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Dorfentwicklung in Frankenberg: Jetzt sind die Bürger gefragt

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Von: Jörg Paulus

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Der Kirch- und Kulturplatz in Geismar war ein Projekt im abgeschlossenen Dorfentwicklungsprogramm für Geismar und Dörnholzhausen.
Der Kirch- und Kulturplatz in Geismar war ein Projekt im abgeschlossenen Dorfentwicklungsprogramm für Geismar und Dörnholzhausen. „Der Platz kann beispielgeben sein für neue Projekte“, sagte Planer Dr. Jürgen Schewe. © Jörg Paulus

In Frankenberg hat die Bürgerbeteiligung am Dorfentwicklungsprogramm begonnen. Bis Jahresende soll ein Konzept mit Ideen und Projekten erstellt werden. Auch die Möglichkeiten der privaten Förderung wurden bereits angesprochen.

Frankenberg – Am Donnerstagabend (31.03.2022) nahmen jeweils rund 40 Einwohner in Präsenz im DGH in Röddenau und parallel online in einer Videoübertragung an der Auftaktveranstaltung zur Dorfentwicklung in Frankenberg teil. In rund zwei Stunden erläuterten Dr. Jürgen Schewe vom Planungsbüro „Arbeitsgruppe Stadt“ aus Kassel und Theresia Schneider vom Landkreis, worum es bei der Dorfentwicklung geht und wie die Konzept- und die Umsetzungsphase ablaufen.

Die Dorfentwicklung

Die Dorfentwicklung (früher Dorferneuerung) ist ein Förderprogramm des Landes Hessen, um den ländlichen Raum zu stärken und Dörfer attraktiv und lebendig zu gestalten. Früher wurden einzelne Dörfer gefördert, mittlerweile ganze Kommunen wie derzeit zum Beispiel Rosenthal und Battenberg und nun bis Ende 2028 auch Frankenberg.

Dr. Jürgen Schewe Planungsbüro „Arbeitsgruppe Stadt“ aus Kassel
Dr. Jürgen Schewe Planungsbüro „Arbeitsgruppe Stadt“ aus Kassel © Paulus, Jörg

Da nur Orte unter 6000 Einwohnern gefördert werden, ist die Frankenberger Kernstadt nicht dabei, aber alle zwölf Stadtteile – auch Geismar und Dörnholzhausen, die in den vergangenen Jahren schon separat in der Dorfentwicklung waren. „Wir sind sehr froh, dass wir als Gesamtstadt wieder vom Land aufgenommen wurden“, sagte Bürgermeister Rüdiger Heß am Donnerstagabend im DGH Röddenau. Das sei nicht selbstverständlich und ein Verdienst „der hervorragenden Bewerbung durch die Stadtverwaltung“.

Kommunale Projekte

In der Dorfentwicklung können kommunale, also öffentliche Projekte gefördert werden, etwa die Sanierung eines Dorfgemeinschaftshauses, der Umbau eines Spielplatzes oder die Neugestaltung eines Dorfplatzes. Das Land zahlt 60 bis 75 Prozent der förderfähigen Kosten, den Rest zahlt die Stadt selbst. Die Förderquote wird jährlich vom Land festgelegt, wegen Corona war sie zuletzt 15 Prozent höher als üblich.

Private Förderung

Auch Privatleute können aus dem Förderprogramm Geld für ihre Projekte bekommen, etwa für den Umbau, die Sanierung oder den Abriss von Gebäuden, für ein neues Dach oder die Dämmung einer Fassade. Die Regelförderung beträgt 35 Prozent der förderfähigen Netto-Kosten, maximal 45 000 Euro, bei Kulturdenkmalen sind es 60 000 Euro. Wer eine Scheune zu Wohnraum umbaut (maximal drei Wohneinheiten) kann bis zu 200 000 Euro erhalten.

Gebäude, die für eine Förderung in Frage kommen, müssen im Fördergebiet liegen, das in der Konzeptphase durch die Fachplaner und den Landkreis erst noch festgelegt wird. In der Regel umfasst das Fördergebiet den alten Ortskern und Gebäude, die vor 1950 erbaut wurden.

Theresia Schneider, Dorf- und Regionalentwicklung beim Landkreis
Theresia Schneider, Dorf- und Regionalentwicklung beim Landkreis © Paulus, Jörg

„Die Dorfentwicklung zielt immer auf Innenentwicklung ab. Es geht darum, den individuellen Charakter eines Dorfes zu erhalten und zu gestalten. Ein Neubaugebiet auf der grünen Wiese ist nicht das Ziel“, erläuterte Theresia Schneider, die beim Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung des Landkreises für die Dorfentwicklung in Frankenberg zuständig ist.

Anträge für private Förderungen sind, außer für Kulturdenkmale, jetzt noch nicht möglich, sondern erst nach Abschluss der Konzeptphase. Wichtig ist auch: Ein Projekt, das gefördert werden soll, darf erst nach der Bewilligung des Antrags begonnen werden. Die Stadt wird einen Architekten beauftragen, der die Privatleute dann kostenlos berät. Wer schon jetzt ein Kulturdenkmal gefördert bekommen möchte, kann sich bei Theresia Schneider darüber informieren.

Die Konzeptphase

Voraussetzung für all das Genannte ist ein Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept, kurz IKEK. Derzeit läuft dafür die Bestandsanalyse, an der das Planungsbüro aus Kassel zusammen mit der Stadtverwaltung arbeitet. „Es geht um Stärken und Schwächen in den Orten, wo sind Probleme und Defizite und wo Möglichkeiten, um Dinge zu bewegen“, erläuterte Planer Dr. Jürgen Schewe.

In den kommenden Monaten können und sollen auch die Bürger an dem Konzept mitarbeiten. Dafür wird es Foren und Arbeitsgruppen geben. Die Stadt hat bereits eine Steuerungsgruppe gebildet, ihr gehören Stadtverordneten-Vorsteher Björn Jäger und je ein Vertreter aus den zwölf Stadtteilen an.

„Das IKEK ist nicht nur ein strategisches Konzept, da steckt mehr dahinter“, sagte Schewe. „Es geht darum, dass sich die Bürger und die Stadtteile austauschen und zukunftsorientierte Lösungsansätze finden, Handlungsfelder und Ziele beschreiben, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen.“ Es gehe bei der Dorfentwicklung auch darum, bürgerschaftliches Engagement zu fördern und das Wir-Gefühl zu stärken.

Der Zeitplan

Nach der Auftaktveranstaltung haben die Bürger nun mehrere Gelegenheiten, sich mit Ideen an der Erstellung des Konzepts zu beteiligen:

Mehr lesen über erste Ergebnisse und Themen aus einer Bestandsanalyse in den Stadtteilen lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine vom 2. April 2022.

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