Einzelhändler sehen sich auf Weg zu Normalität

Einkauf mit Test oder Impfung: So läuft‘s in Frankenberg

Räumungsverkauf bei „ABC Schuhe“ in der Fußgängerzone: (von links) Mitarbeiterinnen Regina Ernst, Susanne Dennebaum und Inhaberin Birgit Faupel hoffen auf viele Kunden.
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Räumungsverkauf bei „ABC Schuhe“ in der Fußgängerzone: (von links) Mitarbeiterinnen Regina Ernst, Susanne Dennebaum und Inhaberin Birgit Faupel hoffen auf viele Kunden.

Im Einzelhandel in Waldeck-Frankenberg gilt derzeit die Corona-Regel „Click & Meet“. Man darf nur mit Terminvereinbarung einkaufen und auch nur, wenn man einen aktuellen negativen Corona-Test hat oder nachweislich genesen oder vollständig geimpft ist. Für Geschäfte und Kunden bedeutet das Aufwand, aber auch einen Schritt zu mehr Normalität.

Frankenberg - „Es gilt bei aller Vorsicht die Hürden weiter abzubauen und ein normaleres Einkaufen zu ermöglichen“, sagt André Kreisz als Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins Frankenberg. Er hofft darauf, dass bald wieder mehr Normalität einkehrt. Weil die Inzidenz im Landkreis weiterhin über 100 liegt, greift aktuell noch die Bundes-Notbremse.

Einige Geschäfte bieten ihren Kunden am Eingang eine eigene Testmöglichkeit, um dann nach Prüfung einen Soforttermin zu ermöglichen. Der Schnelltest an der Tür benötigt die obligatorischen 15 Minuten Wartezeit. „Viele Kunden haben aber bereits einen Test durch eine der Teststellen in der Tasche“, berichtet André Kreisz, der das Modehaus Eitzenhöfer in Frankenberg leitet. „Klarer Vorteil“, laut Kreisz: „Mit der Bescheinigung kann ich mehrere Geschäfte hintereinander betreten. Bummeln nannte man das früher!“

Kunden hätten sich mittlerweile mit der Situation arrangiert und informierten sich vorab, um dann auch die gewünschten Dinge erledigen zu können. „Die Akzeptanz ist da und das Brückenwochenende fühlt sich ein Stück weit normaler an“, sagt Kreisz.

Die Logik, warum Discounter ihr Angebot ausbauen, sich Kunden mit Einkaufswagen durch die Gänge drängeln, erschließt sich dabei nach wie vor nur der Politik.

André Kreisz, Kaufmännischer Verein Frankenberg

Für Geimpfte und Genesene ist das Einkaufen etwas einfacher, berichtet Kreisz: „Sie legen ihre Bescheinigung vor und bekommen aus der Erfahrung der letzten Wochen auch immer einen Soforttermin.“ Die Kundenfrequenzen seien stetig steigend, die meisten Geschäfte seien so groß, dass es so gut wie nie zu Wartesituationen komme.

„Die Logik, warum Discounter ihr Angebot ausbauen, sich Kunden mit Einkaufswagen durch die Gänge drängeln, erschließt sich dabei nach wie vor nur der Politik“, kritisiert der Kaufleute-Chef.

Schuhladen muss schließen - auch wegen Corona

Trotz der jüngsten Lockerungen sei es für ihren Laden „ABC Schuhe“ in der Fußgängerzone nicht einfach, berichtet Inhaberin Birgit Faupel. Auch die Corona-Pandemie habe dazu beigetragen, dass der Laden demnächst geschlossen werden muss. „Unsere Geduld hängt am seidenen Faden. Wir können nicht mehr“, erzählt die Inhaberin niedergeschlagen. Bis März seien die Maßnahmen verkraftbar gewesen, doch jetzt müsse es wieder bergauf gehen, sonst seien die Innenstädte bald übersäht mit Leerständen, glaubt Faupel.

Aktuell läuft der Räumungsverkauf bei „ABC Schuhe“. Auch hier darf man mit einem negativen Coronatest-Ergebnis oder einer vollständigen Impfung den Laden betreten. Für Kunden, die keinen Test machen möchten, bieten Birgit Faupel und ihre Kollegen einen Service an der Tür an. Seitdem sei mehr im Laden los.

„Die Sicherheit der Kunden steht bei uns an oberster Stelle“, sagt Faupel. Daher habe sie in ihrem zweiten Schuhgeschäft, „Faupel Schöne Schuhe“, Luftfilter installieren lassen, um Kunden und Mitarbeiter noch mehr zu schützen.

Hygienekonzept und Lüftungsanlagen

Im Modehaus Heinze ist man voller Hoffnung. „Wir sind froh, dass wir endlich wieder öffnen können“, sagt Inhaber Hans-Heinrich Heinze. Kunden können vor Ort einen Coronatest machen. Ein paar Minuten Wartezeit und schon kann man einkaufen. „Wir haben unser Hygienekonzept mehrmals überarbeitet und moderne Lüftungsanlagen, damit sich alle sicher fühlen“, erklärt Heinze. Aufgrund der Größe des Modehauses, können rund 250 Kunden gleichzeitig einkaufen.

Er merke deutlich, dass die Stimmung mit jedem neuen Impftag besser werde. „Die Politik geht sehr sorgsam mit den Lockerungen für den Einzelhandel um. Das ist vernünftig“, findet Heinze.

Ab Montag gelten wieder neue Regeln in Landkreisen mit Inzidenzwerten unter 100 (siehe Hintergrund unten). Dies werde unter den weiter geltenden Hygienekonzepten „deutlich zur Normalität beitragen“, hofft André Kreisz. „Die Planbarkeit von Feierlichkeiten rückt in greifbare Nähe. Das beflügelt den Einzelhandel und revitalisiert die Gastronomie und Eventbranche. Dazu müssen die Inzidenzwerte aber dauerhaft runter.“

Einkaufen hängt von der Inzidenz ab

Bei einer 7-Tage-Inzidenz über 100 gilt im jeweiligen Landkreis die Bundes-Notbremse – aktuell auch in Waldeck-Frankenberg. Das bedeutet, dass neben Geschäften des täglichen Bedarfs zum Beispiel auch Buchhandlungen und Gartenmärkte öffnen dürfen. Dabei müssen Abstände eingehalten werden und die Kunden müssen in geschlossenen Räumen eine medizinische Maske oder eine Atemschutzmaske tragen. Auch „Click&Collect“ ist möglich, also bestellen und abholen.

Bis zu einer 7-Tage-Inzidenz von 150 sind „Click&Meet“-Angebote möglich, also einkaufen mit Termin. Voraussetzung dafür ist die Vorlage eines höchstens 24 Stunden alten negativen Testergebnisses, eines vollständigen Impfschutzes oder die amtliche Bestätigung, dass man in den vergangenen sechs Monaten von einer Corona-Infektion genesen ist.

Ab Montag, 17. Mai, gilt in Hessen ein 2-Stufenplan: Stufe 1 greift, wenn die Inzidenz an 5 Werktagen in Folge unter 100 liegt; Stufe 2, wenn die Inzidenz danach weitere 14 Tage unter 100 oder 5 Tage unter 50 ist. Für den Einzelhandel gilt in Stufe 1: „Click & Meet“, medizinische Maske, aktueller Test wird empfohlen; Stufe 2: Alle Geschäfte geöffnet mit Zugangsbeschränkungen und Maskenpflicht, aktueller Test wird empfohlen.

Von Clara Pinto Und Jörg Paulus

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