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Debatte um Hindenburg-Grab in der Marburger Elisabethkirche

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Das Grab von Paul von Hindenburg in der Elisabethkirche ist derzeit nicht zugänglich.
Das Grab von Paul von Hindenburg in der Elisabethkirche ist derzeit nicht zugänglich. © Nadine Weigel/nh

In der Debatte um das Hindenburg-Grab in der Elisabethkirche spricht sich die Evangelische Kirche dafür aus, zur besseren Einordnung vor Ort fundierte Informationen über den umstrittenen Reichspräsidenten anzubieten. „Momentan ist das Grab wegen der Innenrenovierung ohnehin nicht zugänglich“, sagte der Propst des Sprengels Marburg, Dr. Volker Mantey, unserer Partnerzeitung Oberhessische Presse.

Marburg – „Unser Vorschlag ist, die Jahre der Innenrenovierung zu nutzen, um mit Fachleuten zu sprechen: Wie wollen wir diese Geschichte zum Nachlesen dokumentieren?“ sagte Mantey. Er schlug vor, dass der Marburger Neuhistoriker Professor Eckart Conze zur Debatte beitragen und den Stand der Forschung erläutern könnte. Die Kirche biete sich als Plattform für Expertengespräche an.

Die Debatte war durch eine Liste von „positiven Orten der Demokratiegeschichte“ der Landeszentrale für politische Bildung ausgelöst worden. Darin war das Grab des früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg enthalten. Der Marburger Historiker Conze bezeichnete dies als „Skandal“. Hindenburg sei für den Tod von Millionen Menschen im Ersten Weltkrieg verantwortlich, habe am Scheitern der Weimarer Demokratie mitgewirkt und Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Landeszentrale hat sich inzwischen entschuldigt und die Liste von ihrer Internetseite entfernt.

Für Mantey ist das Verhalten Hindenburgs in zweierlei Hinsicht sehr aktuell: Mit der Dolchstoßlegende habe er eine Verschwörungstheorie in die Welt gesetzt, wie dies auch heute Politiker von Ex-US-Präsident Donald Trump bis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin täten. Zweitens sei Hindenburg demokratisch gewählt worden und habe dennoch aus dem Amt heraus versucht, die Demokratie zu beseitigen.

Professor Conze hatte Ende März einen „kritisch-kreativen Umgang“ mit dem Hindenburg-Grab angeregt, um „die Aura einer möglichen Heroisierung zu brechen“. Das greift Propst Mantey nun auf, indem er eine Expertendebatte über den Umgang mit dem Grab anregt.

Mantey betonte, die Kirche sei 1946 nicht gefragt worden, ob dort die letzte Ruhestätte der Eheleute Hindenburg sein solle – dies hätten die Alliierten angeordnet. In der Elisabethkirche gebe es heute eine historische „Spannung“ zwischen dem von den Nazis als „entartet“ diffamierten Kreuz des Bildhauers Ernst Barlach und dem Grab des Mannes, der dafür gesorgt hatte, dass Hitler Reichskanzler wurde.

Seine Wahrnehmung sei, dass die Elisabethkirche mit dem Grab „ihren Frieden gefunden“ habe, sagte der Propst. Allerdings gebe es immer wieder Vorkommnisse offenbar mit Hindenburg-Anhängern und -Gegnern: „Die Küster haben mir berichtet, dass es Menschen gibt, die dort Blumen ablegen. Gelegentlich gab es auch mal ,Anschläge’ mit Buttersäure oder Schmierereien am Grab.“

Das Hindenburg-Grab

Zunächst wurde der letzte Reichspräsident der Weimarer Republik, Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg (1847-1934), in Ostpreußen bestattet – im Denkmal der Schlacht bei Tannenberg. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs brachte die deutsche Wehrmacht die Särge von Hindenburg und seiner Frau in ein Salzbergwerk im thüringischen Bernterode, damit sie nicht der sowjetischen Roten Armee in die Hände fielen. Dort fanden US-amerikanische „Monuments Men“ (Kunstschutzoffiziere) 1945 die Särge und lagerten sie zunächst im Marburger Landgrafenschloss. Von dort aus wurden sie im August 1946 in die Nordturm-Kapelle der Elisabethkirche gebracht. 

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