Kunden haben offenbar Angst wegen Corona

Supermärkte im Frankenberger Land warnen vor Hamsterkäufen: "Wir haben genug da"

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Noch ausreichend vorhanden: Mitarbeiter Maik Binding steht im Edeka Schwebel in Frankenberg vor einer Palette Toilettenpapier.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus kaufen immer mehr Kunden Lebensmittel und Haushaltsartikel, die sie in der Menge eigentlich gar nicht bräuchten. Die Supermärkte im Frankenberger Land halten solche Hamsterkäufe für unnötig.

„Normalweise müsste inzwischen jeder unserer Stammkunden einen kleinen Supermarkt zu Hause haben“, sagt Thomas Dönch, Leiter des Rewe-Marktes in Battenfeld, und lacht. 

Seit das Coronavirus das Leben der Menschen in Deutschland bestimmt, deckten sich seine Kunden mit Lebensmitteln und Waren ein, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Besonders gefragt sind nach seinen Worten Toilettenpapier und Haushaltstücher, Milch, Haferflocken, Dosensuppen, flüssige Seife, Reis und Nudeln. „Viele Russlanddeutsche kaufen zusätzlich Mehl und Hefe, weil sie ihr Brot selbst backen“, sagt Dönch.

 „Wir haben erst am Freitag Lieferung bekommen. Jetzt ist schon wieder alles leer“, sagt der Rewe-Marktleiter kopfschüttelnd vor dem nahezu blank gekauften Toilettenpapier-Regal. „Zuerst sind immer die günstigen Marken weg. Wenn es dann eng wird, spielt der Preis anscheinend keine Rolle mehr“, so Dönch. Er sieht den Kaufrausch seiner Kunden mit gemischten Gefühlen: „Das bringt natürlich erstmal Umsatz. Am Freitag und Samstag war es bei uns wie vor Weihnachten.“

Kann man dann nicht mehr Ware bestellen? – „Das sollen wir nicht“, erklärt Dönch. Die erhöhte Nachfrage gebe es ja nicht nur bei der Rewe-Zentrale in Breuna, die 270 Märkte in Nordhessen beliefere, sondern im gesamten Bundesgebiet. „In ganz Deutschland sind die Regale bei bestimmten Produkten leer. Logisch ist das nicht zu erklären“, sagt Dönch. Wenn jeder Markt nur eine halbe Palette Milch mehr bestelle, müssten von Breuna aus fünf bis sechs Lastwagen zusätzlich fahren.

Marktleiter Thomas Dönch mit der letzten Packung Toilettenpapier vor ansonsten leeren Regalen in seinem Rewe-Markt in Battenfeld.

Die großen Mengen an Toilettenpapier, Nudeln oder Reis würden gar nicht gebraucht, sagt Dönch. „Das ist eine Kettenreaktion. Wenn einer damit anfängt, Klopapier zu horten, dann machen das in diesen Zeiten plötzlich ganz viele.“ Der Umsatz werde dann vermutlich später einbrechen, vermutet der Battenfelder Marktleiter.

Am Montag sah es nicht danach aus. Da wurde weiter kräftig gekauft, weil viele normalerweise berufstätige Menschen bedingt durch das Coronavirus nicht an ihrer Arbeitsstelle waren.

Dass immer mehr Menschen verunsichert sind und in den Supermarkt drängen, beobachtet auch Jannik Schwebel-Schmitt, Marktleiter im Edeka Schwebel in Frankenberg. „Es ist in diesen Tagen wirklich eine Herausforderung. Die Zulieferer versuchen, uns konstant zu beliefern. Das gelingt bisher gut.“

Nudeln, Toilettenpapier, H-Milch und Brot – im Edeka Schwebel ist das meiste vorhanden. „Wir haben noch genug da. Die wichtigsten Lebensmittel weisen eine konstante Lieferkette auf“, sagt der Marktleiter. Und auch Thomas Dönch versichert, dass es von den allermeisten Produkten in seinem Sortiment trotz erhöhter Nachfrage genug gebe. Beispielsweise bei Obst und den meisten Milchprodukten. „Osterhasen haben wir noch genug“, sagt Dönch grinsend.

Osterhasen haben Horst Richter, Stefan Kreisel und Margret Ruhleder beim Einkaufen in Frankenberg nicht in ihren Wagen gepackt. „Wir kaufen ganz normal ein“, sagen Richter und Kreisel. Und Ruhleder ergänzt: „Ich mache mich nicht verrückt, aber Toilettenpapier und Mehl habe ich noch nicht bekommen.“

Bei „Schwebels“ würden die meisten Kunden sehr besonnen einkaufen, nur wenige seien aufgebracht, sagt Jannik Schwebel-Schmitt. „Vielen Dank dafür, das hilft auch unseren Mitarbeitern, die einen tollen Job machen.“

Vorsichtsmaßnahmen

Um die Verbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen, treffen auch die Supermärkte Vorsichtsmaßnahmen. Im Edeka Schwebel in Frankenberg wurden Plexiglasscheiben an der Kasse angebracht. Außerdem desinfizieren die Mitarbeiter des Marktes regelmäßig Einkaufswagen und EC-Terminals. Zudem empfiehlt der Markt, wenn möglich, auf Bargeld zu verzichten. Marktleiter Jannik Schwebel-Schmitt: „Die Kunden sollten möglichst häufig mit EC-Karte bezahlen.“

Wenige Tage nach dem Auftritt in Frankenberg steht fest: Friedrich Merz hat sich mit dem Coronavirus infiziert.

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