faupel, die Chefin des Schuhgeschäfts „Faupel Schöne Schuhe“ in der Fußgängerzone, mit den aktuellen Regeln um. „Die 10-Quadratmeter-Regel können wir locker einhalten“, sagt sie. Zudem werde in ihrem Geschäft immer für frische Luft gesorgt: „Wir haben die Ladentüre durchweg offen.“ Und für den Kontakt mit den Kunden bei Beratungen oder Anproben sei eigens ein „Abstandshalter“ eingeführt worden.

4000 Quadratmeter Verkaufsfläche hat das Frankenberger Modehaus Heinze in der Fußgängerzone. „Somit könnten wir 400 Kunden gleichzeitig im Haus haben“, erklärt Modehaus-Chef Hans-Heinrich Heinze. So viele kämen aber nicht einmal bei einem Stadtfest. Das Problem für sein Modehaus sieht er aktuell mehr darin, dass „die Leute nicht mehr in die Stadt gehen“, stattdessen zu Hause bleiben. „Deshalb haben wir wieder unseren Lieferservice eingerichtet“, und trotz des gut laufenden Online-Handels habe er sein Personal schon wieder runterfahren müssen. „Wir machen alles, um der Situation gerecht zu werden“, sagt Heinze.  

Das sagt der Kaufmännische Verein

Dr. Johannes Benner, 2. Vorsitzender Kaufmännischer Verein Frankenberg, Apotheker:

Angesichts der bundesweit steigenden Corona-Fallzahlen und Inzidenzwerte hält der Kaufmännische Verein Frankenberg die getroffenen Maßnahmen im Sinne des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung für absolut angemessen. Die Zugangsbeschränkungen von einem Kunden je 10 Quadratmeter lassen sich Individuell berechnen und umsetzen. Bereits nach Öffnung der Geschäfte im Mai haben wir individuelle Hygienekonzepte erarbeitet, die sich über den Sommer bewährt haben. Ferner zeigt die Erfahrung aus den letzten Monaten, dass unsere Kunden für das Thema sensibilisiert sind und trotz der getroffenen Maßnahmen und der damit verbundenen Einschränkungen gerne zu uns kommen.

Die Frankenberger Kaufmannschaft freut sich auch während des Teil-Lockdowns im November auf jeden Kunden und stellt die Einhaltung der Zugangsbeschrängungen sicher.

Hier in der Eder-Apotheke kontrollieren meine Mitarbeiter und ich die Zugangsbeschränkungen. Durch Reduktion der Beratungsplätze können wir dieses gewährleisten. Leider muss der Kunde dann in Stoßzeiten vor der Apotheke warten. Wir bitten um Verständnis.

Einkaufszentrum Battenfeld

Wir halten uns alle an die Hygiene- und Abstandsbestimmungen“, sagt Tanja Schiemann, Vorsitzende des Gewerbevereins Einkaufszentrum Battenfeld. Die neuen Zugangsbeschränkungen brächten „keine wirkliche Veränderung“. Eine Ausnahme bildeten die Gastronomie und Fitness-Studios. „Ich weiß nicht, ob es glücklich war, die Restaurants und Gaststätten jetzt komplett zu schließen“, sagt Schiemann. Sie gehört mit ihrem Geschäft für Geschenkideen und Modeaccessoires Tandeco „zu den Glücklichen, die offen bleiben dürfen“.

„Wir haben schon alles Weihnachtlich dekoriert“, sagt Schiemann. Die Vorweihnachtszeit sei die „umsatzstärkste Zeit des Jahres. „Wir alle mussten dieses Jahr so viel entbehren“, so die Vorsitzende des Gewerbevereins. „Da ist Weihnachten doch ein schöner Anlass, auch mal danke zu sagen.“

Auch Volker Seipp vom gleichnamigen Sportgeschäft im EKZ sieht keine neuen Probleme: „Es dürfen theoretisch 15 Kunden gleichzeitig im Laden sein, aber das passiert eher selten“, sagt Seipp. „Umso mehr achten wir auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsbestimmungen.“ Nach dem Lockdown im Frühjahr habe sich der Umsatz wieder positiv entwickelt. Zwar sei Bademode schlecht gelaufen, weil viele Leute nicht in den Urlaub gefahren seien, dafür habe er jedoch umso mehr Outdoor-Bekleidung und vor allem Fahrrad-Zubehör („das lief so gut wie noch nie“) verkauft.

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