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Freilichtbühne Hallenberg: Premiere des Reeperbahn-Musicals rasant und schwungvoll

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Von: Marise Moniac

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Können vor Kraft kaum laufen: die drei Pinneberger Saufbrüder Mickey, Pitter und Frankie (Vincent Brieden, Simon Paffe, Robin Müller).
Können vor Kraft kaum laufen: die drei Pinneberger Saufbrüder Mickey, Pitter und Frankie (Vincent Brieden, Simon Paffe, Robin Müller). © Marise Moniac

Zimperlich darf man nicht sein als Besucher der „Heißen Ecke“ im Hamburger Viertel St. Pauli. Denn auf der weltberühmten Reeperbahn, wo das Erwachsenenstück der Freilichtbühne Hallenberg angesiedelt ist, nimmt man kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Dinge des prallen Lebens geht.

Hallenberg – Ansonsten aber wird auf der wie immer liebevoll ausgestatteten Naturbühne feine, witzige Unterhaltung geboten, was die bestens gelaunten Premierenbesucher mit viel Gelächter und Szenenapplaus quittierten.

Einen speziellen roten Handlungsfaden gibt es nicht: Mittelpunkt des Geschehens bildet der im doppelten Sinn heiße Imbiss, der dem Stück seinen Namen gibt. Denn dort trifft man sich, um die schärfste Currywurst des Viertels zu verzehren oder vor den Aktivitäten der Nacht schnell noch ein Bier (oder auch mehrere) zu zischen, aber auch, um Frust loszuwerden oder frische Kräfte zu tanken vor der Arbeit im zwielichtigen „Red Banana“.

Den Überblick haben die Imbiss-Frauen Hannelore, Margot und Elke, die ihre Pappenheimer kennen und jede faule Anmache scharfzüngig kontern. Sie lassen den ewigen Schnorrer Kurti ebenso abblitzen wie den schräg singenden Jimmy, und bei Knud, dem notorischen Spieler, wissen sie natürlich, dass der immer auf der Verliererseite stehen wird.

Sinnbild bunter Vielfalt von St. Pauli: die Dragqueen (Georg Glade).
Sinnbild bunter Vielfalt von St. Pauli: die Dragqueen (Georg Glade). © Marise Moniac

Die drei Pinneberger Jungs, die ordentlich einen draufmachen wollen, können ihnen nichts vormachen, genauso wenig wie das spießige Ehepaar aus der Provinz, das nach dem Theaterbesuch am Imbiss versackt, oder der Werbefuzzi Sven, der seiner Freundin am Telefon den Laufpass gibt und gleich der Nächsten „Ti amo“ ins Ohr säuselt.

Viele weitere Schicksale werden gestreift, auch die der Nutten in den hochhackigen Lackstiefeln und den Glitzer-Leggings, die doch in Wahrheit ganz andere Träume haben als das Leben unter der Knute von Koberer Manni, der wiederum einmal fast Box-Weltmeister geworden ist – aber eben nur fast.

Nach der Pause führt eine beeindruckende Dragqueen die Touristen durch den Kiez. Sie treffen auf die dunklen Seiten der Vergnügungsmeile – abgezockte Versicherungsvertreter, Opfer von Trickdieben und versumpfte Junggesellen. Doch von Zeit zu Zeit kommt auch der Engel von St. Pauli vorbei und sorgt für ein bisschen Hoffnung im Chaos.

Rasant und schwungvoll erzählt und gesungen, super Texte und Songs, klasse Kostüme und über weite Teile fast professionelle Schauspielkunst: zweieinhalb amüsante Stunden, die in guter Erinnerung bleiben werden.

Info: Regisseur: Uwe Bautz, musikalische Leitung: Stefan Wurz und Mareike Schäfer.

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