Arbeitskräfte fehlen

Warum die Corona-Krise auch dem Wald in Nordhessen schadet

Revierleiter Peter Stein in einem Waldstück bei Wangershausen.
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Revierleiter Peter Stein in einem Waldstück bei Wangershausen.

Die Corona-Krise beschäftigt nicht nur den Menschen in Nordhessen. Auch der Wald in der Region leidet unter der Krise. 

  • Das Coronavirus breitet sich in Nordhessen aus.
  • Der Alltag ist wegen Corona stark eingeschränkt.
  • Aber nicht nur der Mensch, sondern auch der Wald in Nordhessen leidet unter der Krise.

Die Corona-Pandemie ist derzeit das beherrschende Thema. Dabei gerät ein gefährdeter Patient in den Hintergrund: der DauerpatientWald.

„Viele Förster sehen die Probleme weiter anwachsen“, sagt der Frankenberger Forstamtsleiter Andreas Schmitt. Zu Schädlingen, Trockenheit und Unmengen von Schadholz kommen Erschwernisse aufgrund von Corona hinzu.

Corona in Nordhessen: Wald leidet - Arbeitskräfte fehlen

„Vereinbarte Arbeitskapazität kann nicht aktiv werden, Maschinenführer und Forstwirte aus Osteuropa erhalten keine Einreise-Genehmigung mehr, Arbeiten können nicht oder nur eingeschränkt ausgeführt werden“, erläutert der Forstamtsleiter. Zudem mussten im Zuge der Corona-Vorsichtsmaßnahmen viele der geplanten Pflanzaktionen, an denen sich mehrere hundert Freiwillige beteiligen wollten, abgesagt werden.

Corona hat auch Einfluss auf den Holzmarkt. Wegen der riesigen Mengen kann Rohholz nur schwer und nur zu geringen Preisen vermarktet werden. „Entlastung hatte hier der Exportmarkt nach Ostasien geschafft. Durch die Corona-Krise ist dieser jedoch komplett zum Erliegen gekommen und gewinnt erst wieder langsam an Fahrt“, schildert Schmitt.

Corona in Nordhessen: Wald kämpft noch immer mit Trockenheit der letzte Sommer

Und die Forstleute kämpfen noch mit den gravierenden Folgen der beiden Jahrhundertsommer 2018 und 2019: Trockenheit und Hitze begünstigten die Massenvermehrung des Borkenkäfers, dem alleine in Waldeck-Frankenberg hunderte Hektar Fichten zum Opfer gefallen sind, andere Schädlinge greifen auch Laubbäume an. Aufgrund mangelnder Feuchtigkeit können sich viele Baumarten nicht gegen den Befall wehren.

Der Frankenberger Forstamtsleiter Andreas Schmitt mit Tannen-Setzlingen für die Neuaufforstung.

Hinzu kommen Sturmschäden, wie Hendrik Block von der Kommunalwald Waldeck-Frankenberg erläutert: „Das Sturmtief Sabine im Februar hat bei uns deutlich weniger Schäden verursacht als Friederike (2018) und Eberhart (2019). 

Wald in Nordhessen: Absterbeprozess der Bäume geht auch während Corona-Krise weiter

Doch dadurch, dass fast überall ein paar Bäume umgefallen oder abgebrochen sind, ist auf der gesamten Fläche für die Borkenkäfer sehr günstiges Brutmaterial angefallen – was die ohnehin kritische Situation noch verschärfen kann“, erläutert Block die Lage. „Daher arbeiten wir mit Hochdruck daran, die verstreut angefallenen Windwurfbäume aufzuarbeiten und aus dem Wald zu bringen.“

Auch bei den Buchen zeichne sich ab, dass der Absterbeprozess weitergehe und etliche Buchen nicht mehr austreiben oder im Laufe des Sommers absterben. 

Wald in Nordhessen leidet: Fehlende Niederschläge

Die Niederschläge im Januar und Februar, die im Bereich des Forstamtes Frankenberg etwa 40 Zentimeter der oberen Bodenschicht durchnässt haben, waren laut Forstamtsleiter Schmitt zwar positiv. „Aber die Witterung seit Mitte März lässt das Pendel schon wieder in die andere Richtung ausschlagen“, sagt der Forstamtsleiter. 

Die aktuelle Trockenheit hat sogar schon zu Waldbränden im Kreis Waldeck-Frankenberg geführt, vergangene Woche zum Beispiel zwischen Holzhausen und Hatzfeld, berichtet hna.de*.

Von Martina Biedenbach

Lesen Sie alle News zum Coronavirus in Nordhessen in unserem Ticker auf hna.de*.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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