Schwerer Weg zur Genesung

Corona: Wie sich ein Mann aus Nordhessen nach schwerer Erkrankung zurück ins Leben kämpft

Corona überstanden: Nach lebensgefährlicher Erkrankung und neun Monaten Klinikaufenthalt ist der Frankenberger Dieter Schneider wieder zuhause. Seine Frau Monika Schneider-Heinzmann versorgt ihn liebevoll.
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Corona überstanden: Nach lebensgefährlicher Erkrankung und neun Monaten Klinikaufenthalt ist der Frankenberger Dieter Schneider wieder zuhause. Seine Frau Monika Schneider-Heinzmann versorgt ihn liebevoll.

Dieter Schneider aus Frankenberg infiziert sich mit Corona und erkrankt schwer. Nach zwei Monaten im Koma und neun Monaten Klinikaufenthalt ist er nun wieder zuhause.

Frankenberg – Der 27. August 2021 ist ein besonderes Datum für das Frankenberger Ehepaar Schneider. An diesem Tag kam Dieter Schneider nach neunmonatigem Klinikaufenthalt wieder nach Hause. Der 79-Jährige war lebensgefährlich an Covid-19 erkrankt. Er ist immer noch geschwächt und auf den Rollstuhl angewiesen, aber er hat überlebt und seinen Humor wiedergefunden. Das Ehepaar Schneider ist wieder vereint.

„Es ist ein hervorragendes Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Endlich muss ich keine Krankenhauswände mehr anstarren. Und es gibt wieder Hausmannskost“, freut sich Schneider. Er und seine Ehefrau strahlen, als sie von der aktuellen Entwicklung erzählen. Das, was sie aber hinter sich haben, das wünschen sie ihrem ärgsten Feind nicht, sagen beide.

Corona: Monika Schneider-Heinzmann bangt wochenlang um Leben ihres Ehemannes

Monika Schneider-Heinzmann hatte unserer Zeitung im März vom schlimmen Krankheitsverlauf bei ihrem Mann berichtet. Er war Anfang Dezember 2020 wegen Corona ins Frankenberger Krankenhaus gekommen. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Die Ärzte versetzen ihn am 9. Dezember ins künstliche Koma und kämpften wochenlang um sein Leben.

Die ganze Advents- und Weihnachtszeit bis Ende Januar bangte die 80-Jährige um das Leben ihres Mannes. Kontakt zu ihm war lange nicht möglich, weil er noch infiziert war. Erst am 30. Dezember durfte sie ihn im Krankenhaus besuchen, seine Hand halten und ihn ansprechen. „Er lag im Koma und sah so schlecht aus“, erinnert sich die Ehefrau.

Es ist ein hervorragendes Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Endlich muss ich keine Krankenhauswände mehr anstarren.

Dieter Schneider, Corona-Patient

Corona-Patient Dieter Schneider nimmt während Infektion 15 Kilo ab

Anfang Januar ging es Dieter Schneider langsam besser, über den Berg war er aber noch nicht. Ende Januar kam er auf die Intensivstation der Neurologischen Klinik Westend nach Bad Wildungen. In der Fachklinik für Rehabilitation, wo er ein spezielles Mobilisationsprogramm erhielt, erwachte er Anfang Februar, also nach zwei Monaten, aus dem Koma. „Es dauerte mehrere Tage, bis ich richtig zu mir kam und wusste, wo ich war“, erzählt er. Bis zum 21. Februar musste er noch invasiv beatmet werden.

„Dann ging es aufwärts, aber langsam. Ich war so schwach“, sagt Schneider. Der 1,94 Meter große Mann hatte 15 Kilo abgenommen, wog 79 Kilogramm. Es war viel Training nötig. Vieles musste neu gelernt werden. „Zuerst musste ich Atemübungen machen, zum Beispiel Luftblasen in einer Wasserflasche erzeugen. Meine Lunge musste gestärkt werden“, berichtet er.

Nach der langen Zeit der Beatmung fiel ihm auch das Schlucken schwer. Zunächst konnte er nur kleine Schlucke trinken, wurde weiter künstlich ernährt. Dann gelang es ihm, breiige Nahrung zu sich zu nehmen und es dauerte noch Monate, bis er auch feste Nahrung schlucken konnte.

Frankenberg: Corona-Patient muss sehr vorsichtig essen

„Ich muss noch immer aufpassen, dass ich mich nicht verschlucke und dass keine Nahrungsteilchen in die Lunge gelangen. Sie ist nicht stark genug, dass ich abhusten könnte. Die Teilchen könnten eine Lungenentzündung hervorrufen. Das muss ich unbedingt vermeiden“, schildert der 79-Jährige. Und erkälten darf er sich jetzt natürlich auch nicht.

