Coronavirus im Kreis Waldeck-Frankenberg

Einschränkungen wegen Corona - Viele Soldaten in „häuslicher Reserve“

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Oberstleutnant Kai-Alexander Hoberg führt das in Frankenberg stationierte Bataillon Elektronische Kampfführung 932. Wegen der Corona-Krise schieben nur etwa 30 Soldaten Dienst in der Burgwaldkaserne. 

Auch die Burgwaldkaserne in Frankenberg ist von der Corona-Krise betroffen. Wir haben uns dort zusammen mit Kommandeur Kai-Alexander Hoberg mal umgesehen.

Waldeck-Frankenberg - In Zeiten der Corona-Krise ist auch die Frankenberger Burgwaldkaserne wie leergefegt. Auf der Ringstraße durch das Kasernengelände fährt kein einziges Auto, auf den Parkplätzen steht kaum ein Fahrzeug, die Büros sind weitgehend verwaist. 

Nicht, weil die Kaserne verkauft und zum Feriendorf umgebaut würde, wie wir in unserer Zeitungsausgabe vom 1. April als Aprilscherz berichtet haben, sondern weil die Soldaten wegen Corona überwiegend im „Homeoffice“ sind. Nur einige wenige örtliche Handwerksbetriebe machen auf dem riesigen Kasernengelände noch ihren Job und nehmen notwendige Reparaturen vor.

Corona in Waldeck-Frankenberg: Lehrgänge finden weiterhin statt

Laut Kommandeur Kai-Alexander Hoberg sind in der Burgwaldkaserne derzeit 700 Soldaten stationiert, davon rund 550 ständig. „Wegen Corona sind aktuell aber nur noch 30 Soldaten hier präsent, die übrigen sind in häuslicher Reserve“, schildert Hoberg die Lage. Einige Soldaten seien aber auch im Auslandseinsatz oder auf laufbahnerelevanten Lehrgängen. „Die finden weiterhin statt“, erklärt der Kommandeur.

Die Burgwaldkaserne in Frankenberg.

Ende vergangener Woche war der 43-Jährige selbst erst aus 14-tägiger Quarantäne in die Kaserne zurückgekehrt – nach dem Gastauftritt von Friedrich Merz beim CDU-Frühlingsempfang in der Ederberglandhalle hatte er sich auf amtliche Anweisung in häusliche Isolation begeben. Wie berichtet, war Merz wenige Tage nach seiner Rede in Frankenberg positiv auf das Coronavirus getestet worden, Hoberg gehörte zu den Gästen in der „ersten Reihe“.

Corona in Waldeck-Frankenberg: „Das Abwarten tut weh“

„Unsere Leute, die in der aktuellen Situation eigentlich helfen wollen, müssen jetzt zu Hause bleiben und scharren mit den Hufen“, berichtet der Kommandeur. Die operativen Kernfunktionen der Kaserne seien auf ein Minimum runtergefahren worden. Die 30 Soldaten seien nur noch da, „um den Notbetrieb aufrechtzuerhalten“ – beispielsweise in der Poststelle, in der Materialgruppe und in der Personalabteilung. Selbstverständlich müsse auch der strategische Aufklärungsauftrag für die Kameraden im Auslandseinsatz unter anderem in Mali oder Afghanistan erfüllt werden. „Wir passen auch weiterhin auf, dass unseren Soldaten im Ausland nichts passiert“, sagt Hoberg.

Auf dem Kasernengelände finden derzeit vor allem Bauarbeiten statt.

Sollte von diesen Soldaten auch nur einer wegen Corona ausfallen, müsse die ganze Schicht ausgetauscht werden. „Mit Desinfektionsmitteln bewaffnet, muss die nächste Schicht dann die Arbeitsplätze übernehmen.“ sagt Hoberg und fügt hinzu. „Das Abwarten tut weh.“ Laut Hoberg wohnen 85 Prozent der Frankenberger Soldaten in der Region und kommen jeden Tag mit dem Auto in die Kaserne. „Unsere Leute sind total mit der Region verwurzelt“, sagt der Kommandeur. Nur 15 Prozent seien „Fernpendler“.

Wegen Corona seien die Beförderungen einiger Soldaten in der vergangenen Woche mit einem „lustigen Antreten“ mit zwei Metern Sicherheitsabstand über die Bühne gegangen, berichtet Hoberg: „Wir versuchen, die Beförderungen würdig zu machen. Weil wir das derzeit nicht können, machen wir es denkwürdig. An diese Beförderungen erinnert sich jeder der betroffenen Soldaten auch später noch.“ Auch wenn die Corona-Pandemie erst am Anfang steht, hofft der Bataillonschef, dass im Juni wieder Regelbetrieb herrscht.

Von Gerhard Meiser

Die neuesten Entwicklungen zu Corona im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es im News-Ticker.*

Der LandkreisWaldeck-Frankenberg hat die Nutzung von Zweitwohnungen untersagt, um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken.

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