Feste Dienstpläne

An Edertalschule sind jetzt Schüler die Ersthelfer

+
Üben den Ernstfall: (von links) Marie Edelbluth (17) versorgt Johannes Bremmer (17) zusammen mit Daniel Neuhaus (16). Lehrer Andreas Pigulla beobachtet, ob die Schüler bei dem vorgespielten Unfall richtig vorgehen.

Frankenberg. Blutige Nase bei einer Schlägerei, gebrochenes Bein nach einem Sturz, Erkrankungen - es gibt viele Vorfälle in der Schule, bei denen Erste Hilfe notwendig sein kann.

Die könnten aber auch Schüler leisten - wenn sie entsprechend ausgebildet sind. Dafür gibt es seit vergangenem Jahr an der Edertalschule in Frankenberg einen Schulsanitätsdienst.

Kann in der Schule passieren: Jannik Balzer simuliert eine blutende Nase nach einer Schlägerei, Marlena Kesper soll ihn versorgen.

Johannes liegt am Boden. Er stöhnt vor Schmerzen. Per Walky-Talky alarmiert Lehrer Andreas Pigulla den Sanitätsdienst. Kurze Zeit später kommen zwei Schüler zu dem Verletzten, packen Sanitätsrucksack und Tasche aus. „Was ist passiert?“, fragt die 16-jährige Marie ihren 17-jährigen Mitschüler, während sich Daniel, ebenfalls 16, um das verletzte Bein kümmert. Der Krankenwagen wird gerufen, das gebrochene Bein ruhig gestellt. Damit im Ernstfall nichts schiefgeht, spielt die Sanitätsdienst-AG in der Edertalschule mit Lehrer Pigulla regelmäßig solche Notfälle durch.

Die 15 Teilnehmer der Sanitäts-AG haben alle eine Ausbildung beim DRK in Frankenberg absolviert. Bei den wöchentlichen Treffen in der Schule werden die Inhalte der Ausbildung geübt und wiederholt. Beispielsweise fragt Pigulla Anzeichen eines Knochenbruchs ab: „Was sind denn die sicheren Zeichen?“ Zuerst fällt dein Schülern ein offener Bruch ein, mit ein bisschen Hilfe kommen sie auch auf verstellte Körperteile und Krepitationsgeräusche, die entstehen, wenn Knochen aneinander reiben.

Neben Stürzen werden auch eine blutige Nase, eine gebrochene Hand und ein Kletterunfall simuliert. Dabei müssen die Schüler nicht nur den Verletzten versorgen, sondern auch nervige Mitschüler auf Distanz halten - wie bei realen Situationen. Die Sanitätsschüler sollen auch Mitschüler um Hilfe bitten, zum Beispiel um den Krankenwagen zu rufen oder bei der Ersten Hilfe zu unterstützen. Im Anschluss an die Übungen wird direkt gefragt: Was lief gut, was wurde vergessen, was muss besser werden?

Ab Februar soll es feste Dienstpläne für den Sanitätsdienst geben. Während der Schulzeit sind dann immer zwei Schüler im Einsatz, werden bei Notfällen vom Sekretariat über das Funkgerät benachrichtigt. Eine große Hürde ist für Lehrer Pigulla dabei noch die Organisation: Jeder der 15 Schüler aus den Klassen 8, 9 und 11 habe einen anderen Stundenplan, das erschwere die Planung. Ansonsten ist Pigulla, der selber sechs Jahre im Rettungsdienst gearbeitet hat, hoch motiviert. Der Sanitätsrucksack wurde kürzlich von der Frankenberger Bank gespendet, Pigulla hofft auch auf einen festen Unterrichtsraum. Als die Sanitäts-AG letztes Jahr startete, gab es für 15 Plätze über 60 Bewerbungen. Er hofft, dass das Interesse auch in diesem Jahr hoch bleibt, wenn wieder fünf Plätze frei werden.

Von Benedikt Dittrich

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.