Mit Hilfe von Physiotherapeuten übte Dieter Schneider, sich wieder zum Sitzen aufzurichten und sitzen bleiben zu können. Dazu war intensives Muskeltraining nötig. Arme, Beine, Bauchmuskulatur mussten wieder langsam aufgebaut werden.

Corona-Infektion: Schneider kann noch immer nicht alleine laufen

Monika Schneider-Heinzmann zeigt auf ihrem Handy ein Video, das die Klinik ihr im Juni geschickt hatte. Da ging es ihrem Mann schon wesentlich besser und er war ins Haus II für die fitteren Patienten verlegt worden. Auf dem Video geht er auf einem speziellen Laufband, ist angeschnallt und Apparate unterstützen die Laufbewegung an den Beinen. Der 79-Jährige lächelt trotz der Anstrengung, seine Physiotherapeutin ermutigt ihn freundlich.

Alleine gehen kann Dieter Schneider auch heute noch nicht. Aber er kann sich wieder aufrichten und stehen. Das war die Voraussetzung, um nach Hause zu kommen. Denn so kann er sich mit Hilfe seiner Frau vom Rollstuhl auf den Toilettenstuhl oder auf den Treppenlift umhieven.

Überstandene Corona-Infektion: Das Gehen mit dem Rollator ist jetzt sein nächstes Ziel

Monika Schneider-Heinzmann hatte vor der Rückkehr ihres Mannes Dieter Schneider aus der Reha-Klinik alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit die Versorgung zu Hause klappt. „Wir hatten Glück, dass die Breite der Türen und die Größe des Bades ausreichen, damit wir mit dem Rollstuhl durchkommen“, sagt die 80-Jährige.

Beide lachen, wenn sie an Dieter Schneiders Frisur denken, als er nach neun Monaten wieder zuhause ankam: „Die Haare waren während der ganzen Zeit nicht geschnitten worden. Er sah aus, wie ein Dirigent“, sagt seine Ehefrau über den pensionierten Verwaltungsbeamten. Der 79-Jährige trainiert nun zuhause weiter mit einem Physiotherapeuten. „Das nächste Ziel ist, mit einem Arthritisrollator mit gepolsterten Unterarmauflagen gehen zu können“, erklärt er. „Das kann ich schaffen, sagt der Therapeut.“

Wie in der Klinik, bekommt er auch zuhause weiterhin Ergotherapie. Sein Kurzzeitgedächtnis hat während der langen Zeit im Koma gelitten. Er macht jetzt Gedächtnisübungen. „Das alte Gedächtnis vor Corona ist aber noch da“, freut sich seine Frau. Schneider macht auch Schreibübung, um die Feinmotorik wieder zu verbessern.

Frankenberg: Behandlung von Corona-Patient kostet mehrere 100.000 Euro

„Ohne den hervorragenden Einsatz der Ärzte im Kreiskrankenhaus Frankenberg würde mein Mann nicht mehr leben. Und ohne die hervorragende Arbeit von Chefarzt Dr. Christoph Bucka und seinem Team in der Westendklinik in Bad Wildungen wäre mein Mann nicht so fit, wie er jetzt wieder ist“, lobt Schneider-Heizmann und ihr Mann nickt.

Sie dankt dem Team der Westend-Klinik auch dafür, dass sie sich dreimal wöchentlich per Tablet mit ihrem Mann unterhalten konnte, bis dann im Sommer die Besuchsregelung gelockert wurde und sie ihn öfter besuchen konnte. Und dafür, dass die Klinik die Therapiemaßnahmen so terminierte, dass sie dabei sein und lernen konnte, wie sie ihren Mann auch zuhause unterstützen kann.

Da Schneider Privatpatient ist, und alle Rechnungen zunächst erhält, weiß das Ehepaar auch, wie teuer die Behandlungen waren: mehrere 100.000 Euro.

Nach überstandener Corona-Infektion: Schneider will seinen 80. Geburtstag feiern können

Monika Schneider-Heinzmann bezieht in ihr Lob auch die ambulanten Therapeuten ein und ist froh, dass sie schnell Behandler für ihren Mann gefunden hat. „Die Praxen sind überlastet. Manche Patienten müssen sechs Wochen und mehr warten“, schildert sie ein Problem, das sich durch die Patienten mit Long-Covid-Symptomen verstärkt hat.

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Ein Ziel des Ehepaares ist es nun, den 80. Geburtstag von Dieter Schneider am 5. Dezember zu feiern. Den 79. Geburtstag verbrachte er im Krankenhaus und er hatte kaum noch Luft, um mit den Gratulanten am Telefon sprechen zu können. Und ihre Diamantente Hochzeit im Mai 2023 wollen die Schneiders auch gerne feiern.

Die Ereignisse der vergangenen zehn Monate haben beide sehr mitgenommen. Angesichts des schlimmen Krankheitsverlaufs, haben sie kein Verständnis für Impfgegnern, sagen sie. (Martina Biedenbach)

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