Stadt soll prüfen, ob sie das Volksfest selbst plant

Diskussion in Frankenberg: Wer soll den Pfingstmarkt organisieren?

Der Pfingstmarkt in Frankenberg ist das größte Volksfest im Frankenberger Land. 2020 und 2021 musste er wegen der Corona-Pandemie ausfallen.
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Der Pfingstmarkt in Frankenberg ist das größte Volksfest im Frankenberger Land. 2020 und 2021 musste er wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

In Frankenberg ist - ohne konkreten Anlass - eine Diskussion darüber entstanden, wer künftig den Pfingstmarkt organisieren soll. Auslöser ist ein Antrag in der Stadtverordnetenversammlung von CDU und Grünen.

Frankenberg – 2019 fand der Frankenberger Pfingstmarkt zum 442. Mal statt. Mit geschätzt 250 000 Besuchern ist er jährlich das größte Volksfest im Frankenberger Land. 2020 und 2021 fiel er der Pandemie zum Opfer. Seit 1960 wird der Pfingstmarkt von der Schaustellerfamilie Wagner organisiert – erst von Brunhilde Wagner, seit 2012 von ihrem Enkel Max Wagner. (37). „Die Vorbereitungen für den Pfingstmarkt dauern immer ein Jahr“, berichtete er einmal der HNA.

In der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 8. Juli 2021, in Geismar hat das Parlament den Magistrat mehrheitlich mit 17:10 Stimmen damit beauftragt, ein Konzept auszuarbeiten, um den Pfingstmarkt künftig eigenständig von der Stadtverwaltung organisieren zu lassen. Das Konzept soll den Stadtverordneten in den nächsten sechs Monaten zur weiteren Beratung vorgelegt werden.

Mit der Organisation des Folklore-Festivals Europeade 2019 habe die Stadt bewiesen, dass die Verwaltung durchaus über ein Veranstaltungsmanagement verfüge, begründete Johannes Müller (CDU) den Antrag von CDU und Grünen. Mittelzentren wie Bad Arolsen und Fritzlar würden bereits planen, ähnliche Volksfeste eigenständig zu organisieren.

In dem Konzept solle die Stadt die „Stärken und Ressourcen der Verwaltung den Unabwägbarkeiten einer eigenständigen Durchführung gegenüberstellen“, sagte Müller. „Haushalterische Veränderungen“ und personeller Mehraufwand bei städtischer Organisation sollen dargelegt werden. Für eine „objektive Einschätzung“ verlangen CDU und Grüne zudem, die Vertragsinhalte mit dem Veranstaltungsbüro Wagner offenzulegen. Diese Fragen sollen die Grundlage des Entscheidungsprozesses sein.

Bürgermeister: „Das kann man nicht vergleichen“

Bei Bürgermeister Rüdiger Heß stieß der Antrag auf wenig Gegenliebe: „Der Pfingstmarkt läuft seit Jahren außerordentlich gut“, sagte er. Die Planung der Europeade 2019 sei außerdem durch das Europeade-Komitee erfolgt. „Die ehrenamtliche Man-Power, die vom Komitee geleistet wird, ist enorm“, unterstrich Heß, der Vorsitzender des Europeade-Komitees ist. „Deshalb kann man das überhaupt nicht vergleichen“.

2019 hat die Stadt Frankenberg das Folklore-Festival Europeade in Frankenberg veranstaltet.

In Fritzlar und Bad Arolsen gebe es je zwei Vollzeitkräfte für die Organisation von Veranstaltungen. Die Kosten dafür schätzt Heß pro Kommune auf 80.000 bis 120.000 Euro. „Und niemand bei uns in der Verwaltung hat die notwendige Kompetenz. Für diese Aufgabe muss man schon selber Schausteller sein.“ Ein Volksfest wie den Pfingstmarkt könne man durch politische Initiativen auch ganz schnell an die Wand fahren, merkte Heß an. „Die Organisation des Pfingstmarkts ist nicht die Kernkompetenz der Stadtverwaltung.“

