Iris Heinemann-Pauli gibt ihr Bekleidungsgeschäft aus persönlichen Gründen auf

Familienunternehmen schließt nach 95 Jahren: Eder-Kaufmarkt statt Heinemann-Moden

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Als Pelze noch Mode waren: Kürschnermeister Erwin Heinemann, hier während eines Festes mit seiner Frau Monika an der Pelzmaschine vor dem Laden, betrieb sein seltenes Handwerk bis Anfang der 1990er-Jahre.

Frankenberg. Das Bekleidungsgeschäft Heinemann-Moden schließt nach 95 Jahren. Stattdessen will Inhaberin Iris Heinemann-Pauli den Eder-Kaufmarkt Scharf leiten.

Als Familienunternehmen, das sich aus kleinen Anfängen mit einem Hut- und Pelzwarenladen in der Steingasse zu einem Modegeschäft mit individueller Markenvielfalt in der oberen Fußgängerzone entwickelt hat, war das Bekleidungsgeschäft Heinemann-Moden 95 Jahre lang mit Frankenberg eng verbunden. Doch im kommenden Sommer wird es schließen. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, wie Inhaberin Iris Heinemann-Pauli sagt und ganz allein persönliche Gründe anführt: Sie will künftig den Eder-Kaufmarkt Scharf in der Auestraße 18 weiter leiten, der ihr von ihrem Onkel Klaus Scharf bereits vor drei Jahren übergeben worden war.

„Es liegen meinem Entschluss keine wirtschaftlichen Zwänge, sondern rein familiäre Entscheidungen zugrunde“, betonte Iris Heinemann-Pauli auf Anfrage der HNA. „Da meine beiden Töchter andere berufliche Wege eingeschlagen haben, gibt es keine direkten Nachfolger, die mein Modegeschäft weiter führen würden.“

Das bedauere sie zwar sehr, sie glaube aber dennoch an die Zukunft der Frankenberger Innenstadt und an den Einzelhandel. Die ausgebildete Textilbetriebswirtin hat schon seit März 1990 im Geschäft ihrer Eltern Erwin und Monika Heinemann mitgearbeitet. Seit 2001 führte sie es als Inhaberin und widmete dabei ihren Kundinnen immer wieder sehr persönliche Zuwendung und „Kompetenz in Sachen Mode“, so ihr Wahlspruch.

Mit ganzer Energie künftig für den Eder-Kaufmarkt: Iris Heinemann-Pauli wird sich nach Aufgabe ihres Modegeschäfts in der Neustädter Straße ganz dem Markt in der Auestraße widmen, den sie bereits vor drei Jahren von ihrem Onkel Klaus Scharf als Inhaberin übernommen hat. Foto:  Völker

„Da ich beabsichtige, meine ganze Energie in die Fortführung nur eines Geschäftes einzubringen, habe ich mich schweren Herzens entschlossen, den Bekleidungseinzelhandel aufzugeben“, teilte sie nun in einem Brief ihren Kundinnen mit. Im Hintergrund hat sie ja schon drei Jahre in der Geschäftsführung des Eder-Kaufmarktes mitgewirkt, aber dabei gemerkt, dass sie ihre Kräfte bündeln muss. „Dieser Markt wird genauso weiter geführt, wie er jetzt ist – ganz im Sinne meines Onkels Klaus Scharf“, versichert Iris Heinemann-Pauli.

Das leer werdende Ladengeschäft Neustädter Straße 55-57 soll anschließend vermietet werden. „Wir hoffen, schnell einen Mieter zu finden – die Fußgängerzone ist jetzt saniert und so attraktiv geworden, dass sich bestimmt Interessenten melden“, sagt die Inhaberin voller Überzeugung. Artikel unten

Als mit Zigaretten bezahlt wurde

Die Chronik der Firma Heinemann spiegelt ein Stück Frankenberger Stadtgeschichte. In der schweren Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg gründete am 1. April 1922 der 25-jährige Kürschner Ernst Heinemann, unterstützt durch seine Frau Käthe, in der Frankenberger Steingasse ein kleines Geschäft. „Pelzhüte, Bett- und Schreibtischvorlagen“ wurden 1925 angeboten.

Schon ein Jahr später kam der Umzug in die Neustädter Straße 57, wo der Schwiegervater und Bauunternehmer Daniel Neuschäfer half, aus einem Ackerbürgerhaus mit Ziegenstall ein modernes Geschäftshaus zu machen.

Bald folgten wieder Kriegsjahre, nach 1945 gab es keine Ware mehr. Ideen waren gefragt. „Kurzerhand wurden bei Heinemann für die amerikanischen Soldaten-Käppis genäht. Gezahlt wurde mit Zigaretten, Kaffee und harten Dollars“, heißt es in der Firmenchronik. Sohn Erwin Heinemann stieg 1955 ins Geschäft ein, legte 1959 die Meisterprüfung als Kürschner ab und heiratete 1963 Monika Scharf. Die ausgebildete Einzelhandelskauffrau nahm nun Damenbekleidung ins Sortiment auf.

Heinemanns expandierten 1976/77, indem sie das Nachbarhaus erwarben und das Geschäft von Grund auf mit 140 Quadratmetern Verkaufsfläche neu bauten. 1990 trat Tochter Iris Heinemann nach ihrer Ausbildung ins Unternehmen ein. Eine neue Fassade entstand 1993 mit Glasvordächern. 2002 wurden die Räume umgestaltet.

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