Einrichtung laut Betreiberin finanziell nicht mehr tragbar

Einkaufskinderbetreuung in Frankenberg nach acht Jahren geschlossen

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Geschlossen: Die Einkaufskinderbetreuung in der Fußgängerzone ist leergeräumt, das Angebot habe sich finanziell nicht mehr gelohnt, sagt Betreiberin Christina Hartmann-Kohl. 

Frankenberg. Die Einkaufskinderbetreuung in der Frankenberger Fußgängerzone ist geschlossen. Eltern konnten dort seit 2007 ihre Kinder während des Einkaufs beaufsichtigen lassen. 

Acht Jahre lang war die Einkaufskinderbetreuung in Frankenberg eines der Aushängeschilder des hessischen Modellprojekts „Familienstadt mit Zukunft“. Nach dem Auslaufen des Modellprojekts Ende 2015 führte Christina Hartmann-Kohl, die dort als Betreuerin gearbeitet hatte, die Einrichtung privat weiter. Seit einigen Wochen nun stehen die Räume in der Fußgängerzone leer. „Es ist finanziell nicht mehr tragbar“, sagt Hartmann-Kohl der HNA.

Die Einkaufskinderbetreuung war dafür gedacht, dass Eltern ihre Kinder dort zum Spielen und Basteln abgeben können, während sie in der Stadt einkaufen oder andere Dinge erledigen. Es gab einen Müttertreff, eine Krabbelgruppe und besondere Aktionen zu Stadtfesten und zur Weihnachtszeit.

2007 hatte das Familienbüro der Stadt Frankenberg die Betreuung gestartet – damals innerhalb von „Familienstadt mit Zukunft“ noch finanziell durch das Land Hessen unterstützt. Die Stadt hatte sich nach Auslaufen des Modellprojekts Ende 2015 aus der Betreuung zurückgezogen. Die Kosten von 90 000 Euro jährlich ohne Zuschuss des Landes könne die Stadt nicht tragen, sagt Bürgermeister Rüdiger Heß. Die Stadt und der Kaufmännische Verein hatten sich aber weiterhin mit ein paar tausend Euro an der Einrichtung beteiligt. „Der Spendenbetrag konnte und sollte keinesfalls kostendeckend sein“, sagt André Kreisz, der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins. Die Entscheidung, die Einkaufskinderbetreuung zu schließen, „respektieren und bedauern wir“, so André Kreisz.

Christina Hartmann-Kohl

Es habe letztlich zu viele Nebenkosten und auch versteckte Kosten gegeben, sagt Christina Hartmann-Kohl der HNA. Zur Miete – die Einkaufskinderbetreuung war Ende 2015 von der Bahnhofstraße in das ehemalige Hotel Schmidtmann in der Fußgängerzone umgezogen – kam zum Beispiel die Haftpflichtversicherung, um die Kinder überhaupt betreuen zu dürfen. Und sie habe zwei Mitarbeiterinnen einstellen müssen, weil immer zwei Betreuer da sein mussten. „Die Kosten waren immens, ich habe jeden Monat 1000 Euro privat draufgelegt“, sagt Hartmann-Kohl.

Zuletzt habe sie sich in einer Konfliktsituation befunden: Die Eltern hätten zwar einen Anteil für die Betreuung bezahlt. Hätte sie aber die Preise erhöht, wären weniger Kinder gekommen. „Ich habe das Beste versucht, um weiterzumachen. Die Einkaufskinderbetreuung lag mir sehr am Herzen“, sagt Hartmann-Kohl, die dort insgesamt neun Jahre lang gearbeitet hat. Sie habe selbst zwei kleine Kinder, zwei Jahre und acht Monate alt. „Jetzt will ich erstmal für die da sein.“

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