Man müsse die Feste in Frankenberg weiter ausbauen und nach vorne bringen, argumentierte Uwe Patzer (Grüne). In der Vergangenheit sei zwar viel gut gelaufen, „einige Sachen sind aber auch nicht stimmig gewesen, deshalb wollen wir das gerne geprüft haben“. An dem Antrag seiner Koalition hielt er fest: „Dadurch lässt sich ein Veranstaltungsbüro nicht gleich ins Boxhorn jagen.“  

Kritik der Oppositionsfraktionen

„Wir können nicht nachvollziehen, warum CDU und Grüne diesen Antrag gestellt haben“, sagte Dr. Hendrik Sommer (SPD). „Und wir haben die Sorge, dass allein der Antrag dazu führen wird, dass das Fest einen erheblichen Schaden nehmen kann.“ Max Wagner müsse sich jedenfalls fragen, was er alles falsch gemacht habe. Ein neues Konzept könne auch „vollkommen unwirtschaftlich“ sein, meinte Sommer. Vielmehr müsse gewährleistet sein, dass die Qualität des Marktes „so bleibt, wie sie ist“.

Sommers Antrag, den Antrag im Haupt- und Finanzausschuss zu beraten, wurde mehrheitlich abgelehnt. Für die Beratung im Ausschuss hatten sich auch Sven Garthe (Freie Wähler) und Sabine Debus (FDP) ausgesprochen. Man solle „nicht unnötig Porzellan zerschlagen“, so Garthe.

Garthe begrüßte zwar den Antrag der Koalition („So wird Transparenz geschaffen“), gab aber zu bedenken, dass mit einer Organisation durch die Verwaltung auch „Konfliktpotenzial“ geschaffen werde. Garthe sprach sogar von einem „Misstrauensantrag“ und von einem „Schlag ins Gesicht“ gegenüber dem Veranstaltungsbüro Wagner. „Wenn das zum Wohle der Stadt sein soll, dann weiß ich es nicht.“ Der Marktbeschicker habe ganz andere Möglichkeiten. Der attraktive Pfingstmarkt müsse erhalten bleiben.

Das sagt der Bürgermeister

Zu dem Antrag von CDU und Grünen im Frankenberger Stadtparlament hat am Freitag Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß nochmals Stellung genommen. Den Antrag der Koalition bezeichnet der Bürgermeister schlicht als „absolut kontraproduktiv“.

Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß

Heß: „Das Veranstaltungsbüro Wagner hat seit über 60 Jahren den Pfingstmarkt in Frankenberg zu dem gemacht, was er heute ist - eines der größten und attraktivsten Volksfeste in Nordhessen. Jährlich über 250.000 Besucher machen dies deutlich. Andere Städte beneiden Frankenberg darum und versuchen bereits, dieses Veranstaltungsbüro für ihre Stadt zu gewinnen. Daher sind solche Anträge wie von der Koalition im Frankenberger Stadtparlament absolut kontraproduktiv, denn sie stellen die Kompetenz dieses Veranstaltungsbüros in Frage.

Für mich ist das Veranstaltungsbüro Wagner ein absolut vertrauensvoller Partner, der sich für unsere Stadt jährlich immer wieder aufs Neue einsetzt. Nur Wagner und Co. schaffen es, dass jährlich Fahrgeschäfte nach Frankenberg kommen, die ansonsten nur in Großstädten vorhanden sind. Eine Stadtverwaltung kann eine solche Kompetenz nie aufbauen, außerdem gehört eine solche Aufgabe in die Privatwirtschaft. 

Eine solche Diskussion überhaupt zu führen vor dem Hintergrund, dass man eine solche Aufgabe der Stadtverwaltung Frankenberg zutraut, ist zunächst einmal äußerst schmeichelhaft. Aber es ist nicht zielführend. Gerade in der heutigen Zeit eine durch die Einschränkungen der Pandemie sehr tief getroffene Branche dermaßen anzuzweifeln, ist nicht nachvollziehbar. Hier und heute benötigen diese Betriebe unsere Unterstützung, um auch in Zukunft den Menschen tolle Angebote bieten zu können.“ (mjx) 

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