Corona im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Interview zu Abi mit Corona-Regeln: So liefen die Klausuren

+
Die Kulturhalle an der Edertalschule: Hier und in anderen Räumen wurden die Abiturklausuren geschrieben. Die Tische standen wegen Corona weit auseinander.

Das Abi an Frankenberger Edertalschule im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist vorbei. So liefen die Klausuren mit Corona-Regeln - Interview mit Schulleiter Otto und einer Schülerin.

Frankenberg – An der Edertalschule in Frankenberg sind am Donnerstag die letzten Abiturklausuren geschrieben worden. Wegen Corona gab es besondere Hygiene- und Abstandsregeln. Wie das funktioniert hat und wie es mit den mündlichen Prüfungen weitergeht, darüber haben wir mit Schulleiter Claus-Hartwig Otto und einer Abiturientin gesprochen.

Herr Otto, hat die Edertalschule die Abiturprüfungen gut über die Bühne gebracht?

Otto: Insgesamt hat es gut geklappt. Durch die Schulschließung hatten wir natürlich viel größere Ressourcen an Räumen und Personal. So konnten wir die Schüler gut auf viele Räume verteilen.

Konnten alle Hygiene- und Distanzregeln eingehalten werden oder gab es Besonderheiten oder Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Otto: Vonseiten der Schule gab es kaum Probleme. Die Reinigungskräfte haben die Räume mit Flächendesinfektionsmittel gesäubert. In jedem Raum standen Spritzflaschen und Sprays mit Desinfektionsmittel. Am Anfang gab es noch Lieferschwierigkeiten. Da habe ich den Alkoholvorrat der Fachschaft Chemie geplündert. Jetzt sind wir insgesamt gut ausgerüstet.

Schulleiter Claus-Hartwig Otto.

Wie war die Resonanz seitens der Schüler und der Lehrer auf die besonderen Bedingungen?

Otto: Das ist gemischt. Die Schüler, die ich am Donnerstag gefragt habe, waren glücklich, dass das Abi geschrieben werden konnte. Sie sagten, dass durch die Schulschließung sogar mehr Zeit und Konzentration möglich war. Bei den Lehrern ist die Situation etwas gespalten. Viele sind froh, dass das Abi bewältigt werden konnte. Andere hielten aber angesichts des Bedrohungsszenarios die Entscheidung des Hessischen Kultusministeriums für wenig konsistent. Aus der Elternschaft habe ich einen entrüsteten Anruf erhalten: Diese Mutter war mit der Entscheidung überhaupt nicht einverstanden. Von den anderen 136 Elternhäusern habe ich keine Rückmeldung.

Gab es mehr Schüler als üblich, die Klausuren nicht mitgeschrieben haben – weil sie eben wegen Corona-Symptomen und der Ansteckungsgefahr zu Hause geblieben sind?

Otto: Wir hatten einen Fall, bei dem ein Schüler vorsorglich zuhause blieb, weil es in der Familie einen Quarantänefall gab. Das hat sich aber als unbegründet erwiesen. Ansonsten gab es nur die normalen Erkrankungen wie üblich. Um die zehn Prüfungen müssen nachgeschrieben werden.

Sind Sie froh, dass Hessen die Abiturprüfungen trotz Corona durchgezogen hat?

Otto: Ich bin über alles froh, was wir geschafft haben. Für die Schüler war es wohl weitgehend okay. Ich kann ihnen aber nicht in den Kopf schauen. Eventuell hatten einige auch mit Ängsten und Befürchtungen zu kämpfen. Da die Schüler das Abi zum ersten mal schreiben, haben sie aber keinen Vergleich zur normalen Aufregung in anderen Jahren. Die Schule wünscht sich so etwas aber nie wieder.

Wie geht es mit den weiteren Abiturprüfungen an der Edertalschule weiter?

Otto: Das erfahren wir alles vom Minister Lorz in der kommenden Woche. Bisher ist wenig bekannt. Nur, dass wir auch bei den mündlichen Prüfungen explizit die Hygienevorschriften beachten müssen. So sind zum Beispiel in den Prüfungen keine Gäste mehr zugelassen.

Gibt es schon eine Regelung zur Zeugnisübergabe und zum Abiball?

Otto: Prinzipiell ist eine Zeugnisübergabe vom Minister verboten worden. Eventuell gibt es aber auch da neue Erkenntnisse im Juni. Der Abiball ist eine Veranstaltung der Schüler. Für den bin ich nicht zuständig.

Das sagt eine Schülerin

Vor der ersten Abitur-Klausur am 19. März hatten wir in einem Interview mit drei Abiturientinnen der Edertalschule über ihre Erwartungen für die Prüfungen in diesen Corona-Zeiten gesprochen. 

Eine der drei, Lisa-Marie Paar (18, Frankenberg), haben wir nun nach der letzten Klausur gefragt, wie es gelaufen ist. 

Schülerin Lisa-Marie Paar.

Im Interview vor drei Wochen haben Sie gesagt, dass die Belastung durch Corona ein zusätzlicher Faktor in den Prüfungsvorbereitungen sei. War das in den Klausuren auch so? 

Paar: Es gab einige Sicherheitsvorkehrungen: Die Abstände zueinander, Bücher und Hilfsmittel wurden desinfiziert, und die Klausuren wurden von den Lehrern am Ende mit Handschuhen eingesammelt. Ansonsten waren es normale Abi-Prüfungen. Natürlich waren viele aufgeregt, manches war ungewiss, weil ja bis kurz vorher auch nicht feststand, ob wir wirklich schreiben. Darüber macht man sich natürlich Gedanken. Aber in der Prüfung selbst habe ich mich auf die Aufgaben konzentriert. 

Sind Sie froh, dass die Abi-Prüfungen in Hessen durchgezogen wurden? 

Paar: Ja, total froh. Und ich denke, das geht den meisten anderen Schülern auch so. Der Druck ist jetzt erst mal weg. Die Klausuren waren gar nicht so schlimm. Die Zeit, die jetzt kommt, ist aber noch ungewiss. Wir wissen ja noch nicht, ob die Schule nach den Osterferien weitergeht. Der letzte Unterricht für die Abiturienten ist schon am 15. Mai. Es kann also sein, dass auch noch reguläre Klausuren ausfallen. 

Kultusminister Lorz bittet darum, „wegen der weiterhin bestehenden Ansteckungsgefahr auf die sonst üblichen Feierlichkeiten im Anschluss an die Prüfungen zu verzichten“. Habt ihr in eurem Jahrgang schon über euren Abiball gesprochen? 

Paar: Bisher hatten wir die Hoffnung, dass der Abiball stattfinden kann – zumindest reduziert. Er ist für den 27. Juni in Battenberg geplant. Wenn er ausfallen müsste, wäre das sehr schade. Ein Jahr nach dem Abi braucht man auch nicht mehr zu feiern.

Die neuesten Entwicklungen zu Corona im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es im News-Ticker.*

*wlz-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.